Seit 1. Juli

Ende einer Traditionsmarke: Schwab-Versand war jahrzehntelang ein Aushängeschild für Hanau

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Der Schwab-Stammsitz im Hanauer Hafenviertel. Ende des Jahres will die Schwab GmbH ihn verlassen haben. Welche Nutzung folgt, ist noch völlig offen.

Schwab-Versand? Das war mal was. Für Generationen von Katalogwarenbestellern war das einstige Firmenlogo, die berühmte Schwalbe mit dem Päckchen im Schnabel, ein Begriff.

  • Der Schwab-Versand in Hanau macht dicht
  • Nur noch der Firmenname hat in der Otto-Gruppe bestand
  • Was mit dem Stammsitz in Hanau passiert, ist noch offen

Hanau – Viele Jahrzehnte brachte sie Gutes ins Haus – aber auch manch böse Überraschung. Und nun sogar das Aus für den Traditionsstandort Hanau – und den eigentlichen Markennamen Schwab-Versand, der bereits seit dem 1. Juli Geschichte ist.

Schwab-Versand in Hanau: Sorge der Belegschaft nach Übernahme groß

Wenn die Rede auf den Schwab-Versand am Hanauer Hafen kommt, dann oft auch mit der Erinnerung daran, dass der Hamburger Otto-Versand das Unternehmen 1976 übernahm. Bei Schwab war damals die Sorge der Belegschaft um ihre Arbeitsplätze groß.

Doch das Traditionsunternehmen berappelte sich und wurde zu einem modernen Multichannel-Händler. Multichannel – die Ansprache von Kunden auf verschiedenen Kommunikationskanälen, weit über das klassische Medium der Schwab-Papierkataloge hinaus.

Hanau: Schwab-Versand entwickelt eigenes Label

Die Belegschaft setzte auf größtmögliche Eigenständigkeit. So gab es konzernweite Beachtung für das vor gut zwölf Jahren inHanau entwickelte Label Sheego. Unter dieser Marke setzte man auf individuelle Mode für Frauen ab Kleidergröße 44. Unter Sheego werden heute noch Damenoberbekleidung, Schuhe und Accessoires vertrieben.

Schwab – das war auch die Welt der Sammelbesteller. Noch bis Anfang 2000 fielen wöchentlich Reisebusgesellschaften aus allen Teilen der Bundesrepublik in das Schwab-Einkaufszentrum (SEZ) ein.

Schwab-Versand in Hanau: Waren konnten im Einkaufszentrum hautnah begutachtet werden

Das dürfte ganz nach dem Geschmack des Firmengründers Friedrich Schwab gewesen sein. Für den galt das Credo: Vor Ort sehen und fühlen können, was in den bunten Katalogen offeriert wird. Seine Waren hübsch und bunt auf Papier zu präsentieren, das war ihm nie genug.

Der Firmengründer bezeichnete die Sammelbesteller gerne als Firmenbotschafter. Ihm war es wichtig, sie für das Sortiment zu begeistern, damit sie den Kunden draußen im Land aus innerer Überzeugung eine „persönliche Einkaufshilfe“ sein konnten.

Der „Alte“, wie Friedrich Schwab in der Belegschaft auch genannt wurde, drängte, so lange es ging, auf den persönlichen Kontakt zu den Konsumenten. Im Gründungsjahr 1954 brachten die ersten Schwab-Beschäftigten und ihr Chef die Waren noch persönlich mit dem Leiterwagen zu ihren Kunden.

Hanau: Schwab-Versand fing mit Schuhen an

Anfangs waren das übrigens nur Schuhe – und die kamen auch nicht aus Hanau, sondern noch aus Klein-Auheim, wo alles anfing. Am eigentlichen Hanauer Firmensitz wurde schließlich erst 1958 Richtfest gefeiert.

Dort wuchs das Unternehmen dann rasant zum Vollsortimenter heran. Die Hanauer nahmen regen Anteil an der Vielseitigkeit des Hauses Schwab. Am Kinzigheimer Weg entwickelte sich jenes „Einkaufsziel am Hafen“, dessen Name auf den Werbeflächen einiger Hanauer Stadtbusse durch die Stadt kutschiert wurde.

