Diskussion über Kastrationspflicht

Handeln gegen Katzenelend

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Über die Einführung einer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen wird derzeit in Hanau beraten. Sie ist nach Ansicht von Tierschützern ein wichtiger Schritt, um die Zahl verwilderter Straßenkatzen einzudämmen.

Hanau - Schlecht ernährte, kranke und verletzte Katzen, die wild auf der Straße leben, solche Bilder sind vielen eher von Auslandsurlauben vor Augen. Doch auch direkt vor unserer Haustür gibt es immer mehr verwilderte Katzen, die ein Leben ohne liebevolles Zuhause fristen. Von Laura Hombach 

Ein Problem, das durch die Einführung einer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen zumindest eingedämmt werden könnte - von Tierschützern schon lange gefordert, ist sie nun auch in immer mehr Kommunen ein Thema.

Seit 2014 dürfen hessische Kommunen selbst entscheiden, ob sie eine Katzenschutzverordnung, die sowohl eine Kastration herrenloser wie auch frei laufender Hauskatzen vorschreibt, erlassen. Hessenweit haben allerdings laut Angaben des Tierschutzbundes erst 22 der insgesamt 423 Kommunen eine solche Verordnung erlassen. Auch in Hanau wird die Einführung einer solchen Pflicht, einem Antrag der CDU folgend, aktuell diskutiert. Auf Kreisebene machen sich die Grünen dafür stark, dass der Kreistag eine Diskussion über die Kastrationspflicht für Freigängerkatzen - allerdings zunächst nur für solche ohne Besitzer - anstoßen soll.

Rund 500.000 wild lebende Katzen gibt es laut Schätzungen des Landestierschutzbundes in Hessen - Tendenz steigend. Für Hanau spricht der Tierschutzverein Hanau und Umgebung von circa 500 wild lebenden Katzen. Insbesondere in der Nähe der August-Schärttner-Halle, aber auch in Steinheim, Großauheim und Klein-Auheim leben ganze Populationen der Tiere zusammen. „Die Zahl ist in den letzten Jahren exponential gestiegen“, so Helma Göbel vom Hanauer Tierschutzverein. Nicht kastrierte Katzen sorgen alle paar Monate für Nachwuchs, der sich wenige Monate später selbst wieder vermehren kann. Ein Kreislauf, in den der Tierschutzverein seit vielen Jahren regulierend eingreift. Immer wieder sind die Tierschützer vor Ort, um Katzen in Fallen einzufangen und sie kastrieren und medizinisch behandeln zu lassen. Rund 10.000 Euro jährlich werden aus dem Budget des Vereins, der auch das Hanauer Tierheim betreibt, und von der Stadt Hanau einen jährlichen Zuschuss von 100.000 Euro erhält, für die wild lebenden Katzen aufgewendet. Darin enthalten sind neben Kosten für die Kastration und medizinische Behandlung auch die Medikamente für die oft schwer kranken Tiere.

Für die allergrößte Zahl der verwilderten Katzen führt der Weg nach Einfangen, Kastration, Impfung und medizinischer Behandlung durch den Tierarzt allerdings wieder direkt auf die Straße. „Die Sozialisation findet in den ersten Wochen statt“, erklärt Göbel, dass Katzen, die in dieser Zeit nicht an den Menschen gewöhnt wurden, sich das in aller Regel später auch nicht mehr antrainieren lassen. Und für eine Katze, die sich nicht anfassen lasse, finde sich leider auch kein liebevolles Zuhause.

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Der Elendskreislauf der wild lebenden Katzen lässt sich nach Ansicht der Tierschützer deshalb auch nur stoppen, wenn auch die Kastrationspflicht kommt. Schließlich handelt es sich bei den verwilderten Katzen nicht nur um ausgesetzte oder entlaufene Hauskatzen und deren Nachkommen, sondern es kommt auch immer  wieder  zu Paarungen zwischen wild lebenden und domestizierten Katzen. Dabei stellt der Kontakt mit den verwilderten Tieren auch eine Gefahrenquelle für die Hauskatzen dar, Parasiten und ansteckende Krankheiten können übertragen werden.

Von einer sinkenden Zahl von Streunerkatzen auf Futterjagd würden indes nicht nur die Katzen selbst, sondern auch Kleintiere wie Mäuse und Singvögel profitieren, macht Göbel die Zusammenhänge deutlich.

Werden im Tierheim nur kastrierte Tiere abgegeben oder bei der Vermittlung von Jungtieren die neuen Besitzer vertraglich zur Kastration verpflichtet, gibt es immer noch viele Katzenbesitzer, die ihr Tier aus den unterschiedlichsten Gründen nicht kastrieren lassen. Irrglaube wie der, dass eine Katze aus gesundheitlichen Gründen zumindest einmal in ihrem Leben Junge bekommen haben sollte, bevor man sie kastrieren lässt, hält sich hartnäckig, weiß Göbel. Die Einführung einer Kastrationspflicht für alle Katzen mit Freigang ist deshalb nach Ansicht der Tierschützer ein wichtiger Schritt, um die Zahl der Katzen, die ohne liebevolles Zuhause leben müssen und nicht selten ein Leben in Krankheit und Elend fristen, zu reduzieren.

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In Hanau soll die von der CDU angestoßene Diskussion über eine Kastrations- und Registrationspflicht inklusive der Übernahme für die Kastrationskosten von herrenlosen Katzen durch die Stadt demnächst im Haupt- und Finanzausschuss geführt werden. Und auch der Main-Kinzig-Kreis soll nach Wunsch der Kreistagsfraktion der Grünen Flagge zeigen und die Diskussion des Themas in den Kommunen anstoßen. Einen Antrag haben die Grünen zur Kreistagssitzung am 9. Februar gestellt.

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