„Es wird nur ausgebeutet“

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Dürfen nicht länger für Hermes fahren: Mitarbeiter der AKP Transport & Logistik GmbH, die als Subunternehmern für den Logistik-Konzern im Raum Hanau tätig war.

Hanau - Kein gutes Haar an der Hermes-Logistik Versandgruppe lassen die 40 Mitarbeiter des Subunternehmers AKP Transport & Logistik GmbH im Industriegebiet Nord. Seit Donnerstag sind sie arbeitslos. Von Holger Hackendahl

Gestern Morgen verabschiedete sich Geschäftsführer Erhan Meydan mit einem gemeinsamen Frühstück von seinen ehemaligen Mitarbeitern.

Der Hermes-Konzern hatte zum 29. Februar seine seit März 2006 dauernde Zusammenarbeit mit dem Hanauer Unternehmen an der Lippestraße aufgekündigt. Dies hatte Meydan am Donnerstag seinen Mitarbeitern mitgeteilt, die daraufhin ihre Arbeit sofort einstellten. Grund: Hermes zahle an seine Subunternehmer nur, wenn in einem Monat 95 Prozent der Pakete auch tatsächlich ausgeliefert werden. Damit sei allerdings nach Bekanntwerden der Vertragsauflösung im Februar nicht mehr zu rechnen, da sich einige Mitarbeiter nun direkt nach einer anderen Beschäftigung umsehen würden, so dass die AKP-Belegschaft sofort komplett ihre Arbeit einstellte.

1,29 Euro pro Paket für Hermes zu teuer

„Anscheinend sind wir Hermes zu teuer“, vermutet Geschäftsführer Meydan, der nach eigenen Angaben von Hermes 1,29 Euro für die Zustellung eines Paketes, unabhängig von dessen Größe, bekommen hat. Davon habe er zwischen 70 und 90 Cent als Lohn an seine Mitarbeiter weitergeben, von dem Rest musste er Lagerhallenmiete, seine 20 Fahrzeuge, Benzinkosten, Versicherungen etc. bezahlen. „Viel blieb da nicht übrig“, so Meydan. Elf seiner Mitarbeiter waren für ihn als Subunternehmer tätig, lieferten die Pakete mit eigenen Fahrzeugen aus.

Die ehemaligen AKP-Beschäftigten machten gestern ihrem Ärger über den Logistik-Konzern deutlich Luft: „Nach außen hin will Hermes glänzen, doch es wird nur ausgebeutet“, zürnte ein Fahrer. Ein anderer, der viele Jahre in Subunternehmen für Hermes arbeitete, erklärte: „2003 bekam ich noch 1,40 Euro pro ausgeliefertes Paket, heute nur noch 90 Cent - und das trotz stark gestiegener Benzin- und Lebenshaltungskosten. Wie soll das gehen?“

Hermes-Sprecherin Birte Ayhan bestritt hingegen auf Anfrage, dass der Vertrag mit AKP aus Kostengründen gekündigt worden sei. Vielmehr haben die Qualität der Arbeit des Subunternehmers, etwa im Auftreten gegenüber Kunden, nicht mehr gestimmt, so Ayhan.

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