Ein Querschnitt der Hanauer Bevölkerung

Fotograf Jochen Stenger schafft 40 „Hanauer Portraits“ bekannter und unbekannter Personen

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Blick zurück: Fotograf Jochen Stenger blättert im Ausstellungskatalog der „Hanauer Porträts“ von 1997.

42 Stufen sind es bis ins Dachgeschoss des liebevoll sanierten Hauses an der Großauheimer Taunusstraße. Hier oben hängen großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen an den weiß getünchten Wänden.

Fotografien opulenter Wolkenberge, Gesichter junger Menschen vor weißem Hintergrund oder Aufnahmen aus dem Süden, die das Spiel mit Licht und Schatten einfangen. Festgehalten hat sie der Hanauer Fotograf und Galerist Jochen Stenger. Der Großauheimer ist seit 2017 Lehrer im Ruhestand, unterrichtete zuletzt am Hessen-Homburg-Schulzentrum. 

Und er geht seiner Leidenschaft, der Fotografie, seit dem Studium nach. „Damals, 1971 muss das gewesen sein, habe ich einen Fotokurs an der Fachhochschule in Fulda belegt“, erinnert er sich. 1975 hat er sich die erste Spiegelreflexkamera geleistet. Seitdem hat ihn die Fotografie nicht mehr losgelassen. 2002 hat er seiner Leidenschaft ein ganz besonderes Geschenk gemacht und die Galerie Fototreppe 42 eröffnet. „Ich habe zu diesem Zeitpunkt ja schon wirklich lange fotografiert, habe schon viele Ausstellungen deutschlandweit hinter mich gebracht, Kalender produziert, da war die Eröffnung der Galerie nur der logische nächste Schritt“, so der 67-Jährige. 

Neuauflage der „Hanauer Portraits“ ist geplant.

In seinem Elternhaus, das Stenger mit seiner Frau und Hund Clooney bewohnt, können Besucher seitdem dreimal im Jahr die 42 Stufen der Galerie Fototreppe besteigen und Fotoausstellungen bewundern. Fünf Jahre zuvor, 1997, hat Stenger die „Hanauer Portraits“ das erste Mal aufleben lassen. 40 Hanauer stellte er damals vor seine Linse – bekannte wie unbekannte. „Im Rahmen der Feierlichkeiten '400 Jahre Wallonisch-Niederländische Gemeinde und Neustadt Hanau 1597-1997' erhielt ich von der Stadt Hanau damals die Gelegenheit“, sagt er. Es gab eine Ausstellung im Neustädter Rathaus. „Auch der 'Hanauer Anzeiger' war damals involviert und hat geholfen“, erzählt Stenger. 

Drei Stunden vor Ausstellungseröffnung sei das zugehörige Buch erst kurz auf knapp fertiggestellt worden. Es waren mehrere hundert Exemplare. Heute sind sie allesamt ausverkauft. „Ich selber habe gerade noch zwei Stück“, sagt der Fotograf. Damals vor der Kamera waren Persönlichkeiten wie Dr. Jürgen Heraeus, die damalige Oberbürgermeisterin Margret Härtel oder Boxidol Fritz „Muffel“ Mück. Jetzt ist eine Neuauflage der „Hanauer Portraits“ geplant. 

Fotos von unter anderem Kai Pfaffenbach und Karl Quinn

Fast 25 Jahre nach der ersten Porträtreihe trat ein Sponsor, der Hanauer Jean M. Förster, an Stenger heran, mit der Idee, neue Gesichter und Persönlichkeiten Hanaus im damaligen Format festzuhalten. „Die Idee war ihm gekommen, weil er während einer Ausstellung meiner Fotos auf einem Monitor parallel meine 'Hanauer Portraits' von damals gezeigt hat. Die Ausstellung war dann eigentlich nur noch sekundär, weil sich alle nur um den Bildschirm geschart haben“, berichtet der Fotograf. Anfang des Jahres, nachdem er ein gutes viertel Jahr über der Idee gebrütet hatte, hat Stenger schließlich begonnen, das Projekt in Angriff zu nehmen. 

2021 sollen die Fotos in einer Ausstellung in der Galerie Arp am Freiheitsplatz und mit einem Katalog veröffentlicht werden. Auf seiner Facebookseite gibt Stenger in unregelmäßigen Abständen einen Überblick über die neu entstandenen Portraits. „Dabei ist mir Vielfalt wichtig. Es sollen nicht nur die bekannten Gesichter abgelichtet werden. Und der Anteil von Frauen und Männern soll ausgeglichen sein“, sagt er. 13 Hanauer hat er bis dato im Kasten, 40 sollen es werden. Der Musiker Karl Quinn, der Fotograf Kai Pfaffenbach oder der der Judomeister Max Strauch sind bislang abgelichtet. Hinzu kommen sollen der Designer Lars Contzen, die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, der ehemalige Fernsehmoderator Frank Lehmann, der Kulturchef Martin Hoppe und viele weitere – alle in schwarz-weiß und alle mit einer Nikon Kleinbildkamera fotografiert.

Zur Person 

Jochen Stenger wurde 1951 in Hanau geboren, studierte Kunst und visuelle Kommunikation an der FH Fulda und übte danach eine Lehrtätigkeit in den Fächern Kunst und Medienerziehung aus. 2002 gründete er die Galerie Fototreppe 42 in Großauheim. Stenger blickt auf deutschlandweite Ausstellungen zurück, in denen er seine fotografischen Arbeiten, alle in schwarz-weiß, präsentierte. Seit 1990 veröffentlichte Stenger jährlich Fotokunstkalender mit großformatigen Fotografien aus ganz Europa. Zu seinen Ausstellungen sind diverse Kataloge erschienen. Zudem veröffentlichte Stenger die Bildbände „Stadtzeit ‧– Küche und Kultur in Hanau“, sowie „Stadtzeit hanau - Die Brüder Grimm Stadt“. kb

Quelle: Hanauer Anzeiger

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