Aus dem Gericht

Drogen im Millionenwert gehortet: Hohe Haftstrafen für Dealer aus Hanau

Rechtsbeistand: Die beiden Pflichtverteidiger Gabriele Berg-Ritter und Christian Freydank erläutern ihren Mandanten das Urteil.
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Rechtsbeistand: Die beiden Pflichtverteidiger Gabriele Berg-Ritter und Christian Freydank erläutern ihren Mandanten das Urteil.

in einer Garage in Hanau werden durch Zufall Drogen im Wert von über einer Million Euro gefunden. Zwei Männer müssen sich im Prozess verantworten. Jetzt ist das Urteil gefallen.

Hanau – Unterschiedlicher könnten die Reaktionen nicht sein, nachdem die Vorsitzende Richterin Dr. Katharina Jost das Urteil verkündet und damit Kristijan S. (44) sowie Artur P. (42) wegen Rauschgiftbesitzes und Beihilfe zum Drogenhandel in umfangreichem Stil ins Gefängnis schickt. S. soll für fünf Jahre und zehn Monate hinter Gitter, P. muss sieben Jahre absitzen.

Der 44-jährige Serbe, der sich in seinem letzten Wort für den „fairen Prozess“ bedankt, redet ruhig und sachlich mit seiner Pflichtverteidigerin Gabriele Berg-Ritter darüber, wie es nun weiter geht. Glücklich ist er vielleicht nicht über das Strafmaß, weil seine Rechtsanwältin auf Gefängnis von „bis zu viereinhalb Jahren“ plädiert hatte. Aber er weiß, dass er dafür zu büßen hat, was er bis Mai 2020 an der Großauheimer Rodgaustraße getrieben hat.

Drogen aus Hanau werden europaweit verkauft

Dort ist der Sanitär- und Lüftungsfachmann Mieter einer Doppelgarage gewesen, hat Material für seinen Job untergebracht. Allerdings auch 24 Kisten, in denen sich rund 130 Kilogramm Marihuana befanden, sowie zwei Kilogramm reines Heroin und acht Kilo Haschisch. Alles zusammen mit einem Schwarzmarktwert von rund 1,5 Millionen Euro.

Dieses Rauschgift wird von Großauheim aus bundes- und europaweit von einem internationalen Drogenhändlerring verkauft. „Die Garage ist strategisch gut gelegen, die Autobahn ganz nah“, stellt die Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht fest. In der mehrtägigen Verhandlung sei es vor allem darum gegangen, wer zu den „großen Fischen oder den Handlangern“ in diesem Bereich der organisierten Kriminalität zählt.

Hanau: Drogendealer legt umfassendes Geständnis ab

S., der den Spitznamen „Kiki“ trägt, ist sicherlich keiner der Drogenbosse. Er hat quer durch Deutschland Kurierfahrten erledigt und eben die Doppelgarage zur Verfügung gestellt. „Läufer und Bunkerhalter“ nennt Richterin Jost die kriminellen Machenschaften, hinter denen der Großauheimer Martin D. stecken soll. Gegen ihn läuft vor dem Landgericht in Frankfurt ein ähnliches Verfahren.

Mit dem 44-Jährigen hat die Kammer Nachsehen, weil er zum Auftakt „die Hosen heruntergelassen“ hat. Er nennt Verbindungen sowie Teile des Organisationsaufbaus und legt ein umfassendes Geständnis ab. In diesem Bereich der Kriminalität keine Selbstverständlichkeit.

Marihuana verschwindet spurlos: Dealer aus Hanau wird mit Waffe bedroht

In diesem „Geschäft“ herrschen raue Sitten. Das hat S. am eigenen Leib erfahren, als plötzlich ein Karton mit mehreren Kilos Marihuana spurlos verschwindet. Bei einem „Treffen“ in Klein-Auheim wird „Kiki“ zur Rede gestellt, hat dann aber keine Gelegenheit, etwas zu sagen – weil ein Messer an seiner Kehle sitzt.

So ist es verständlich, dass der 44-Jährige froh ist, dem Ganzen entkommen zu sein. Ist es also vielleicht kein Zufall, dass dieser riesige Drogenfund so kurios begonnen hat?

Hanau: Polizei stößt durch Zufall auf riesiges Drogendepot

Wie mehrfach berichtet, ist S. mit der Miete in Verzug geraten. Der Betreiber des Garagenparks an der Rodgaustraße hatte gekündigt und die Zwangsräumung angedroht. Beim Ausräumen stießen Arbeiter auf das Rauschgiftdepot und alarmierten die Großauheimer Polizei.

Beide Männer waren während der Zwangsräumung aufgetaucht und von einer Zivilstreife des Hanauer Kriminaldauerdienstes festgenommen worden. Am Ende sind es also Mietschulden von 240 Euro, die dazu führen, dass der Staat illegale Drogen im Wert von 1,5 Millionen Euro aus dem Verkehr zieht.

Und bei dieser Menge setzt auch Staatsanwalt Dr. Oliver Piechaczek an, der für S. sechseinhalb Jahre Haft beantragt. Bei so viel Rauschgift gehe es auch um die „Gefährdung der „allgemeinen Gesundheit“.

Erneuter Drogenfund in Hanau sorgt für Aufsehen

Unzufrieden ist dagegen Artur P., der nach dem Schluss der Verhandlung seinen Verteidiger Christian Freydank, der für ihn einen Freispruch gefordert hatte, anfaucht und sich lauthals beschwert. Bis zuletzt hat der Albaner geschwiegen. Daher bekommt er auch die höhere Freiheitsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Abschließend verweist die Vorsitzende Richterin auf die „außergewöhnlich große Menge Rauschgift“, für die es im Kreis bislang kaum einen Vergleich gebe. Jetzt allerdings schon. Denn wie am Donnerstag bekannt geworden ist, hat die Polizei inzwischen in einer anderen Hanauer Garage 28 Kilogramm Crystal Meth im Schwarzmarktwert von rund 2,2 Millionen Euro sichergestellt. (Thorsten Becker)

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