Eltern in ihrer Trauer nicht alleine lassen

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Ein neuer Verein in Hanau will professionelle Hilfe bei Trauer und Verzweiflung organisieren.

Hanau ‐ „Was uns widerfahren ist, davor wollen wir andere Eltern bewahren.“ Das Schicksal, ein Kind zu verlieren, werden Tatjana und Dieter Kuske, Initiatoren und Gründer des Vereins „Trauernde Eltern“, nicht abwenden können. Von Dirk Iding

Wohl aber wollen sie einen Beitrag dazu leisten, dass Eltern in ihrer grenzenlosen Trauer und Verzweiflung über den schrecklichen Verlust nicht allein gelassen werden und schnell professionelle Hilfe finden können.

Dieter und Tatjana Kuske sowie Pfarrer Werner Gutheil (von links) haben den Verein „Trauernde Eltern“ initiiert.

Tatjana und Dieter Kuske haben vor gut eineinhalb Jahren ihre damals 19-jährige Tochter Genevieve verloren. Sie verstarb während ihrer Abi-Abschlussfahrt an einem Allergieschock in Spanien. Für die Eltern brach eine Welt zusammen: „Alleine standen wir bei der Trauerbewältigung vor einem Abgrund“, erinnert sich Dieter Kuske. Hilfe fand er erst nach Wochen beim Münchener Verein „Verwaiste Eltern“, dessen Einzel- und Gruppengespräche sowie Beratungsangebote der trauernde Vater, der während der Woche in München beruflich tätig war, regelmäßig nutzte.

Im Gegensatz dazu fühlte sich Tatjana Kuske hier trotz der großen Hilfe von Freunden in ihrer Trauer allein gelassen. Und so reifte bei dem Ehepaar der Gedanke, ein ähnliches Angebot wie es der Verein „Verwaiste Eltern“ in München Trauernden macht, auch in Hanau aufzubauen.

Eine Idee, die auch vom Diözesanseelsorger für Trauernde im Bistum Fulda, Pfarrer Werner Gutheil, maßgeblich unterstützt wird. Der früheren Hanauer Klinikpfarrer ist seit vielen Jahren in der Trauerarbeit tätig und weiß um die Nöte trauernder Eltern. Im Rahmen des Vereins „Trauernde Eltern“ sollen nun bereits existierende Angebote für Trauernde weitergeführt und neue Angebote entwickelt werden.

Gesprächsgruppe im Aufbau

Neben der persönlichen Trauerbegleitung und -beratung werden verschiedene Gesprächskreise für betroffene Eltern und Geschwister angeboten. Neben dem gemischten Gesprächskreis „Trauernde Eltern“ wird es auch einen Gesprächskreis allein für trauende Väter geben. Denn, so ist es auch die Erfahrung von Pfarrer Gutheit: „Männer und Frauen trauern unterschiedlich.“

Im Aufbau befindet sich eine Gesprächsgruppe für trauernde Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren. Geplant ist außerdem ein geschlossenes Forum für Trauernde im Internet, das von Dieter Kuske moderiert wird.

Darüber hinaus will sich der neue Verein in der Aus- und Fortbildung von Trauerbegleitern engagieren und er plant Vorträge und Gesprächskreise zum Themenkreis „Tod und Trauer“ auch für Kindergärten, Grundschulen und weiterführende Schulen. Eine Notfallnummer für Trauernde wird voraussichtlich ab Februar freigeschaltet.

Öffnungszeiten der Geschäftsstelle:

Die Fäden all dieser Aktivitäten laufen im „Zentrum für Trauernde“ in der Rhönstraße 8 zusammen. Dort finden auch die verschiedenen Gesprächskreise, Einzelberatungen sowie unterstützende Angebote wie „Qigong für Trauernde“ statt.

Die Geschäftsstelle des Vereins „Trauernde Eltern“ ist in Kooperation mit dem Büro für Trauerarbeit im Bistum Fulda im Dechant-Diel-Haus, Im Bangert 4, untergebracht. Die Geschäftsstelle ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet und telefonisch unter der Rufnummer 06181/4288805 erreichbar.

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