Werbeeffekt bleibe aus

Diskussion über verkaufsoffene Sonntage geht weiter

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Diskutierten über Einzelhandel: Michael Weller, Henrik Statz, Diana Schreiber, Michael Bailly und Gotthard Klassert (v.l.).

Hanau - Eine neue Diskussion über flexible Öffnungszeiten im Einzelhandel und Rechtssicherheit bei verkaufsoffenen Sonntagen fordert die Hanauer FDP, die sich mit Vertretern des Einzelhandels zu einem Gedankenaustausch traf.

Der neue Vorsitzende der Hanauer FDP, Henrik Statz, und sein Stellvertreter Dr. Michael Weller hatten zur Gesprächsrunde in die Firmenzentrale des Textilunternehmens Bailly Diehl eingeladen.

An der Diskussion nahmen neben Hausherr Michael Bailly, Diana Schreiber, Centermanagerin des Forums Hanau, und Optiker Gotthard Klassert, Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, teil.

Die kurzfristige Absage des letzten verkaufsoffenen Sonntags im November 2017 nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Frankfurt, das einer Klage der Gewerkschaft Verdi und der Kirchen („Allianz für den freien Sonntag“) stattgab, empfanden die Hanauer Einzelhändler „als Schlag ins Gesicht“. „Solche Entscheidungen begünstigen das Abwandern der Kunden vom stationären Handel zum Onlinehandel und zerstören so auch die Bemühungen der Stadt und der Hanau Marketing GmbH, die Innenstadt auch an Sonntagen mehr zu beleben“, meinte Michael Bailly. Aktionstage wie die Auto-Show an einem Sonntag im April würden zwar die Innenstadt füllen, anhand der niedrigen Belegungszahlen in der Tiefgarage des Forums könne man aber feststellen, dass solche Tage nicht genügend Besucher aus dem Umland anlocken. „Somit bleibt der gewünschte Werbeeffekt für die Stadt aus“, so Diana Schreiber vom Forum Hanau.

„Während die Online-Umsätze weiter vom Freitagnachmittag bis zum Sonntagabend kontinuierlich ansteigen, müssen sich stationäre Händler immer mehr einfallen lassen, wie sie innerhalb ihrer vom Gesetzgeber vorgegebenen Öffnungszeiten Umsätze stabil halten können und dabei Arbeitsplätze sichern“, so Gotthard Klassert.

Bilder vom Frühlingsmarkt in Hanau

In Nordrhein-Westfalen hätten nach einer Initiative von CDU und FDP Kommunen und Händler nun die Möglichkeit, an bis zu acht Sonntagen im Jahr die Geschäfte zu öffnen. Die gesamte Handelswelt in Deutschland schaue nun, ob diese Neuregelung Bestand haben wird.

Aus Sicht des stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Michael Weller ist der stationäre Handel „ein wichtiger Standortfaktor“. Es gehe darum, den Anteil lokaler Händler in einer Stadt zu halten, am besten noch auszubauen. Wer attraktive Innenstädte wolle, müsse in allen Angebotssegmenten gut aufgestellt sein. „Einzelhändler, die eine gute Sortimentsarbeit leisten und eine hohe Beratungskompetenz besitzen, werten jedes Stadtbild auf. Damit sie davon leben und ihr Personal bezahlen können, müssen wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Kunden dann zu bedienen, wenn es ihre Kunden wünschen“, ergänzte FDP-Chef Henrik Statz. Für Hessen fordere man deshalb zumindest die Rechtssicherheit für vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr. Dafür setzt sich, wie berichtet, auch die Hanauer Stadtspitze ein. „Die dadurch gewonnenen Zusatzumsätze sichern auch die Arbeitsplätze der Angestellten im Handel. Dies muss auch im Interesse der Gewerkschaften und der Kirchen sein“, argumentiert Henrik Statz. (did)

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