Baustelle war eine Ursache

Ende des Jahres ist Schluss: Nächstes Geschäft in der Innenstadt von Hanau macht dicht

Nach zehn Jahren ist Schluss: Mit dem Räumungsverkauf endet die Zeit des Jack-Wolfskin-Stores – damit geht der Innenstadt ein weiteres renommiertes Geschäft verloren.
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Nach zehn Jahren ist Schluss: Mit dem Räumungsverkauf endet die Zeit des Jack-Wolfskin-Stores – damit geht der Innenstadt ein weiteres renommiertes Geschäft verloren.

Gegen Ende des Jahres schließt ein weiteres Geschäft in der Hanauer Innenstadt: Im Jack-Wolfskin-Store in der Lindenstraße hat der Räumungsverkauf bereits begonnen.

Hanau – „Uns ist die Entscheidung, das Geschäft nach zehn Jahren zu schließen, natürlich nicht leichtgefallen“, sagen die Filialleiter Yvonne und René Brans. Neben Corona seien mehrere Gründe zusammengekommen, der Mietvertrag sei nach zehn Jahren ausgelaufen, einige Mitarbeiter hätten sich anderweitig orientiert und die Kundenfrequenz in der Innenstadt habe drastisch abgenommen. Nicht unerheblich sei dabei jedoch die Baustelle gewesen, die sich in der Lindenstraße über ein halbes Jahr hinzog.

Hanau: Baustelle in der Innenstadt wirkt sich negativ auf Kunden aus

„Wir hätten gerne weitergemacht, konnten so perspektivisch aber nicht abschätzen, wie sich die Kundenfrequenz im kommenden Jahr entwickelt“, sagt René Brans im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Paar betreibt neben der Jack-Wolfskin-Filiale in der Innenstadt noch einen Outdoor-Megastore in Egelsbach – dort sei zu beobachten, dass Geschäfte in Ortsrandlagen deutlich gefragter seien und dort die Kunden gezielter einkaufen würden als in der Innenstadt.

Da die Versorgungsleitungen in der Lindenstraße neu verlegt werden mussten, wurde die Straße vom 11. März an bis zum 18. September für Fahrzeuge gesperrt. Fußgänger konnten entlang der Hauseingänge und Schaufenster zu jeder Zeit die Straße entlanglaufen. Allerdings, so Brans, hätten aufgrund der Straßensperrung viele Kunden angenommen, dass der Laden geschlossen habe. „Wir hatten seit Februar eigentlich so gut wie keine Kunden mehr.“

Zeitplan auf der Baustelle in Hanau verschiebt sich wegen Corona-Pandemie

Ursprünglich war die Bauzeit bis Ende Mai geplant. Im Zuge der Corona-Pandemie haben sich die Bauarbeiten jedoch um knapp vier Monate verzögert. „Für die Hanau Netz GmbH, die mit dem Verlegen neuer Versorgungsleitungen beauftragt war, war ein Arbeiten zunächst nicht möglich, weil einige Kunden aus Angst vor Ansteckung den Zugang zu ihren Kellern verweigerten“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

In der Zeit vom 11. Mai bis Ende Juni dieses Jahres konnten dann die Gas- und Wasserleitungen inklusive der Hausanschlussleitungen verlegt werden. Die zweite Trinkwasserleitungseinbindung war am 9. Juli, da vorher alle anderen Baugruben und Leitungsgräben vom Tiefbauer verschlossen werden mussten. Im Anschluss fanden dann noch Kabelverlegungen für Strom statt.

Sieben Monate lange Einschränkungen für Fußgänger in Hanau

Während der gesamten Bauzeit samt Stillstand, also beinahe sieben Monate lang, war die Lindenstraße für Autos gesperrt. „Fußläufig waren die Geschäfte und Hauseingänge zu jeder Zeit zu erreichen, wobei es selbstverständlich zu Einschränkungen und Behinderungen durch die Baumaßnahme kam“, räumt die Stadt ein. Ab Mitte August sei die Beschilderung zu den Geschäften (insbesondere Jack Wolfskin) verbessert und optimiert worden.

Darüber hinaus habe man seitens der Stadt nichts tun können, um den dadurch entstandenen wirtschaftlichen Schaden der Inhaber aufzufangen.

„Grundsätzlich hat die Stadt samt Marketing-Gesellschaft keine wirklichen Möglichkeiten, Geschäfte in einer solchen Situation zu entlasten, außer sie wäre selbst Vermieterin“, sagt der Geschäftsführer der Hanau Marketing GmbH (HMG), Martin Bieberle, auf Nachfrage. „Ansonsten war es beim Stadtumbau geübte Praxis, wo möglich an Eigentümer zu appellieren, damit sie bei der Miete entgegenkommen.“

Geschäftsschließung in der Innenstadt von Hanau schmerzt

Mit der Jack-Wolfskin-Filiale verschwindet ein weiteres renommiertes Geschäft in der Hanauer Innenstadt und trägt vorerst zum Ladenleerstand bei. „Natürlich schmerzt der Verlust von Jack Wolfskin. Die Schließung war nach städtischem Kenntnisstand leider eh auf dem Plan. Baustelle und Corona haben diesen Prozess eventuell beschleunigt“, so Bieberle.

„Das ist zu bedauern. Zu Beginn der Corona-Pandemie hätte die städtische Unterstützung sicher besser sein können, aber ab August war ein HMG-Kollege fast täglich vor Ort“.

Hanau kämpft gegen den Leerstand in der Innenstadt

Gerade in Corona-Zeiten, wo der Onlinehandel stark zugenommen hat und Menschen sich aus Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus von den Innenstädten fernhalten, ist die Rettung des lokalen Einzelhandels ein Kraftakt, wie Bieberle erzählt: „Diese Schließungen belegen, dass wir den Kampf um die Innenstadt mit voller Kraft aufnehmen müssen. Das Corona-Hilfspaket bedarf eventuell einer Fortsetzung, auch durch den Versuch, durch Eigenmiete oder Kauf selbst den Mietpreis und die Nutzung eines Ladenlokals bestimmen zu können. Durch Pop-up-Modelle bestehen gerade in der jetzigen schwierigen Zeit Chancen, mit neuen Konzepten Erfolg zu haben.“ (Jasmin Jakob)

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