14 Ladestationen

„Fingerzeig in die Zukunft“: Stadt und LEG weihen erste Station im E-Mobilitätsprojekt des Pioneer Parks ein

Breit aufgestellt: Neben E-Autos können auch E-Lastenräder und E-Bikes ausgeliehen werden.
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Breit aufgestellt: Neben E-Autos können auch E-Lastenräder und E-Bikes ausgeliehen werden.

Hanau – Ein solch komplexes E-Mobilitäts-Konzept wie das, das in den kommenden Jahren auf dem Gelände des Pioneer Parks realisiert werden soll, sei bundesweit einzigartig. Das betonte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei der Einweihung der ersten Mobilitätsstation im neuen Wohnquartier.

Die LEG Hessen-Hanau GmbH, eine gemeinsame Gesellschaft der DSK-BIG und der Stadt Hanau, erstellt insgesamt bis zu zwölf Ladestationen mit insgesamt bis zu 70 E-Autos, E-Fahrrädern und E-Lastenrädern. Neben der direkten Anbindung an den ÖPNV will die Stadt so kostengünstige Anreize zu einer umweltfreundlichen Individualmobilität geben. Profitieren sollen davon nicht nur die Bewohner, sondern auch Gäste und Nutzer von außerhalb.

Tarek Al-Wazir muss Teilnahme wegen Quarantäne absagen

Im Beisein von Tarek Al-Wazir (Grüne), dem hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, sollte die erste Station in Betrieb genommen werden. Da Al-Wazir sich aber derzeit in Quarantäne befindet, wurde er durch den CDU-Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert vertreten.

„Allein die Tatsache, dass Tarek Al-Wazir gekommen wäre, zeigt, dass das hier nicht irgendein Datum, irgendein Ereignis ist, sondern ein Fingerzeig in die Zukunft“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Dabei dankte er Al-Wazir in seiner Rede für die Förderhilfe des Landes.

Haben die erste Mobilitätsstation eingeweiht: Martin Bieberle, Marc Weinstock, Claus Kaminsky und Heiko Kasseckert (von links) vor dem Block-Heizkraftwerk.

Projekt kostet die LEG über drei Millionen Euro

Das hessische Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt, das die LEG mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über drei Millionen Euro angesetzt hat, mit Fördermitteln in Höhe von 500 000 Euro. Die Zuwendung erfolgt als anteiliger Zuschuss zu den Gesamtausgaben und wird in die Umsetzung der ersten vier Mobilitätsstationen einfließen.

Zudem sollen zwei zentrale Paketboxen installiert werden. „Wir wollen das Verkehrsaufkommen und die Anzahl der Verbrennungsmotoren im Quartier reduzieren“, sagte der LEG-Geschäftsführer. Bis die Carsharing-Angebote genutzt werden können, gehen laut Weinstock jedoch noch einige Wochen ins Land.

E-Fahrzeuge über App reservieren und bezahlen

Denn die Reservierung der E-Fahrzeuge und die Bezahlung sollen über eine „Quartiers-App“ erfolgen, die die E-Mobilitäts-Unternehmensgruppe GP Joule – die auch die Flotte geliefert hat – eigens für dieses Projekt entwickelt. „Sobald die App im November/Anfang Dezember zur Verfügung steht, können die Sharing-Angebote genutzt werden“, so Weinstock.

Auch den aktuellen Ladestand der E-Fahrzeuge soll die App dann anzeigen können. Damit könnten die Nutzer abschätzen, wie groß die Reichweite jedes einzelnen Fahrzeugs ist.

Drohende Netzüberlastung die größte Herausforderung

Die größte Herausforderung sei es jedoch gewesen, die Ladung des Stroms an verschiedenen Punkten im Quartier zu steuern, um eine Netzüberlastung und in der Folge dessen eine Netzabschaltung zu vermeiden. So sei es erstmalig gelungen, ein mehrstufiges Ladelast- und Energiemanagementsystem zu implementieren. Weinstock beschrieb das Problem anhand eines Alltagsbeispiels:

„Wenn sich jeder um neun Uhr abends eine Tiefkühlpizza in den Ofen schiebt und ein Fußball-Länderspiel guckt und nebenbei noch sein Auto auflädt, würde sich sonst der Strom zur Aufladung der E-Fahrzeuge bei Überschreitung der Kapazitätsgrenze einfach ausschalten“, so Weinstock. Durch das Energiemanagementsystem könne man sicherstellen, dass die Fahrzeuge sich dennoch – beispielsweise über Nacht – aufladen könnten. Die Aufladeleistung würde dann jedoch an die vorhandene Kapazität angepasst und in geringerem Maße an die einzelnen Fahrzeuge verteilt. Eine Netzüberlastung und in der Konsequenz eine Netzabschaltung könnten so verhindert werden.

Breit aufgestellt: Neben E-Autos können auch E-Lastenräder und E-Bikes ausgeliehen werden.

14 Ladepunkte, sechs für E-(Lasten-)Fahrräder und acht für Elektro-Autos stehen mit der ersten E-Mobilitätsstation nun in der Neil-Amstrong-Straße, zwischen dem neu gebauten Blockheizkraftwerk und den Eigentumswohnungen des Triangle Housing am Eingang des Pioneer Parks bereit. Zusätzlich zu den zwölf Mobilitätsstationen und den 750 privaten sowie öffentlichen Ladepunkten könne jeder vierte Bewohnerparkplatz kostengünstig elektrifiziert werden.

Den Strom für die E-Mobilität im Wohnquartier sollen drei Blockheizkraftwerke liefern. Und zwar Co2-neutral mit der Verbrennung von Biogas. Auch Kasseckert lobte in seiner Rede das Vorhaben der LEG: Das E-Mobilitätskonzept sei mehr als nur ein Pilotprojekt, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Verkehrswende. Er habe den Eindruck, dass die junge Generation bereits eine andere Vorstellung von Mobilität habe, bei der die individuelle Mobilität weitaus flexibler gestaltet werden könne.

So würden einige gerne auf ein eigenes Auto verzichten. Daher sei es wichtig, gerade in wachsenden Ballungsräumen wie dem Main-Kinzig-Kreis etwa durch mehr Ladesäulen für E-Fahrzeuge, den ÖPNV, aber auch alternative Formen der individuellen Mobilität, Anreize zu schaffen, die ein Umdenken in den Köpfen der Bürger in Gang setzen.

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