Bürger sauer

Erhöhung der Müllgebühren: OB schimpft auf Kreis

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Bei Wind und Wetter sind die Müllmänner im Einsatz. Derzeit bekommen sie in Hanau mitunter den Unmut der Bürger über die drastisch steigenden Abfallgebühren zu hören. 

Hanau - Müllmänner haben keinen leichten Job. Erst recht nicht in diesen Tagen in Hanau. Seit bekannt geworden ist, dass die Müllgebühren ab 1. Oktober drastisch um 30 Prozent steigen (wir berichteten), „müssen sie sich viele Dinge anhören“, berichtete Oberbürgermeister Claus Kaminsky. 

Will heißen: Den Unmut der Bürger. Dabei könnten die Müllwerker rein gar nichts für die Erhöhung. Und auch die Stadt nicht, wie Kaminsky in einer parlamentarischen Ausschusssitzung unterstrich. Dass die Müllgebühren auf einen Schlag so stark angehoben werden müssten, dafür sei der Main-Kinzig-Kreis verantwortlich. Wie für die anderen Kreis-Kommunen auch, gilt für Hanau eine Andienungspflicht. Das heißt, der Restmüll muss über den Kreis entsorgt werden.

Die Gebührenerhöhung in Hanau und voraussichtlich bald auch in vielen anderen Kreisgemeinden, resultiere daraus, so der Hanauer Rathauschef, dass beim Main-Kinzig-Kreis „über Jahre hinweg zweistellige Millionenverluste nicht identifiziert worden sind.“ Entweder habe es keine Gebührenbedarfsrechnung gegeben oder es sei schlicht falsch gerechnet worden.

Wie berichtet, hatte wegen des aufgelaufenen Millionendefizits der Kreistag im Juni eine erhebliche Anhebung der Deponiegebühren beschlossen. Und das sogar rückwirkend zum Jahresbeginn. Gut ein Viertel mehr müssen die Kreis-Kommunen, also auch Hanau, seitdem für den beim Kreis abgelieferten Restmüll zahlen.

Immerhin habe Hanau die Gebührenerhöhung des Kreises für die ersten neun Monate des Jahres nicht an seine Bürger weitergegeben, so Kaminsky. Die Hanauer müssen erst ab 1. Oktober mehr zahlen. Das freilich hat seinen Preis: Die über Jahre hinweg gebildete Rücklage im städtischen Gebührenhaushalt wird aufgezehrt. Von den 2,9 Millionen Euro vom Jahresanfang werden Ende 2018 nur noch 200.000 Euro übrig sein. Kaminsky: „Die Rücklage schmilzt wie Butter in der Sonne.“ Und auch dafür sei der Main-Kinzig-Kreis mit seiner jahrelang unzureichenden Gebührenberechnung verantwortlich, so Kaminsky, und nicht die städtische Müllabfuhr, die in Hanau die Tonnen leert. Die brauche keinen Vergleich scheuen, auch nicht mit privaten Unternehmen. Kaminsky: „Wir haben mit die effizienteste Müllabfuhr.“ Hanau lasse sich angesichts der Gebührenerhöhung darum „nicht für etwas in die Pfanne hauen, für das wir nichts können.“

Bilder: Elektro-Müllwagen schont Umwelt und Ohren

Dass die Müllentsorgung auch preiswerter zu bewerkstelligen sei, belege Maintal, das als Sonderfall keine Entsorgungspflicht über den Kreis habe. Daher müsse die Bindung Hanaus in Sachen Müll auf den Prüfstand, meint Kaminsky. Mit Blick auf die für 2021 angestrebte Kreisfreiheit Hanaus sei auch das ein Thema, heißt es. (cs)

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