Einkaufen nach Hygiene-Check

Hanau will mit Fünf-Millionen-Euro-Hilfspaket die Corona-Folgen abfedern

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD)
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Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD)

Mit einem fünf Millionen Euro schweren „Hanauer Hilfspaket“ will die Brüder-Grimm-Stadt die Corona-Folgen mindern und unter anderem Handel und Gastronomie ankurbeln.

Hanau - Das kommunale Hilfspaket, das Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung ankündigte, soll auch im Sozial- und Kulturbereich greifen und Vereinen zugutekommen. Es soll nach der Sommerpause vom Parlament beschlossen werden. Eine Übersicht.

Handel/Gastronomie

Wer in Hanau einkauft, soll beispielsweise bei einem Warenwert von 100 Euro einen 15-Euro-Grimm-Scheck bekommen, der in vielen Geschäften eingelöst werden kann. Eine Million Euro sind für den Bereich Handel und Gastronomie vorgesehen. Am Montag erläuterte Kaminsky Vertretern von Einzelhandel und Gastrobranche die Grundzüge des Pakets.

Die CDU schlägt vor, Grimmschecks über 15 bis 25 Euro an alle Hanauer auszugeben – unabhängig vom Einkaufswert. Argument: Dann würden auch Bürger mit weniger Geld profitieren. OB Kaminsky hält vom Gießkannen-Prinzip nichts. Das Bonussystem sei nachhaltiger, weil es einen Folgeeinkauf gebe. Kaminsky: „Dann haben wir quasi eine doppelte Wirkung.“ In den nächsten Wochen sollen Details erarbeitet werden. Start soll im September sein.

Busfahren/Parken

Wer in Hanau einkauft, soll einen Gutschein für kostenloses Fahren mit den HSB-Stadtbussen oder kostenfreies Parken bekommen. Bis zu 600 000 Euro würde das die Stadt kosten. Davon soll auch der Wochenmarkt profitieren, der auch mit einer „Mehrwegverpackungs-Kampagne“ auf sich aufmerksam machen will.

Hygiene-Check

Ab nächster Woche soll ein „Hygiene-Team“ ausschwärmen. Geschäfte und Lokale können sich einem freiwilligen „Hygiene-Check“ unterziehen. Wenn bestätigt wird, dass strikt alle Corona-Regelungen eingehalten werden, gibt es ein Siegel, mit dem geworben werden kann. Außerdem bekommen die ausgezeichneten Lokale und Läden kostenlos Alltagsmasken und Desinfektionsmittel. Kaminsky: „Das soll zeigen, dass man in Hanau gut und sicher einkaufen kann.“

Soziales/Vereine

Hilfsmaßnahmen soll es auch für soziale Einrichtungen oder Vereine geben. Dazu gehören Mieterlasse in städtischen Liegenschaften, von denen Geschäfte, Beratungsstellen oder Vereine profitieren können. Alle sozialen Initiativen und Vereine sollen die für dieses Jahr zugesagten Fördermittel in vollem Umfang erhalten. Aktuell werde angefragt, wo weitere Unterstützung benötigt wird. Angesichts vieler abgesagter Feste, die für Vereine normalerweise eine wichtige Einnahmequelle sind, wolle man durch Unterstützungen erreichen, „dass Vereine Ende 2020 so dastehen wie vor der Krise.“

Im Bildungsbereich sind Ausweitungen des Hanau-Passes, den Menschen mit geringem Einkommen erhalten, sowie der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive vorgesehen, aber auch ein leichterer Zugang zu digitalen Angeboten. Dafür will man etwa Stadtteileinrichtungen oder Quartierbüros technisch aufrüsten. Die VHS plant „Bildungshäppchen“ und kostenlose Kurse für Hanau-Pass-Inhaber. Für die sozialen Bausteine des „Hanauer Hilfspakets“ sind 750 000 Euro veranschlagt.

Kultur

Neben dem Online-Festival, das Künstlern eine Bühne bietet und ab Juli vom Comoedienhaus ins Amphitheater umzieht (wir berichteten), soll das Amphitheater als „corona-konforme“ Veranstaltungsstätte auch Vereinen, Initiativen oder anderen Gruppen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus will man für besonders betroffene Kulturschaffende einen Hilfsfonds einrichten.

Bisher hatte die Stadt bereits Steuerstundungen gewährt, Kita-Gebühren erlassen, ebenso die Gebühren für Marktstände oder Außengastronomie.

Das „Hanauer Hilfspaket“ soll in der Stadtverordneten-Sitzung am 21. August beschlossen werden. Schon jetzt zeichnet sich eine breite Mehrheit dafür ab.

Von Christian Spindler

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