Fachkräfte für Bäderbetriebe

Im Dienste des Badespaßes

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Die Meisterin für Bäderbetriebe, Anja Sattler, inspiziert den 10-Meter-Turm des Heinrich-Fischer-Bades und behält dabei die Badegäste im Auge.

Hanau - Die Frauen und Männer, die man landläufig Bademeister nennt, heißen eigentlich Fachkräfte für Bäderbetriebe. Und ihr Job besteht nicht nur darin, am Beckenrand darauf zu warten, dass sie jemanden retten müssen. Von Sebastian Schilling 

Wir haben eine „Bademeisterin“ eine Schicht lang begleitet.

9.40 Uhr. In 20 Minuten wird der Außenbereich des Heinrich-Fischer-Bades geöffnet. Doch bevor es so weit ist, muss Anja Sattler noch einiges erledigen. „Die Wasserwerte haben wir heute morgen schon geprüft“, sagt Sattler. Nun beginnt sie ihren täglichen Rundgang. Sattler ist Meisterin für Bäderbetriebe. Die 50-Jährige hat schon ihre Ausbildung zur Fachkraft für Bäderbetriebe im Heinrich-Fischer-Bad gemacht und arbeitet seit 34 Jahren in dem Hanauer Bad.

Der Rundgang beginnt mit der Inspektion der 73 Meter langen Rutsche. Sattler steigt die Treppen hoch und läuft die noch trockene Rutschbahn hinunter. Sie schaut, ob Risse entstanden sind oder ob die Fugen zwischen den Rutschbahnelementen beschädigt sind. Dann bestünde Verletzungsgefahr. Es ist aber alles in Ordnung.

Weiter geht es zum großen Schwimmbecken. Hier muss Sattler einen Bodensauger aus dem Wasser holen. Wie ein Roboterstaubsauger hat das Gerät über Nacht den Boden des Schwimmbeckens abgefahren und dabei Schmutz aufgesammelt. Sattler holt die Filterrollen aus dem Gerät und findet eine SIM-Karte, die jemand im Becken verloren hat.

Als nächstes lässt Sattler Wasser in die Fußbecken, die den Bereich der Schwimmbecken vom Eingangsbereich und den Liegewiesen trennen. Das Gras leidet unter der Hitze und ist schon überwiegend braun. „Wir haben seit ‘84 keine Beregnungsanlage mehr“, sagt Sattler. Und um das Gras so ausreichend zu bewässern, fehlen Zeit und Personal.

10 Uhr. Das Freibad ist nun geöffnet, die ersten Gäste haben schon gewartet und bewegen sich jetzt zielstrebig auf die Becken zu. Es handelt sich überwiegend um Senioren und Familien mit kleinen Kindern. Aber auch eine ganze Ferienspielgruppe strömt schon kurz nach der Öffnung ins Bad.

10.30 Uhr. Etwa 150 Badegäste sind schon da. Sattlers Rundgang ist aber noch nicht beendet. Am Kinderbecken muss sie prüfen, ob die Gitterbleche der Ansaugöffnungen an der Mittelinsel unbeschädigt sind. Andernfalls könnte es zu schweren Unfällen kommen. Aber auch hier ist alles in Ordnung. Eine ältere Besucherin fragt Sattler, was denn mit der Rutschbahn sei. „Gleich. Kommt alles“, antwortet Sattler der Seniorin im Vorbeigehen. Doch vorher muss sie noch mal zurück zum Kinderbecken. Dort hat ein Kind sein großes Geschäft im Wasser verrichtet, Sattler muss das Malheur beseitigen. „Das ist der unangenehme Teil des Jobs.“ Kurz darauf übergibt sich ein Kind am Beckenrand. „Heute wollen sie mich auf die Probe stellen,“ sagt Sattler, und spült die Hinterlassenschaft mit einer Gießkanne in den Überlauf.

10.50 Uhr. Die Schalttafel, mit der Sattler die „Attraktionen“ aktivieren kann, befindet sich in einem Gerätehaus zwischen den Schwimmbecken. Hier aktiviert Sattler den Wasserfluss an der Rutsche und die Wasserfontänen und Massagedüsen im Nichtschwimmerbecken. Das Wasser ist von dem wochenlangen Sonnenschein aufgeheizt und 26 Grad warm.

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11.30 Uhr. Während ihrer Routinetour wird Sattler immer wieder von Badegästen gegrüßt. „Wir haben hier viele Stammgäste.“ Ein Junge kommt auf Sattler zu, er möchte das Jugendschwimmabzeichen in Bronze machen. „Dafür muss er 200 Meter, also vier Bahnen, in 15 Minuten schwimmen. Außerdem zwei Meter tief tauchen und vom 1-Meter-Brett springen,“ erklärt Sattler. Der Junge springt ins Becken und nimmt die 200 Meter in Angriff.

Sattler schaut auf die Uhr und merkt sich die Uhrzeit. Als Nächstes muss sie einem Jugendlichen, der Sozialstunden ableisten muss, eine Aufgabe zuteilen. Sie drückt ihm einen Eimer samt Fugenkratzer in die Hand. Er soll am Beckenrand Unkraut aus den Pflasterritzen entfernen. Zögerlich macht sich der junge Mann ans Werk. Unterdessen hat der Schwimmabzeichen-Aspirant seine vier Bahnen absolviert. In weit weniger als 15 Minuten. Jetzt noch Tauchen und Springen – beides kein Problem. Sattler stellt ihm die Bestätigung aus.

11.45 Uhr. Ein kleiner Junge fragt, wann denn der Sprungturm für alle geöffnet wird. „Es dauert noch ein bisschen“, vertröstet ihn Sattler. Während ihrer Erledigungen muss sie auch ständig ein Auge auf die Badegäste haben. Sie trägt die Verantwortung. Wenn etwas passiert, muss sie Erste Hilfe leisten und einen Notruf absetzen.

12 Uhr. Das Hallenbad wird nun geschlossen. Die Kollegin, die bis jetzt dort die Aufsicht geführt hat, kommt nun auch aufs Außengelände. Jetzt muss Sattler nicht mehr alle Badegäste alleine im Auge behalten. Und sie kann auch das 1- und das 3-Meter-Brett freigeben, beide werden sogleich rege genutzt

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