Kunst

Einladung zum Nachdenken Ausstellung „Digitania“ des Malers und Grafikers Jörg Strobel in der Galerie ARP

Jörg Strobel vor seinem Werk „iKarus“. In seinem neuen Bilderzyklus beschäftigt sich der Künstler mit den Auswirkungen der digitalen Welt auf den Menschen.
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Jörg Strobel vor seinem Werk „iKarus“. In seinem neuen Bilderzyklus beschäftigt sich der Künstler mit den Auswirkungen der digitalen Welt auf den Menschen.

Hanau – Der Maler und Grafiker Jörg Strobel hat seine Finger am Puls der Zeit bei seiner Ausstellung „Digitania“, die am Freitagabend in der Galerie ARP in der Nordstraße 8 unter coronakonformen Bedingungen eröffnet worden ist.

Dabei ist sein neuer Zyklus „Digitania“ gerade erst im Entstehen, umfasst derzeit drei Werke, korrespondiert aber eng mit dem vorherigen Zyklus „Tischlein deck" ich“. Die künstlerische Auseinandersetzung mit einer digitalen Welt und ihrer Bewohner wird von Strobel als Fortsetzung der Reihe aus 2018 und 2019 gesehen, in der die Ernährungsgewohnheiten der Menschen skizziert und Fragen nach Nachhaltigkeit, Verzicht und Genuss künstlerisch thematisiert werden.

Mit dem nackten Rücken zum Betrachter sitzt die junge Frau in gleichmäßigem Rot. Auf dem Rücken der „Hummernixe“ ein Hummer, der wie auf den Menschen gekreuzigt wirkt. Die „kühle Dora Gray“, gehalten in Weiß und Grau, sitzt in Frischhaltefolie verpackt vor ihrer Tiefkühlpizza, der spindeldürre „Hühnerknabe“ in Shorts hält achtlos ein geschlachtetes, gerupftes und ausgenommenes Huhn in der rechten Hand. Sein „Bio-Kuscheltier“. Alle Arrangements in Öl auf Leinwand folgen einer nahezu fotografisch genauen Darstellung. Der Hintergrund bleibt weitgehend monochrom um nicht von den Figuren abzulenken, wie Strobel sagt.

Figuren, die in ihrer Rolle auf der Leinwand den Betrachter auffordern, Fragen zu stellen. Eine wohl plakative Kunst, die aber auch ihre Ecken und Kanten hat, die sich nicht immer so leicht auflösen wie bei Strobels Abbild einer Gurke mit Maiskörnern an der Schale oder der „Tomagine“, einer gentechnischen Züchtung, halb Aubergine, halb Tomate. Dekorative Verpackung für beunruhigende Inhalte.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist noch bis 8. November mittwochs und samstags von 11 bis 14.30 Uhr oder nach Vereinbarung zu sehen.

Und die transportiert Jörg Strobel auch in seinem neuen Zyklus „Digitania“. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein vom Künstler erdachtes Land, in dem er die Menschen den Wirkungen der digitalen Realität aussetzt. Und das keinesfalls als eindeutige oder leicht lesbare Botschaften. Der reich tätowierte „iKarus“, der seine weiten Drachenflügel vor grünem Horizont ausbreitet, um sich von einem asphaltierten Grund zu erheben, wohin wird sein Weg führen? Die Einsamkeit des kleinen Jungen in der undefinierten schwarzen Fläche des Bildes „iOSlation“ ist greifbar.

Das „Neue Land“ präsentiert sich im gleichnamigen Bild als eindimensional, konturlos, abstrakt. Eine künstliche Umgebung, in der das Mädchen mit den Blumen mehr wie eine Puppe, denn wie ein lebendiger Mensch wirkt. Jörg Strobel regt zum Fragen an, und jedes seiner Bilder könnte die erste Seite einer Geschichte sein, die vom Betrachter weitergeschrieben werden kann. Im kommenden Jahr, so hofft der Künstler, werde der neue Zyklus um das fiktive Land „Digitania“ wohl fertiggestellt sein. Und so es die Coronabedingungen zulassen, werde auch für diese Bilderserie eine in eine Theaterinszenierung eingebettete Präsentation entstehen, wie sie bereits sehr erfolgreich beim „Tischlein deck ich“ im Jahr 2019 stattgefunden hat.

Ergänzend zu den Arbeiten des Kelkheimer Malers und Grafikers Jörg Strobel sind in der Galerie ARP Schmuckkreationen der Hanauer Gold- und Silberschmiedemeisterin Nicola Jäger zu sehen. „fast fashion - slow jewellery“ ist die Überschrift zu ihrer Präsentation, in der sie einen kleinen Überblick gibt in ihre Schmuckstücke, die auch als Kleinserien aus der intensiven Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema heraus entstehen.

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