Fluglärm treibt auch Bundespolitiker um

Hanau/Main-Kinzig-Kreis (did) - Die durch eine Absenkung der Flughöhen im Anflug auf den Rhein-Main-Flughafen verursachte erhöhte Fluglärm belastung über dem Main-Kinzig-Kreis treibt nicht nur viele Bürger um, sondern auch die hiesigen Politiker.

So nimmt der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe für sich in Anspruch, schon im November vergangenen Jahres vor dem neuen Anflugverfahren gewarnt zu haben - erfolglos. Nun seien seine „schlimmsten Befürchtungen eingetreten“, erklärte der SPD-Politiker. Deshalb unterstütze er auch eine geplante Resolution der Bürgermeister im Main-Kinzig-Kreis gegen das von der Deutschen Flugsicherung eingeführte neue Anflugverfahren. Gleichzeitig kritisierte Raabe den Hanauer CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Tauber, dem er mangelhafte Unterstützung im Kampf gegen Fluglärm vorwarf.

Tauber hingegen appellierte an die SPD, das Thema Fluglärm nicht parteipolitisch zu missbrauchen. Das werde der Komplexität des Themas nicht gerecht, erklärte der CDU-Politiker. Tauber, der unlängst mit Verantwortlichen der Deutschen Flugsicherung das Gespräch suchte, warnte vor Aktionismus und voreiligen Schlüssen. „Das Thema ist hochkomplex. Wir müssen uns die Mühe machen, das komplette System zu verstehen und dann geeignete Lösungsvorschläge machen.“

Dazu gehört die insbesondere von Landrat Erich Pipa immer wieder angemahnte Einführung des so genannten CDA-Anflugverfahrens nach dem Vorbild des Londoner Flughafens Heathrow nach Meinung von Dr. Tauber nicht: „Das, was in London CDA-Verfahren genannt wird, ist nach deutschem Standard kein CDA. Gemessen an den britischen Kriterien wird der kontinuierliche Sink-Gleitflug auf dem Frankfurter Flughafen bereits bei der Vielzahl der Flüge angewendet. Faktisch sind die Sinkflugprofile in London und in Frankfurt in weiten Bereich gleichwertig.“

Nach Ansicht von Dr. Tauber liegt eine mögliche Lösung des Problems in einer gerechteren Verteilung des Fluglärms in der Region. So sei es nicht fair, dass rund 75 Prozent der Anflüge von Osten, also über den Main-Kinzig-Kreis erfolgten. Auch müsse man über das Thema Flughöhen noch einmal diskutieren. Tauber: „Kein Flugzeug darf tiefer fliegen, als unbedingt nötig.“ Bei all diesen Fragen dürfe man die Deutsche Flugsicherung nicht aus der Verantwortung lassen.

Allerdings stellte der CDU-Bundestagsabgeordnete auch klar, dass der Ausbau des Rhein-Main-Flughafens zu einer „wie auch immer gearteten Mehrbelastung“ für die gesamte Region“ führen werde. „Wer etwas anderes behauptet, der macht Versprechungen, die nicht zu halten sind“, so Tauber.

Nach Ansicht des Linken-Bundestagsabgeordneten Werner Dreibus kann eine Verteilung des Lärms nicht die Lösung sein. Er fordert eine wirkliche Reduzierung des Fluglärms durch eine höhere Besteuerung des Flugverkehrs.

Rubriklistenbild: © dpa

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