Die dritte Fee ist ein Mann

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Zum 16. Mal führt Marc Urquhart Regie bei einer Produktion für die Festspiele. Bei einer der letzten Proben gab es für die Schauspieler nochmal Anweisungen zu Einsätzen. 15 Songs aus der Feder von Alexander S. Bermange sind in dem Musical zu hören.

Hanau - Die guten Feen rauschen auf die Bühne und werden mit großem „Hallo“ begrüßt. Für einen kleinen Moment ruht die Arbeit an Kulissen, Technik und Bühnenbau. Alle riskieren einen kurzen Blick auf die Kostüme, mit denen am Dienstag erstmals für die Premiere des Musicals „Dornröschen“ geprobt wurde, die am heutigen Freitag stattfindet. Von Dieter Kögel

Die Figuren mit ihren futuristischen Haartrachten und üppigen Tüllgewändern, sie scheinen aus einer ganz anderen Welt zu kommen und wirken möglicherweise auf viele Zuschauer nicht so, wie man sich landläufig Feen aus dem Märchen vorstellt.

Dennoch ist es das Märchen von Dornröschen, nur eben „neu erzählt,“ sagt Regisseur Marc Urquhart, während die Fee in blau noch nicht ganz glücklich ist mit dem Sitz des neuen Kleides. „Das muss noch geändert werden,“ meint sie, die ein Er ist. Der wunderbare Sänger Hartmut Schröder, bislang eher in Königsrollen bei den Brüder-Grimm-Festspielen bekannt, zupft an den Trägern seines Feenkostüms. Mit seiner Stimme und seiner Gestik verleiht er dem Reigen der Feen das, was sie ausstrahlen sollen: Verspieltheit, Verrücktheit - die Feen-Truppe in Partystimmung. Ganz so, wie es Regisseur Urquhart wünscht. Die Feen als leicht komödiantisch angehauchtes Element in einer doch ernsten Geschichte.

Am Samstag ist das Musical dann nochmals um 16 Uhr und um 20.30 Uhr zu sehen, am Sonntag um 14 Uhr und um 17.30 Uhr. Weitere Infos über die 25. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele und das Gesamtprogramm im Internet.

Denn Dornröschen wird in dem von Wolfgang Adenberg für die Amphitheater-Bühne geschriebenen Stück aus der Sicht der „bösen“ Fee erzählt. Warum ist sie böse, warum handelt die so? Das sind die Fragen, denen spielerisch und unterhaltsam bei der Inszenierung nachgegangen wird. Denn für Marc Urquhart und sein Ensemble ist eines klar: Die Fee war nicht immer eine Böse. Vielmehr ist es die unerfüllte Liebe zum Prinzen, die Serafina zu ihrem Tun treibt. Und das Verletztsein darüber, dass ihr Geliebter seine Gefühle der Staatsraison wegen verleugnet.

Zutiefst menschliche Regungen also, die beim „Dornröschen“ auch so daherkommen. Denn alleine schon die Ausstattung der Figuren ist eher auf Einfachheit, denn auf märchenhaft höfischen Prunk aus. „Die Geschichte wird somit alltagskompatibel“, wünscht sich Regisseur Urquhart.

Alexander S. Bermange, der für die Musik des Musicals mit den rund 15 Songs verantwortlich zeichnet, geht derweil mit den Schauspielern noch einmal die Einsätze durch. Alles muss aufeinander abgestimmt werden: Spiel, Musik, Einsatz der Drehbühnen, die im monumentalen und multifunktionalen Bühnenbild von Tobias von Wolffersdorff immer wieder eine neue Welt eröffnen werden. Dann gilt es, die Positionen einzunehmen, im Amphitheater wird es ruhig. Auf der Seitenbühne zählen die vier Musiker zum ersten Takt ein, und Fee Serafina hat ihren ersten Auftritt in ihrem kleinen Feenparadies, wo sie ihren geliebten Prinzen erwartet. Doch natürlich kommt alles ganz anders. Das Geheimnis des „Wie“ wird heute Abend für die Premierengäste gelüftet.

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