Vom Flusskiesel zum Hofgut

Ernst Hain, Investor vieler historischer und sozialer Projekte, will eine Kulturscheune bauen

Ernst Hain mit den restaurierten Holzkarren, den er stolz präsentiert.
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Ernst Hain mit den restaurierten Holzkarren, den er stolz präsentiert.

Dem Himmel ganz nah fühlt sich der Besucher, der bei Ernst Hain auf dem Hofgut Geisberg zu Gast ist: Von der Terrasse des im Jahre 1898 als Jagdhaus erbauten Gebäudes streift der Blick über sanfte Hügel bis hin zur Frankfurter Skyline in der Ferne. Unten im Garten, der schon ob seiner Größe eher als Park bezeichnet werden muss, liegt ein Teich, unterhalb davon gibt es eine Quelle. Schöner kann man sich das Landleben kaum vorstellen.

Hanau – Besitzer des Hofgutes, das auf Linsengerichter Gemarkung liegt, ist Ernst Hain. Der Name des umtriebigen Investors wird sonst immer im Zusammenhang mit einem seiner zahlreichen Bauprojekte in der Region Hanau genannt, wo er sich insbesondere der Sanierung historischer Bauten gewidmet und diese dann auf Projekte des Behindertenwerks Main-Kinzig oder des Vereins LebensGestaltung zugeschnitten hat: Die Herrnmühle am Sandeldamm in Hanau mit den integrativen Projekten „Waschwerk“ und dem „Café überm Fluss“ gehört dazu, auch die Betreuungseinrichtung Schwanennest an der Pumpstation (und in der Feuerbachstraße) und der Bau der Sophie-Scholl-Schule ebenfalls. Gerade hat der gebürtige Freigerichter aus Somborn seinen 72. Geburtstag gefeiert und die Gäste auf seinem „Landsitz“ empfangen, auf dem er sich einen Lebenstraum verwirklicht hat. Wobei die Sache mit dem Verwirklichen noch lange nicht vorbei zu sein scheint. Der Wahl-Gelnhäuser hat vor Jahren das heruntergekommene Hofgut gekauft und sich an die Sanierung gemacht. Jetzt führt er seine Gesprächspartnerin vom HA stolz über das 8,3 Hektar große Grundstück.

Begeistert berichtet er vom Fund eines alten Holzkarrens, der unter Heu und Stroh in einem Nebengebäude auftauchte und nach liebevoller Restaurierung in neuem Glanz erstrahlt.

Nächstes Ziel von Hain: Eine Kulturscheune für Events

Auf einem Hügel des weitläufigen Geländes, so erklärt der unermüdliche Planer und Denker, will er als nächstes einen Ort für Kulturevents schaffen, eine Art Kulturscheune, in der eine befreundete Band Platz zum Proben finden soll und in der Konzerte und weitere Veranstaltungen für Freunde und Bekannte über die Bühne gehen können. Unterstützt wird Hain bei all seinen Bemühungen von seiner Frau Marianne, die ebenso viel Begeisterung für den historischen Ort mitbringt und dort auch schon jede Menge Zeit hineingesteckt hat.

Das Hofgut Geisberg, das der umtriebige Investor vor einigen Jahren gekauft und saniert hat.

Gebäude mit Geschichte haben es dem Vater einer Tochter und eines Sohnes angetan. Und nicht nur die. Steine und kaufmännisches Denken ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Der Grundstein hierfür würde durch einen Schicksalsschlag gelegt, der den damals zwölfjährigen Somborner Bub aus der Bahn warf.

Damals starb sein vier Jahre älterer Bruder bei einem Unfall mit einer Jagdwaffe aus der Hand eines Gleichaltrigen. Der strenge Vater zeigte kein Verständnis dafür, dass der bis dahin gute Schüler nach dem Unglück nur noch mäßige Leistungen zeigte. Statt Zuwendung und Therapie hielt der Vater das Herunternehmen seines Sohnes von der Schule für die richtige Erziehungsmaßnahme.

Hain machte eine Lehre in Hanau zum Verkäufer

Und so fand sich Ernst 14-jährig bei Spielwaren Brachmann in Hanau wieder, wo er eine Lehre als Verkäufer machte. „Wenn ich heute sehe, wie leer das Geschäft oft ist und mich an damals erinnere, blutet mir das Herz“, sagt Hain.

Hain auf der Terrasse seines Jagdhauses.

1965 wechselte Hain zum Kaufhof, weil dort schon die Fünf-Tage-Woche eingeführt war und hatte binnen kürzester Zeit seinen Kaufmannsgehilfenbrief. Nach weiteren Stationen landete Hain, ein großes Verkaufstalent, mit 22 Jahren bei einer Rhenus-Tochter in Hanau, wo er nach fast zehn Jahren als Prokurist kündigte, um sich selbstständig zu machen. Die Vision, dass Flusskiesel und Findlinge bei Haus- und Garteneignern einmal sehr begehrt sein könnten, brachte ihm Glück – und viel Geld. Also beschloss er, in Immobilien zu investieren, was sich für ihn als goldrichtige Entscheidung erwies.

Zahlreiche Projekte hat Hain mittlerweile umgesetzt

Ein sicheres Gespür und gutes Händchen für die richtigen Objekte hatte Hain offenbar schon früh. Für den Erwerb des Hotels Renz in Frankfurt-Bockenheim gab die Sparkasse ihm einen Kredit von mehreren Millionen D-Mark. Es folgten weitere Objekte, darunter die Kommandeursgebäude in Gelnhausen, die ihm der damalige Bürgermeister Jürgen Michaelis „ans Herz legte“. Damals, so erinnert sich Hain, suchte das Behindertenwerk Main-Kinzig ein Verwaltungsgebäude: „So kam der Berg zu mir“, erklärt er. Als Vater eines gehandicappten Sohnes waren ihm die Belange des BWMK ein Herzensanliegen – und das sind sie auch geblieben. Zurzeit investiert er drei Millionen Euro in eine Sporthalle und Mensa der Sophie-Scholl-Schule.

Ein wenig verrückt ist Hain, der sich längst zur Ruhe setzen könnte, schon. Seinen (historischen) Grabstein hat er sich bereits organisiert und auf dem Gelände des Geisbergs gelagert. „Hier fehlt nur noch die Gravur, und zwar die Jahreszahl 2048. Dann werde ich nämlich 100, und so alt will ich auch werden!“, sagt Hain. Bedenkt man, welche Projekte er noch umsetzen will, wird er diese Zeit auch brauchen.

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