Corona-Krise

Eltern sind sauer auf Minister Lorz: Beiräte fordern in Offenem Brief Beteiligung an Entscheidung zur Schulöffnung

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Über die Öffnung der Schulen herrscht noch Uneinigkeit.

Den Eltern in der Region reicht es: In einem Offenen Brief an Landeskultusminister Alexander Lorz (CDU) fordern sie mehr Mitbestimmung bei den Entscheidungen zum Thema Schule im Zuge der Coronakrise.

Unterzeichnet haben das Schreiben die Elternbeiräte der Städte Hanau, Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden sowie der Kreise Offenbach, Darmstadt-Dieburg, Fulda und Hochtaunus. Zwar sehe das hessische Schulgesetz eine Elternbeteiligung auf allen Ebenen vor, „diese vermissen wir jedoch schon seit Beginn der Schulschließungen Mitte März“, heißt es in dem an Lorz adressierten Brief. „Wir Eltern tragen seitdem als Bindeglied zwischen Schulen und Kindern die größte Last und sind inzwischen an der Belastungsgrenze angekommen.“ 

Die Politik habe Entscheidungen über die Köpfe der am meisten Betroffenen hinweg getroffen, viele Anweisungen seien zu spät gekommen und in der Praxis oft gar nicht umsetzbar, beklagen die Elternvertreter und machen ihrer Enttäuschung Luft: „Zahlreiche Angebote, Aufrufe, Forderungen, Hilferufe und Brandbriefe in Richtung Kultusministerium sind bislang ungehört verklungen“. 

Eltern fordern ein belastbares Konzept für die Kombination von Präsenzunterricht und Home-Schooling

Deshalb haben die Beiräte einen Forderungskatalog aufgestellt, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: „Der Landeselternbeirat und die Elternvertreter auf Stadt- und Kreisebene müssen mit sofortiger Wirkung bei allen Planungen zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs beziehungsweise zum Heim-Unterricht beteiligt werden, und zwar bevor die Konzepte verabschiedet und in der Presse verkündet werden“, verlangen sie von Lorz. Auch Schulen und Schulämter müssten „konsequent und dauerhaft beteiligt werden, um die Sicht der Praktiker bei der Planung zu berücksichtigen“. 

Unter anderem wird ein belastbares Konzept für die Kombination von Präsenzunterricht in den Schulen und Home-Schooling gefordert, da diese „außergewöhnliche Situation“ wohl noch Monate andauern werde. So müsse es beispielsweise beim Heim-Unterricht darum gehen, dass die Lehrer direkt mit den Kindern kommunizieren könnten – „ohne den Umweg über die Eltern“. Sollte es nicht zu einer Verbesserung kommen, befürchten die Elternvertreter, „dass in Zukunft noch mehr Familien Klagen gegen politische Entscheidungen einreichen werden, da sie sich in ihren Bedürfnissen übergangen fühlen. Das würde die ohnehin schwierige Situation nur noch weiter verschlimmern – ein Szenario, das sicher weder Sie noch wir für erstrebenswert halten.“ 

GEW-Chef Offenbach-Land Thilo Hartmann: „Die Schulen werden von den zuständigen Behörden völlig allein gelassen.“

Der Stadtelternbeirat Hanau hat am Dienstag außerdem eine Umfrage unter den Eltern gestartet, mit der er die Erfahrungen, Problemstellungen und Wünsche der Eltern von Hanauer Schülern genauer erfahren möchte. Darüber informierte Vorsitzender Alexander Happel am Abend in einer Mitteilung. Kritik gibt es unterdessen auch von Lehrern. Von der Entscheidung, die Schulen in Hessen wieder zu öffnen, haben viele Schulleiter erst aus der Zeitung erfahren. 

Zwar sei die Entscheidung ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Absprache des Kultusministeriums mit den Bildungsstätten sei höchst mangelhaft, heißt es. So sagt unter anderem Alexander Burkart, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule in Offenbach-Bieber: „Es wäre aber schön gewesen, wenn zuerst die Schulen und dann die Presse über dieLockerungen informiert worden wären.“ Thilo Hartmann, GEW-Chef Offenbach-Land und Lehrer an der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach, klagt: „Die Schulen werden von den zuständigen Behörden völlig allein gelassen.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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