Exkursion zum „Börnerkreuz“

Erinnerung an eine Tragödie

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Groß war das Interesse an der Exkursion zum „Börnerkreuz“ im ehemaligen Großauheimer Gemeindewald, zu die der Heimat- und Geschichtsverein eingeladen hatte.

Großauheim - Es ist ein verwittertes Sandsteinkreuz mitten im Großauheimer Wald, das man leicht übersehen könnte. Von Holger Hackendahl 

Und es ist ein Kreuz, hinter dem sich eine spannende Geschichte verbirgt, wie jetzt eine Exkursion des Großauheimer Heimat- und Geschichtsvereins in Kooperation mit dem Forstamt Hanau-Wolfgang deutlich machte. Er sollte Sturmschäden beseitigen und wollte so sein karges Einkommen aufbessern. Gothart Börner, der Bauer mit wenig „Scholle“ und einem Obstgärtchen, arbeitete in den Wintermonaten im Gemeindewald, damit seine Familie nicht Hunger litt. Das tragische Schicksal des Großauheimer Bauern und Holzfällers beleuchtete Reiner Kargl, Vorstandsmitglied des Großauheimer Heimat- und Geschichtsvereins, bei einer Wanderung zum „Börnerkreuz“. Die spannende Exkursion, die der ehemalige Forstamtsleiter Dr. Dieter Müller mit alten Bildern von Forstleuten und Waldarbeitern bereicherte, beleuchtete das kärgliche Leben der Bevölkerung in der Mitte des 19. Jahrhunderts,

Fast 50 Geschichtsinteressierte ließen sich auch von vereisten Wegen nicht davon abhalten, vom Parkplatz an der B8 etwa einen Kilometer in den ehemaligen Großauheimer Gemeindewald zum so genannten „Börnerkreuz“ zu spazieren. Es erinnert an eben jenen Gothart Börner, der hier auf tragische Weise umkam. Um dessen Schicksal zu beleuchten, hatten sich die die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen. Ein szenisches Spiel rund um die damaligen Ereignisse. Denn der 45-jährige Holzfäller wurde bei Baumfällarbeiten am 12. Januar 1864 von einem herabfallenden Ast getroffen. Schwer verletzt wurde der Vater des 16-jährige Josef Börner mit einem Pferdefuhrwerk nach Großauheim gebracht. Bei der Vorbeifahrt am Kapellchen am Rochusplatz verstarb der Gemahl der 46-jährigen Anna-Maria, die sich mit ihrem Sohn Josef fortan allein durchs Leben bringen musste. Um an den Waldarbeiter zu erinnern und ihn zu würdigen, errichteten Freunde und Bekannte damals am Ort des tragischen Geschehens aus einem Sandsteinfindling vom Mainufer das 1,45 Meter hohe „Börnerkreuz“. „Dieses einzigartige Denkmal ist somit auch Zeugnis der damals kargen Lebensbedingungen der Großauheimer Bevölkerung“, erklärte Reiner Kargl.

In einer Spielszene unweit des „Holzegängerwegs“, eine Schneise nahe des tragischen Geschehens, traf nun Vergangenheit auf Gegenwart. Förster Michael Bodensohn, gespielt von Stefan Mader, besuchte den Waldarbeiter Gothart Börner, den Stefan Gruber mimte, bei seiner Arbeit. Waldarbeit war damals eine Art „Wintersozialprojekt“ für bedürftige Familien. Unmittelbar nach dem Besuch des Försters verunfallte der im Akkord, ohne Schutzkleidung und mit Axt arbeitende Holzfäller. Förster Bodensohn rannte daraufhin ins über einen Kilometer entfernte Neuwirtshaus, um Hilfe zu holen. Während der Grünrock um Hilfe eilte, berichtete Reiner Kargl von den ärmlichen Lebensbedingungen kurz vor Ansiedlung der ersten Industrie in Großauheim. „Damals mussten die Auheimer sechs Tage die Woche in Hanaus Fabriken arbeiten, zwölf bis 14 Stunden täglich. Zudem mussten sie den beschwerlichen Fußmarsch zu und von ihren Arbeitsstellen auf sich nehmen.“

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Der ehemalige Forstamtsleiter Dr. Dieter Müller erinnerte daran, dass technische Hilfsmittel erst viel später Einzug in die Forstwirtschaft hielten. „Die erste Motorsäge im Jahr 1940 war nur von zwei Männern zu betätigen“, berichtete Müller. Doch trotz moderner Technik, noch immer sei die Arbeit eines Forstwirts Schwerstarbeit. Allerdings weit weniger gefährlich als zu Zeiten Börners. Arbeitsschutzkleidung und umfangreiche Sicherheitsvorschriften haben die Zahl der Unfälle sinken lassen. Dem schwer verletzten Waldarbeiter Gothart Börner hätten auch Helfer des Roten Kreuzes 1864 nicht mehr helfen können. Denn das wurde zwar im gleichen Jahr in Genf gegründet, aber zunächst beschränkte sich das Tätigkeitsgebiet der Retter auf die Kriegsschauplätze jener Zeit. Bei Glühwein, heißem Orangensaft und Schmalzbroten fand die Exkursion in den Großauheimer Wald, die ein fast vergessenes Kapitel Lokalhistorie beleuchtete, ihren Abschluss.

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