Flüchtlingsinitiative „Lampedusa in Hanau“

Vom Überleben zurück ins Leben

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Mit einer kleinen Ausstellung in der Christuskirche dokumentierte die Initiative „Lampedusa in Hanau“ ihre bisherige Arbeit. Die Bilanz nach einem Jahr fällt positiv aus.

Hanau - Eine positive Bilanz darüber, was die Lage der Flüchtlinge in und um Hanau angeht, zog die Initiative „Lampedusa in Hanau“ am Donnerstagabend im voll besetzten Gemeindesaal der Christuskirche.

Vor einem Jahr hatte sich die Initiative „Lampedusa in Hanau“ gegründet. „Und wir haben seither sehr viel erreicht“, findet Hagen Kopp, einer der Sprecher der Initiative. Das belegten auch die Berichte der vielen Arbeitskreise und unterstützenden Organisationen, die sich im vergangenen Jahr gegründet hatten, um der Betroffenheit über die Situation der Flüchtlinge aktives Handeln folgen zu lassen. Sprachunterricht wird mittlerweile erteilt, Spieleabende werden ebenso organisiert wie Ausflüge in die Gemeinden, gemeinsames Kochen und Essen gehört zum Alltag, die Begleitung bei Arzt- oder Behördengängen gibt den Flüchtlingen mehr Sicherheit. Aus helfender Unterstützung erwachsen Freundschaften. Und die, so eine ehrenamtlich tätige Frau, „bereichern auch unser eigenes Leben ganz enorm.“

Pfarrer Stefan Weiß

Für einen der Flüchtlinge ist es „die beste Zeit, die ich je hatte.“ Ein anderer fasst gerührt zusammen: „Ich bin behandelt worden wie ein Familienmitglied.“ Es sei wie der Weg vom Überleben zurück ins Leben gewesen. Und gerade weil sich Menschen kümmern, Lobby für jene sind, die hier stranden, waren auch Kirchenasyle möglich, um die Abschiebung nach Italien zu vermeiden. Insgesamt elf Kirchenasyle wurden 2014 im Raum Hanau gewährt. „Befinden sich die Asylsuchenden in einem sozialen Umfeld, so wird vielfach auch der Ermessensspielraum der Behörden zugunsten der Flüchtlinge ausgelegt,“ hat Pfarrer Stefan Weiß bemerkt.

„Aber wir werden uns dennoch weiter gegen Abschiebungen wehren müssen,“ sagte Hagen Kopp. Insbesondere bei jenen Flüchtlingen, die in Italien erstmals europäischen Boden betreten haben und dort registriert wurden. Sie müssten eigentlich gemäß der Dublin-Bestimmungen zurück nach Italien. Doch das will keiner der Betroffenen. Denn dort blieben sie sich selbst überlassen. „Kein Essen, keine Wohnung, keine Bildung, keine Gesundheitsversorgung,“ kritisierte ein Betroffener.

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien (Archiv)

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien

„Es werden noch hunderte Flüchtlinge dazukommen,“ prophezeite Pfarrer Stefan Weiß. „Die Stadt muss sich vorbereiten, und die Menschen müssen sich vorbereiten.“ So wird die Diakonie ab April eine halbe Stelle bereitstellen mit einem Mitarbeiter, der freiwillige Helfer unterstützt. Denn engagierte Menschen werden in der Flüchtlingshilfe immer benötigt. Sie können sich als Paten für einzelne Flüchtlinge einsetzen, Sprachunterricht geben, bei Behördengängen helfen und vieles mehr.

Aber auch Spenden sind willkommen. Denn „Lampedusa in Hanau“ hat sich für die Zukunft auch die Familienzusammenführung vorgenommen, damit Eltern und Kinder hier wieder zusammenkommen können. In einem in Hanau schon bald zu gründenden Arbeitskreis Asyl sollen die künftigen Tätigkeitsfelder dann genauer umrissen werden. 

dk

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