Schwab-Versand in Hanau baut Imperium auf

Den Mittelpunkt dieses Schwab’schen Einkaufsparadieses bildeten zwar Katalogwaren, aber nun gab es auch Lebensmittel – zunächst in einer großen Automatenstraße, die sogar nachts und an Wochenenden zugänglich war. Das war neu in Hanau.

Doch bald schon wichen diese seelenlosen Kästen einem „echten“ Lebensmittelhändler samt Metzgerei im Untergeschoss des Kaufhauses. Auch gab es einen „Schwab-Reifendienst“, die „Schwab-Umzugshilfe“, den „Schwab-Reisedienst“ und die berühmte „Fundgrube“, in der Warenrückläufer stark verbilligt angeboten wurden.

Alles war auf dem Betriebsgelände am Hafen angesiedelt und sorgte dort besonders samstags für Verkehrschaos. Es muss die Blütezeit des Versandhauses gewesen sein.

Schwab-Kaufhäuser in Berlin und Hamburg

Schon wenige Jahre nach Eröffnung des Hauptsitzes in Hanau gab es ab 1965 eigene Schwab-Kaufhäuser in Duisburg, Hamburg und Berlin, die jedoch nach wenigen Jahren wieder dichtmachten.

DerSchwab-Versand hatte 2018 noch knapp 1200 Mitarbeiter, davon 1000 in Hanau und 200 im Hängewaren- und Sheego-Lager Langenselbold, das jetzt von Hermes Fulfilment betrieben wird.

Stadt Hanau will keinen Leerstand im Schwab-Stammsitz

Die Stadt Hanau hat ein großes Interesse daran, am Noch-Standort von Schwab im Hanauer Hafen keinen Leerstand entstehen zu lassen. Auf Nachfrage bestätigte die Pressestelle, dass die Otto-Group ihr Gebäude samt Grundstück im Kinzigheimer Weg 6 bereits Ende Februar diesen Jahres verkauft habe.

Mit dem Erwerber stehe die Stadt in „engem Austausch zu den Möglichkeiten der Entwicklung der Fläche“. Die auf die Revitalisierung von Gewerbeflächen spezialisierten Eigentümer wollen laut Pressestelle darauf aufbauend in den nächsten Monaten ein Konzept zur künftigen Nutzung der Flächen erarbeiten und mit der Stadt abstimmen.

Schwab-Versand hat Gebäude in Hanau bis 2021 gemietet

Der StandortHanauer Hafen werde durch den Weggang nicht tangiert. Zur Zukunft des Geländes meint die Pressestelle abschließend: „Nach unseren Informationen hat die Schwab Versand GmbH die Räumlichkeiten im Kinzigheimer Weg noch bis Ende Februar 2021 gemietet. Über die zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten und die daraus abgeleiteten potenziellen neuen Mieter stehen wir, wie bereits erwähnt, in einem engen Austausch mit den neuen Eigentümer.“

Schwab-Versand: Marke aus Hanau ist Geschichte

Die Schwab Versand GmbH hatte vor wenigen Tagen das Aus für den Standort am Stammsitz Hanauverkündet. Im Rahmen seines Projekts „Fit für die Zukunft“ hat das Unternehmen ebenso die Marke Schwab zum 1. Juli beerdigt.

Der Name Schwab bleibt nur noch in der Firmenbezeichnung Schwab Versand GmbH erhalten. Die Mitarbeiter am StammsitzHanau hatten sich schon zuvor auf die neue Eigenmarke Sheego fokussiert, ein Modelabel für große Größen.

Mitarbeiter des Schwab-Versands aus Hanau ziehen nach Frankfurt

Noch bis zum Jahresende wird Sheego in Hanau bearbeitet beziehungsweise vertrieben, im neuen Jahr beziehen die bis dahin verbliebenen rund 220 Schwab-Mitarbeiter in neue Räumlichkeiten nach Frankfurt. Dann wird der Stammsitz endgültig Geschichte bei der Schwab Versand GmbH sein.

Wie ein Firmensprecher erklärte, wird der neue Standort „im Osten Frankfurts“ sein, sodass er für die aus der Region Hanau kommenden Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln „gut erreichbar“ wäre. Der Logistikstandort Langenselbold bleibt komplett erhalten, wird aber nicht mehr von der Schwab Versand GmbH betrieben, sondern ab sofort von der Hermes Fulfilment GmbH, die als Logistikdienstleister ebenfalls Konzernteil der Otto Group ist.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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