„Ein Markenzeichen Hanaus“

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Am 3. Juli ist es wieder soweit: Der „Love Family Park“ lockt rund 20000 „Raver“ auf die Großauheimer Mainwiese. Im gegenüberliegenden Steinheim formiert sich Widerstand gegen die „zwölfstündige Dauerbeschallung“.

Hanau - Wie in jedem Jahr scheint der Ärger vorprogrammiert. Schon im Vorfeld der Genehmigung des diesjährigen „Love Family Park“, ein Technofestival, zu dem am Sonntag 3. Juli, wieder rund 20.000 junge Musikfans auf den Großauheimer Mainwiesen erwartet werden, hat sich in Steinheim eine „Bürgerinitiative“ gegen das Spektakel gebildet. Von Dirk Iding

Sprecherin Maya Brettmeister aus dem Nähefahrtsweg sieht in der „zwölfstündigen Dauerbeschallung“ während der Megaparty einen „Eingriff in das Grundrecht der Unversehrheit einer Wohnung“.

Brettmeister lädt deshalb alle politisch Verantwortlichen in Hanau ein, am 3. Juli in der Zeit von 10 bis 23 Uhr zu ihr in den Nähefahrtsweg zu kommen. „Für Sitzplätze und Getränke ist gesorgt“, verspricht die Steinheimerin den Kommunalpolitikern. Grund ihrer Einladung: „Wenn man als Politiker schon die Hände hebt und einem Ereignis zustimmt, sollte man auch wissen, zu was man zugestimmt hat und am eigenen Leib die Not der anwohnenden Bürger erfahren.“

Was für Maja Brettmeister und ihre Mitstreiter an „Verletzung der Menschenwürde“ grenzt, ist für die rund 20 000 „Raver“, die Jahr für Jahr nach Hanau pilgern und den „Love Family Park“ zu einer der größten Veranstaltungen ihrer Art in Europa machen, schlicht ein Riesenspaß. Ein Spaß, der unter Auflagen mit Genehmigung der Stadt Hanau stattfindet. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Stadtrat Dr. Ralf-Rainer Piesold (FDP) werten den „Love Family Park“ als „ein Markenzeichen der Brüder-Grimm-Stadt“. Dabei habe die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, dass diese Veranstaltung auch aus Sicht der Polizei problemlos über die Bühne gehe. Gleichwohl kündigte das Polizeipräsidium Südosthessen verstärkte Drogenkontrollen im Umfeld des Love Family Parks an.

OB Kaminsky weiß, „dass das Festival in Hanau nicht nur Begeisterung auslöst“. Allerdings seien die Klagen über lautstarke Musik in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. „Einen Tag im Jahr ist ein solches Festival gewiss zu tolerieren“, findet Kaminsky, zumal sich Hanau als eine „Stadt für jedes Alter“ begreife.

Neben Auflagen hinsichtlich der Beschallung des Festgeländes muss der Veranstalter, die Ludwigshafener Agentur „Cosmopo“, auch diverse Forderungen hinsichtlich des Landschaftsschutzes erfüllen. So müssen etwa Gittermatten verlegt werden, um Schäden durch Befahren der Wiese bei den Auf- und Abbauarbeiten zu minimieren. Bäume und Hecken müssten ebenso geschützt werden wie die vielen Kaninchenbauten auf dem Gelände. Und der Festivalbereich muss gegenüber dem umgebenden Landschaftsschutzgebiet streng abgeschottet werden. Dort dürfen weder Zelte aufgebaut noch Fahrzeuge abgestellt werden: „Uns ist bewusst, dass der Regierungspräsident die Genehmigung des Love Family Parks auf den Mainwiesen kritisch sieht, aber unsere Güterabwägung hat dazu geführt, das Festival auf dem gewohnten Standort zuzulassen“, betonte Naturschutz-Dezernent Dr. Piesold. Alle Versuche, ein Alternativgelände in Hanau zur Ausrichtung des Technofestivals zu finden, seien bisher gescheitert. Allerdings, so versicherte Oberbürgermeister Kaminsky, gehe diese Suche weiter. Voraussetzung für einen neuen Standort sei die Nähe zum Hauptbahnhof, ein ausreichend großes und übersichtliches Gelände abseits der Wohnbebauung sowie Parkplätze, Flucht- und Rettungswege für 20.000 Besucher.

Für LFP-Organisator Robin Ebinger sind die Mainwiesen „der beste Ort“ für das Spektakel, das von einem Fachmagazin unlängst zum „Festival des Jahres“ gekürt wurde. Ebinger unterstrich die Anstrengungen von „Cosmopop“ zum Schutz der Umwelt, dazu gehöre auch, dass im Ticketpreis die Kosten für die Nutzung des ÖPNV enthalten seien.

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