„Ihr seid wertgeschätzt!“

Eindrucksvolle „Sommernacht“ als Dankeschön für Hanaus Corona-Helden

Fröhliche, aber auch nachdenkliche Töne wurden von Orchester und Solisten bei der stimmungsvollen „Sommernacht 2021“ angestimmt.
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Fröhliche, aber auch nachdenkliche Töne wurden von Orchester und Solisten bei der stimmungsvollen „Sommernacht 2021“ angestimmt.

„Viel besser als klatschen vom Balkon!“ Birgit Streich bringt auf den Punkt, was viele ihrer Kolleginnen so empfinden: Die Einladung zur „Sommernacht 2021“ war ein würdiges Dankeschön für nicht erfassbares Engagement während der Pandemie, ein musikalisches Spektakel von außergewöhnlichem Format. „Hanau steht zusammen“ und seine Helden sitzen beieinander im Amphitheater, genießen am Sonntag einen unvergesslichen Abend, den die Neue Philharmonie Frankfurt glanzvoll gestaltet hat.

Hanau – Birgit Streich, die Leiterin der Betreuung im Altenhilfezentrum Bernhard Eberhard, muss jetzt auch die Besucher „ihrer“ Einrichtung kontrollieren, was oft kein Vergnügen sei, deutet sie an. „Aber wir haben den Humor behalten!“, unterstreicht sie. Und das hochklassige Konzert im Amphitheater, zu dem die Stadt in Kooperation mit dem HANAUER ANZEIGER 400 Corona-Heldinnen und -Helden geladen hatte, vermittelt Anerkennung und Kraft für die Aufgaben der Menschen an der Corona-Front. Oberbürgermeister Claus Kaminsky steht auf ihrer Seite: „Nicht Trübsal blasen, anpacken“, sagt er in seiner Ansprache.

Um es vorwegzunehmen: Das Programm baut nicht auf einen beliebigen Mischmasch. Jens Troester hat als Dirigent und künstlerischer Leiter anspruchsvolle Werke aus Rock, Pop und Klassik zu einem elektrisierenden Spannungsbogen installiert. Bedrohliches Trommeln weicht sanftem Streicherspiel, führt in die Aufgabenstellung der Musikerinnen und Musiker: „Let me entertain you“, Robbie Williams’ Hymne „Lass mich dich unterhalten“.

Sänger Achim Dürr lässt den Gästen nicht lange Gelegenheit, die Stühle warmzuhalten. Zu Soul-Rhythmen wagen die ersten schüchterne Tanz-Bewegungen. Aber es geht nicht nur um coole Stimmung, die Protagonisten unterrichten ihr Publikum mit griffigen Anekdoten etwa über die Entstehung von Eric Claptons Liebeserklärung an George Harrisons Ehefrau oder die Entstehung von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.

Der „Sommer“ ist der Moment der Hanauer Konzertmeisterin Anna-Maria Barth an der Violine. Sie lebt förmlich die Komposition des Meisters, löst Sturm, Sommergewitter und das Schwärmen der Hummeln aus. „Wir wollen euch bestärken: Ihr seid die Champions“, stellt einer der Protagonisten auf der Bühne im Scheinwerferlicht klar – und erntet rauschenden Applaus. „We are the champions“ erinnert aber auch an Freddie Mercury, der just am Tag des Konzerts 75 Jahre alt geworden wäre.

„Music was my first love“, hat John Miles 1975 bekannt, und der Schmachtfetzen begleitet die jubelnde Menge in die Pause. In schwungvoller Tom-Jones-Laune geht’s in die zweite Runde. Das Orchester wächst mit einem zeitgenössischen Werk eines polnischen Komponisten über sich hinaus, zauberhaftes Geigengesäusel verschwindet hinter aggressiven Saitengeräuschen, eintönige Phasen weichen kraftvollem Druck –   und einem erleichternden „Hey!“ der Instrumentalisten.

Bei aller Entspannung hat die in Hanau ansässige Neue Philharmonie Frankfurt auch die Opfer des 19. Februar 2020 nicht vergessen. Die heimische Sängerin Mirjam Wolf präsentiert das ergreifende Hanau-Lied, erkennt, „die Wunde ist nicht verheilt“, aber „zusammen“ geben wir uns Halt!

Allein das Finale der Sommernacht wäre schon ein eigenes Konzert. Noch einmal brillieren die Stimmen von Katrin Glenz, Achim Dürr und Sascha Krebs, von Esther Wolff und Anja Loges im „Final Countdown“. Dazu gibt es eine prickelnde Travestie-Einlage von Dürr und den Beatles-Klassiker „Hey Jude“ hinter festlichen Feuerwerksfunken. Da sitzen auch die Band-Musikanten um Ralf Hübner, Ulrich Wagner, Philipp Hagemann und Schlagzeugerin Gaby Jüttner. „Ihr seid wertgeschätzt“, hallt es in Richtung Auditorium: „Was wäre Hanau ohne euch?!“

Von Michael Prochnow

Die Liveübertragung im Internet wurde von HA-Redaktionsleiterin Yvonne Backhaus-Arnold und von Philipp Heinzinger moderiert, hier im Gespräch mit Dirk Eisermann, Geschäftsführer der Neuen Philharmonie Frankfurt. Als Gesangssolisten beim Konzert glänzten unter anderem Katrin Glenz und Achim Dürr.
Die Neue Philharmonie Frankfurt unter der Leitung von Jens Troester (links) sorgte mit ihren Darbietungen für viel Vergnügen bei den Corona-Heldinnen und -Helden im Publikum.
Die Solokünstler geben alles.
Redaktionsleiterin Yvonne Backhaus Arnold im Gespräch mit Dirk Eisermann (rechts) und Philipp Heinzinger.
Der Dirigent der Sommernacht.

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