Website als Inklusionswegweiser

Eine Homepage ohne Barrieren

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Robertino Rims und Daniela Milia zeigen beim Aktionstag „Inklusion“ im Kinopolis ihre Bilder, die sie im KunstRaum des Brockenhaus, eine Einrichtung des Behindertenwerks Main-Kinzig, gemalt haben.  

Hanau - „In Vorbereitung“ steht aktuell noch auf der Homepage www. menschen-in-hanau. de. Doch die Planungen für die Internetseite, die sich als Ziel gesetzt hat, Menschen mit Einschränkungen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern, sind weit fortgeschritten. Richtig abgeschlossen werden sie allerdings nie sein. Von Steffen Müller 

„Stillstand ist Rückschritt“, sagte einst der Wirtschaftsmanager Rudolf von Bennigsen-Foerder und es scheint, als hätten sich die Betreiber der neuen Website www.menschen-in-hanau.de dieses Motto zum Vorbild genommen. Denn durch die gewollte Beteiligung der Internetnutzer ist die Homepage im steten Wandel und soll mit immer neuen Inhalten gefüllt werden. Die Seite richtet sich an Menschen mit Einschränkungen. Sei es, dass sie aufgrund eines Migrationshintergrundes nur schlecht Deutsch verstehen oder wegen einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind. „Die digitale Welt hat auch Hürden, die die Teilhabe an ihr erschwert“, sagt Hanaus Stadtrat und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) bei der offiziellen Einweihung der Seite, die im Rahmen des Aktionstages „Inklusion“ vorgestellt wurde, der gestern im Kinopolis stattfand und bei dem sich Behindertenorganisationen aus Hanau präsentierten.

Neben Weiss-Thiel sitzt Doris Peter vom Verein Lebenshilfe, der die Idee zu dieser inklusiven Homepage hatte. Peter berichtet, wie sie beim Lesen der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen merkte, wie unverständlich die Rechte für Behinderte dort erklärt sind.

Der auf einen Rollstuhl angewiesen Pedram Semnani beteiligte sich an der Erstellung der Homepage www.menschen-in-hanau.de.

Daraus entstand der Gedanke, eine Website für Hanau zu gestalten, auf der die Richtlinien der Behindertenrechtskonvention verständlich dargestellt werden. Und noch viel mehr. Denn www.menschen-in-hanau.de soll ein so genannter Inklusionswegweiser für die Brüder-Grimm-Stadt werden. Soll heißen: In einfacher Sprache sollen sowohl für Menschen mit Migrationshintergrund als auch mit kognitiven Beeinträchtigungen unter anderem komplizierte Behördentexte, die nur mit Mühe zu verstehen sind, vereinfacht dargestellt. Was muss beachtet werden, wenn ein Pass beantragt werden soll oder wie bestelle ich Sperrmüll, sind nur einige Beispiele für mögliche Inhalte, die ständig aktualisiert und erweitert werden sollen. Mitmachen kann dabei jeder. Die Teilnahme aus der Bevölkerung ist ausdrücklich erwünscht.

Darüber hinaus soll die Homepage eine Kontaktstelle sein. Sowohl mit Adressen von Ärzten, Behörden oder sozialen Einrichtungen, aber auch, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu vereinfachen. Unter der Rubrik „Mitmachen“ können sich engagierte Menschen melden, die beispielsweise einen Rollstuhlfahrer in ein Museum oder in ein Theater begleiten möchten, um zu helfen, die alltäglichen Hürden zu überwinden, die auch beim Besuch einer Kulturveranstaltung auftreten können. In dieser Rubrik können auch Texte und weitere Kontaktdaten eingestellt werden.

Pedram Semnani ist einer dieser Rollstuhlfahrer, die wissen, welche Hindernisse es zu überwinden gilt. Deshalb hat der Informatikstudent, der vor zwei Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet ist und schon erstaunlich gut Deutsch spricht, im Kreativteam mit gearbeitet und Ideen für die Homepage gesammelt. „Es hat mich sehr gefreut, dass ich hier dabei sein kann“, sagt Semnani, der einer von 30 Personen ist, die an dem Projekt mitgewirkt haben. Sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch mit Behinderungen wurden aktiv bei den Erstellung der Homepage miteinbezogen.

Auch Behindertenverbände und Bildungsträger beteiligten sich an der Gestaltung der Website, die möglich wurde, weil die Stadt Hanau zur „Modellregion Inklusion“ gehört und somit jährlich 50.000 Euro vom Land Hessen für derartige Projekte zur Verfügung gestellt bekommt.

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