Baumpflanzung auf dem Schulhof

Otto-Hahn-Schule gedenkt Hanauer Attentat

Ein Apfelbaum zum Gedenken an die Opfer des Anschlags vom 19. Februar: Dieser Platz soll laut der kommissarischen Schulleiterin Angela Kirchhoff (Dritte von rechts) ein Platz der Begegnung werden.
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Ein Apfelbaum zum Gedenken an die Opfer des Anschlags vom 19. Februar: Dieser Platz soll laut der kommissarischen Schulleiterin Angela Kirchhoff (Dritte von rechts) ein Platz der Begegnung werden.

Hanau – Erinnern braucht Zukunft. Nach der Hohen Landesschule (Hola) und der Lindenauschule ist gestern nun auch an der Otto-Hahn-Schule im Rahmen der Veranstaltungsreihe ein Apfelbaum zum Gedenken an die Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags vom 19. Februar 2020 gepflanzt worden. Bei dem symbolischen Akt war auch Serpil Unvar dabei, die Mutter von Ferhat Unvar, der vom Täter in jener Nacht in einem Kiosk am Kurt-Schumacher-Platz erschossen worden war.

Veranstaltungen wie an diesem Tag an der Otto-Hahn-Schule seien wichtig, sagt Unvar am Rednerpult. Doch es dürfe nicht beim Bäumepflanzen bleiben. Es brauche mehr als Symbolpolitik, wenn man verhindern wolle, dass so etwas wie in Hanau wieder geschehe, sagt die Frau, die bereits kurz nach dem Attentat eine Bildungsinitiative gegründet hatte, die die Auseinandersetzung und den Kampf gegen den Rassismus zum Ziel hat.

Jeder Auftritt tut weh

Serpil Unvar hat schon bei vielen Gelegenheiten darüber gesprochen. Und doch fällt es ihr schwer. „Man sieht es mir nicht an, aber jedes Mal, wenn ich dort stehe und rede, dann tut es mir weh.“ Der Schmerz über den Verlust des Sohnes sei in diesen Augenblicken besonders stark. Die Otto-Hahn-Schule ist für sie ein besonderer Ort. Ferhat Unvar hat hier seine Jugend verbracht.

Serpil Unvar ist nicht allein gekommen. Sie hat Ali Yildirim mitgebracht, einen Freund ihres Sohnes, der nun zu ihrem Team gehört. Yildirim besuchte genau wie Ferhat die Otto-Hahn-Schule. Auch auf der Eugen-Kaiser-Schule waren sie gemeinsam. Er ist einer von den „jungen Hasen“, wie sie Serpil Unvar nennt. Davon gebe es mittlerweile zwölf. Yildirim geht als sogenannter Demokratietrainer in Schulen und redet über Themen wie Rassismus und auch direkt über den Anschlag vom 19. Februar. Er macht das bundesweit, vor allem in Schulen.

Genauso hat sich Serpil Unvar das gewünscht: Dass die jungen Leute, mit denen Ferhat zusammen war, rausgehen und erzählen. Ali Yildirim hat sich bei der Anne-Frank-Stiftung zum Demokratietrainer ausbilden lassen. Genau wie seine Mitstreiter. Unterstützt werden die „jungen Hasen“ von acht weiteren Ehrenamtlichen, die bereits Erfahrung mitbringen. So wie Judith Lechner, die bei der Stadt Hanau als Projektkoordinatorin arbeitet und für ihr Engagement in der Bildungsinitiative freigestellt wird. Auch sie begleitet an diesem Nachmittag Serpil Unvar.

Bildungsinitiative bezieht Räumlichkeiten

Am 14. November, am Geburtstag von Ferhat, wird die Bildungsinitiative am Freiheitsplatz 6 ihren Sitz eröffnen, genau ein Jahr nach der offiziellen Gründung der Initiative. Für Serpil Unvar und ihre Mitstreiter ist dies ein Meilenstein. „In Kürze kommt die Küche“, sagt Unvar und lächelt. Man hat viele Pläne für den neuen Standort, der ein Zuhause für die Mitarbeiter sein wird: Workshops und Beratungen sollen dort stattfinden. Das Angebot soll sich vor allem an Mütter richten, sagt Serpil Unvar. Denn sie weiß, dass Mütter besonders unter dem Alltagsrassismus leiden, dem ihre Kinder ausgesetzt seien.

Mit dem neuen Büro soll die Bildungsinitiative auch neue Strukturen bekommen. Alles soll noch professioneller werden. Derzeit ist man auf der Suche nach einem hauptamtlichen Referenten, der die Projekte koordinieren und betreuen soll. „Jemand, der in dieser Aufgabe nicht nur einen Job sieht, sondern mit dem Herzen dabei ist“, wünscht sich Unvar. Für all dies braucht die Initiative Geld. Private Spenden, mit denen die Ausgaben bisher finanziert werden, reichen auf Dauer nicht aus, glaubt Judith Lechner. Es brauche Fördergelder vom Land und vom Bund. Wie hat Serpil Unvar gesagt: Mit Bäumepflanzen ist es eben nicht getan. (Holger Weber)

Sie kämpfen gegen den Alltagsrassismus: Serpil Unvar, die Mutter des ermordeten Ferhat Unvar, und dessen Freund Ali Yildirim.

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