Maskenpflicht

Maskenpflicht in Bus und Bahn: Wie viele Personen fahren in Hanau „oben ohne“?

Ein Bus der HSB mit Hinweisschild
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Die meisten Fahrgäste in Hanau halten sich an die Maskenpflicht, sowohl bei unserer Stichprobe als auch bei den Kontrollen – sagt zumindest die HSB.

In Hanaus Bussen herrscht Maskenpflicht. Doch wird sich daran gehalten? Wir haben einen Reporter losgeschickt, um die Situation zu überprüfen.

Hanau – Es ist Ferienzeit, alle reden von Lockerungen angesichts niedrigerer Infektionszahlen bei der Corona-Pandemie. Doch in öffentlichen Verkehrsmitteln gilt nach wie vor die Maskenpflicht. Ist das noch zeitgemäß? Oder sollte hier „oben ohne“ wieder Standard werden, wie vor dem Ausbruch des Covid-19-Erregers?

In den Bussen der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG) und der Hanauer Straßenbahn (HSB), alle zusammengeschlossen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), muss jeder Fahrgast ebenso wie in der Bahn eine Mund-Nasenbedeckung tragen, ob er will oder nicht. Doch wird das auch kontrolliert? Und vor allem: Halten sich wirklich alle Passagiere an das Gebot?

Maskenpflicht: Reporter nimmt die Situation in Hanaus Bussen unter die Lupe

Wir wollten wissen, wie die aktuelle Situation bezüglich der Maskenpflicht in Bussen tatsächlich aussieht und schickten einen Reporter auf die Fahrt durch Hanau, mit einem Tagesticket des RMV.

Die Hinweise sind eindeutig: In den Bussen und bereits an den Haltestellen in Hanau gilt die Maskenpflicht.

Das Ergebnis dieser Stichprobe: Es sind einige wenige Menschen, die ihre Nase und ihren Mund unbedeckt lassen. Die überwiegende Mehrheit trägt blau vor dem Gesicht. Oder bunt, je nach Geschmack und Vorliebe. In der Corona-Krise scheint sich beim Maskendesign eine regelrechte Mode entwickelt zu haben. Die Gründe der Maskenverweigerer reichen, wenn sie sich denn direkt ansprechen lassen, von „vergessen“ bis „was soll die Panik?“. So sitzen beispielsweise zwei Jugendliche in der Linie MKK-54 Richtung Langenselbold, die sich auffällig von den übrigen zwölf Fahrgästen unterscheiden. Sie fahren oben ohne, also ohne Mund-Nasenbedeckung. Höflich darauf angesprochen, erklären beide ebenso höflich und sichtlich unangenehm berührt, ihre Masken zu Hause liegen gelassen zu haben.

Keine Maske auf: Betroffene in Hanaus Bussen reagieren unterschiedlich

„Sorry, stimmt wirklich“, lautet ihr O-Ton. Höflich und schuldbewusst: diese Reaktion kommt bei einem anderen Passagier nicht. Eine ebenfalls junge Dame in der HSB-Linie 5 Kesselstadt-Hauptbahnhof fährt unseren Reporter an: „Dieser ganze Quatsch mit den Masken geht mir so was von auf den Geist. Das bringt doch grade mal Null, ich habe keinen Virus!“ Sie ist die einzige unter ziemlich genau 23 Fahrgästen, die keine Mund- und Nasenbedeckung trägt. Und woher sie weiß, dass sie keine Infektionsgefahr darstellt, bleibt im Ungewissen. In vielen weiteren Linien das gleiche Bild an diesem Montag: fast alle Passagiere halten sich an die Regeln und tragen ihre Masken. Der Pressesprecher der Stadt Hanau und der HSB, Joachim Haas-Feldmann, spricht von „80 bis 90 Prozent der Fahrgäste“, die sich laut Fahrpersonal an die Bestimmungen hielten. Die Ausnahmen gehören – an jenem Tag und bei dieser Stichprobe – alle zur jüngeren Generation. Dies obwohl alle übrigen Jugendlichen „oben mit“ im Bus unterwegs sind.

Die Maskenpflicht im ÖPNV, am 20. April von der HSB eingeführt, gilt nach wie vor. Und Mitreisende seien durchaus angehalten, etwas Zivilcourage zu zeigen und Maskenverweigerer auf diese Pflicht hinzuweisen. Entsprechende Schilder in den Bussen und an den Haltestellen sowie regelmäßige Durchsagen weisen ebenfalls darauf hin. Das soll auch bis auf Weiteres so bleiben. Denn wie der RMV in Übereinstimmung mit den Gesundheitsbehörden mitteilt, sei das Risiko, sich gerade in öffentlichen Transportmitteln mit dem gefährlichen Erreger anzustecken, besonders groß.

Ohne Maske ist in Hanaus Bussen nicht gern gesehen

Da die Passagiere hier auf engstem Raum zusammen träfen und der verordnete Mindestabstand von 1,5 Metern manchmal nur schwer gewahrt werden könne, vor allem zu Stoßzeiten. „Oben ohne“ bleibt also weiterhin verpönt.

Bei Kontrollen durch das Fahrpersonal, die in den ersten zwei Wochen der Maskenpflicht intensiv durchgeführt worden seien und inzwischen noch gelegentlich stattfinden, wären kaum Verstöße festgestellt worden. Kontrollen sollen aber nach Ende der Sommerferien wieder häufiger stattfinden, erklärt Haas-Feldmann. Ab Ende Juli wird auch der Einstieg vorne beim Busfahrer wieder möglich sein (wir berichteten), da Plexiglasscheiben den Fahrzeuglenker vom Rest der Kabine abtrennen sollen und damit die Infektionsgefahr für ihn geringer werde, wie die HSB anfangs der Woche in einer Pressemitteilung ankündigte (wir berichteten). Inzwischen seien die Passagierzahlen im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie wieder auf rund zwei Drittel des früheren Fahrgastaufkommens gestiegen, erklärte der Geschäftsführer der HSB, Thomas Schulte. (Von Rainer Habermann)

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