Hola-Theater präsentiert „Die Panne“ an der Stätte ihrer Uraufführung

Hola-Theater präsentiert „Die Panne“ an der Stätte ihrer Uraufführung

+
Achtmal ausverkauftes Haus: Das Hola-Theater präsentierte an historischer Stätte, im Comoedienhaus Wilhemsbad, das Theaterstück „Die Panne“ von Friedrich Dürrenmatt. Dort hatte das Stück auch vor 40 Jahren Premiere.

Mit dem Bühnenstück „Die Panne“ von Friedrich Dürrenmatt glänzte die Theatergruppe der Hohen Landesschule am Freitag auf der Comoedienhausbühne im Rahmen der Feierlichkeiten zu 50 Jahren ununterbrochenem Spielbetrieb in dem Wilhelmsbader Scheunentheater, dessen Geschichte im Jahr 1781 begonnen hatte. 

Hanau – Die Aufführung fand ziemlich genau 40 Jahre nach der Uraufführung des Stücks im Comoedienhaus statt, bei der der Schriftsteller Dürrenmatt persönlich die Regie geführt hatte. .

Das war am 13. September 1979. Und im September stellte die Theatergruppe der Hola ihre neue Produktion auch dem Publikum vor. Sieben ausverkaufte Vorstellungen konnten die engagierten Theatermacher unter der Leitung von Spielleiter und Regisseur Andreas Kühnel und Co-Regisseur Florian Hofmann verbuchen, ausverkauft auch die achte Vorstellung im Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen.

Aus der Schweiz extra zu diesem Anlass angereist war Schauspieler Rene Picard, der vor 40 Jahren bei der Uraufführung als Ensemblemitglied dabei gewesen ist und vor Spielbeginn einen kleinen Abriss seiner Erinnerungen zum Besten gab. Dann gehörte die Bühne der Theatergruppe, die zunächst die ehemaligen Hanauer Bürgermeister Heinrich Fischer und Herbert Dröse auflaufen ließen, um das Publikum widerstreitend und im Schnelldurchlauf mit der Hanauer Historie, insbesondere mit Wilhelmsbad, bekanntzumachen. 

Der Schweizer Schauspieler Rene Picard war bei der Uraufführung vor 40 Jahren mit dabei.

Mit einer aufwändig gedrehten Videosequenz wird das Publikum Zeuge, wie Chefvertreter Alfredo Traps, dargestellt von Colin Schwarzkopf, bei seinen Kundenbesuchen durch eine Panne ausgebremst und zu einem Aufenthalt in Hanau gezwungen wird. In einer Villa findet er Obdach, an einer reich gedeckten Tafel trifft er auf Richterin Wucht (Nadine Kaufmann), Staatsanwalt Zorn (Roberto Romeo), Rechtsanwältin Kummer (Carlotta Kraus) und Henker Pilet (Oliver Karger). Alles pensionierte Senioren aus dem Rechtsgeschäft, die Traps bei Tisch in ein perfides Spiel einbinden: eine Gerichtsverhandlung, bei der Traps als Angeklagter fungiert. Und je mehr der Wein in Strömen fließt und der Alkoholpegel steigt, umso mehr zieht sich die Schlinge der Anklage um den gestrandeten Chefvertreter zu. Der glaubt plötzlich sogar selbst an seine Schuld, hat er seinen Chef doch mit dessen Frau betrogen und so für dessen Tod durch Herzinfarkt gesorgt.

Ein Spiel um Schuld, Gerechtigkeit und Verantwortung in einer Ellenbogengesellschaft, die eben ihre Opfer fordert, entspinnt sich. An dessen Ende wird zwar das Todesurteil gesprochen, aber Traps selbst soll entscheiden. Und er tut es – mit einer Pistolenkugel. Er zieht sein Ende in Schuld dem Zurückgestoßen werden in die banale alltägliche Bedeutungslosigkeit vor.

Das Hola-Theater ist recht frei mit Dürrenmatts Vorlage umgegangen, hat auch aktuelle Bezüge eingebaut und mit Chor und Erzählerinnen der dramatischen Komödie neue Elemente hinzugefügt. Doch dies, so Schauspieler Rene Picard, wäre wohl sicher ganz im Sinne Dürrenmatts gewesen. Der Erlös des Abends kam dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizverein Hanau zugute.

VON DIETER KÖGEL

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare