„Eine Sache des Vertrauens“

Wie Corona-Kontrollen in der Hanauer Gastronomie gehandhabt werden

Schon am Eingang müssen Restaurantbesucher ihr Test- oder Impfzertifikat vorlegen und den Barcode auf dem Smartphone zeigen. In diesem Hanauer Lokal wird das vorschriftsgemäß gehandhabt.
+
Schon am Eingang müssen Restaurantbesucher ihr Test- oder Impfzertifikat vorlegen und den Barcode auf dem Smartphone zeigen. In diesem Hanauer Lokal wird das vorschriftsgemäß gehandhabt.

Ob 3G oder 2G: Impfnachweise und Schnelltestergebnisse sollen die Veranstalter und Gastronomen kontrollieren. Die Erfahrung in Hanau zeigt in der Umsetzung ein breites Spektrum.

Hanau – Die Terrasse eines italienischen Lokals in Steinheim ist voll besetzt, auch drinnen sitzen Gäste. Innen oder außen – ob sie getestet, geimpft oder genesen sind, interessiert offenbar keinen. Es gibt keine Überprüfung, obwohl das den Gastronomen obliegt. Wie überhaupt Veranstalter beispielsweise von Theateraufführungen, Konzerten oder auch Kinobetreiber für 2G- oder 3G-Kontrollen zuständig sind.

Fälle wie diesen in dem Lokal im Hanauer Stadtteil gibt es immer wieder. Wie viele es sind, ist schwer zu sagen. Berichte von Journalistenkollegen oder Lesern sind lediglich Momentaufnahmen.

Solche Kontroll-Verstöße „sind Einzelfälle“, meint Thorsten Wünschmann, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, auch zuständig für die Stadtpolizei in Hanau. Die den Behörden bekannt gewordenen Einzelfälle, „sind dann aber oft eklatant“, berichtet er von den Erfahrungen der Kontrolleure von der Stadtpolizei.

Corona-Kontrollen in Hanau: Oktoberfest als positives Beispiel

Szenenwechsel: Comoedienhaus, Samstagabend, eine Aufführung des Traumtheaters Hanau. Noch vor dem Gebäude wird nach dem Ticket gefragt – und nach einem Test- oder Impfnachweis. Smartphones werden gezückt. Eine Mitarbeiterin prüft bei jedem das Datum der zweiten Impfung oder des negativen Schnelltest-Ergebnisses. Erst dann wird man mit einem freundlichen „Viel Spaß bei der Aufführung“ hereingebeten.

Ähnlich akkurat geht es auch am Einlass zum Oktoberfest zu, das die Schlossgastronomie auf den Mainwiesen bei Philippsruhe veranstaltet. „Ohne Kontrolle am Eingang kommt niemand ins Zelt“, sagt Gastronom Thorsten Bamberger. Drei Mitarbeiter hat er dafür abgestellt. Zudem werden die Kontaktdaten der Gäste online bei der Ticketbuchung erfasst.

„Vorbildlich“, lobt Uwe Niemeyer. Der Chef des von der Stadt nach Ausbruch der Corona-Pandemie gegründeten Hygieneteams kennt sich auch mit Kontrollen aus. Das Team berät nicht nur Gastronomen oder Einzelhändler individuell über die Regelungen und Maßnahmen zur Einhaltung der Corona-Auflagen. Ab November vorigen Jahres war das Hygieneteam im Verbund mit Stadtpolizei und mit bis zu 16 Mitarbeitern eines Security-Unternehmens zu Kontrollen unterwegs – auch in der Gastronomie. Meist ging es zur Hochzeit der Corona-Pandemie um die Einhaltung der Maskenpflicht. Im Frühjahr endete das. Die Kontrollen seien „auf Ordnungsamt beziehungsweise Stadtpolizei übergegangen“, sagt Niemeyer.

Im Corona-Jahr 2021: Bisher 4300 Kontrollen in Hanauer im Gastronomiebetrieb

„Beeindruckende Zahlen“, so sagt Ordnungsamtschef Thorsten Wünschmann, stellte er gestern früh bei einer Sitzung des mittlerweile in größeren Abständen tagenden Hanauer Corona-Krisenstabs vor. Im vergangenen Jahr hat es demnach insgesamt 37  500 Corona-Kontrollen in Hanau gegeben – zu Maskenpflicht, Abstandsregeln bei öffentlichen Treffs, in Gewerbebetrieben und 5900 allein in der Gastronomie. Für dieses Jahr meldet Wünschmann bisher insgesamt 16 000 Kontrollen, davon 4300 in Lokalen und Restaurants.

Dass es unter Wirten schwarze Schafe gibt, die auf ihre Kontrollpflicht pfeifen und gar nicht prüfen, ob ihre Gäste getestet, geimpft oder genesen sind, das wissen auch Fachleute wie Wünschmann und Niemeyer. Und auch, dass unter den Ungeimpften Leute sind, die sich nicht testen lassen wollen, weil das mittlerweile rund 15 Euro kostet, die aber trotzdem ausgehen wollen und genau wissen, in welcher Lokalität sie das unbehelligt und unkontrolliert tun können. Wie beispielsweise in einem kleinen Café in der Hanauer Innenstadt, in dem zumindest während des Besuchs unseres Redakteurs 3G bei keinem der Gäste kontrolliert wurde.

Es gibt aber auch das: Bei der Stadtpolizei gehen „immer wieder Anrufe von Leuten ein, die behaupten, im Lokal XY gehe es drunter und drüber in Sachen Corona-Regeln“, sagt Wünschmann. Die Ordnungsbehörde gehe allen Hinweisen nach. Eine „hohe Beschwerdelage“ habe es beispielsweise zuletzt in Steinheim gegeben. Fast immer stelle sich dann aber heraus, so der Amtschef, „dass da nichts dran ist.“ Wie auch im Fall eines großen Restaurants in Hanau, über das es mehrfach Beschwerden in Sachen Corona gegeben habe. Wünschmann: „Wir haben dann sogar 200 Gäste kontrolliert – ohne einen einzigen Verstoß festzustellen.“

Corona-Kontrollen: Viel Aufwand für Gastronome in Hanau

Überhaupt sei bei den Kontrollen in Hanau herausgekommen, dass die Quote der festgestellten Verstöße gegen Corona-Auflagen im vergangenen Jahr nur bei 3,3 Prozent gelegen habe. Dieses Jahr stieg sie demnach auf knapp fünf Prozent.

Den Vorgaben entsprechend müssen sich die Gastronomen von ihren Gästen nicht nur einen Nachweis über einen aktuellen Negativ-Test, die vollständige Impfung oder eine Genesung vorlegen lassen, sondern eigentlich auch den Ausweis. Viel Aufwand. Die Kontrollen seien notwendig, appelliert John Karsten Mewes, Sprecher des fürs Gesundheitsamt zuständigen Main-Kinzig-Kreises, an die Wirte, sie auch vorzunehmen. „Lokalgäste müssen sich darauf verlassen können, dass die Menschen, die am Nebentisch sitzen, getestet, geimpft oder genesen sind. Das ist eine Sache des Vertrauens.“

Hanau: Besucher zeigen teilweise wenig Verständnis für Coona-Kontrollen

Die Corona-Zeiten sind freilich auch für Gastronomen alles andere als rosig. Obendrein zeigen manche Besucher wenig Verständnis. Im Gegenteil: Eine Wirtsfamilie, die in ihrem Vereinslokal in einem südmainischen Stadtteil die 2G-Regel einführte – bewirtet werden vom geimpften Personal nur Geimpfte und Genesene – wurde von einzelnen ungeimpften Besuchern regelrecht angefeindet, weil die sich ausgeschlossen fühlen. „Unverschämtheit, Ihr habt sie nicht alle“, sei noch eine der harmlosen Beschimpfungen gewesen, so die Wirtin.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga berichtet auf Anfrage, dass Wirte, die sich für 2G entschieden haben, oft Anfeindungen ausgesetzt seien. Auch in sozialen Medien komme es zu Beschimpfungen. Daniela Kremhöller, Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Hanau, die in Neuberg ein Hotel betreibt, stellt sich hinter die Wirte, die sich für 2G entschieden haben. „Kein Wirt möchte Gäste ausschließen. Es ist eine rein wirtschaftliche Entscheidung.“

Denn bei der 2G-Regelung gibt es keine Beschränkungen der Gästezahl im Lokal, keine Masken- und keine Abstandspflicht.

Von Christian Spindler Und Theresa Ricke

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare