Corona-Pandemie

Fragen und Antworten zum Impfzentrum in der August-Schärttner-Halle in Hanau

In der August-Schärttner-Halle in Hanau ist in kurzer Zeit ein Impfzentrum entstanden, das bereits einsatzbereit ist. Jetzt fehlt nur noch der Impfstoff. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Main-Kinzig-Kreis – Es steht alles bereit. Nur der Impfstoff fehlt noch. „Wäre der da, könnten wir theoretisch morgen anfangen“, sagte Dr. Wolfgang Lenz in der August-Schärttner-Halle bei einem Pressetermin zur Vorstellung des dortigen Impfzentrums.

Lenz ist der Projektleiter für den Aufbau und Betrieb der beiden Impfzentren im Kreis, eines in der Sporthalle der Hohen Landesschule, das zweite in der Sporthalle der Kreisrealschule Gelnhausen. Gemeinsam mit Vertretern von Stadt und Kreis informierte Lenz über den geplanten Ablauf der Impfungen. Ein erster Testlauf mit jeweils 30 „Testimpflingen“ (O-Ton Landrat Thorsten Stolz) war am Mittwoch erfolgreich über die Bühne gegangen.

Wie läuft die Terminvergabe ab?
Die Terminvergabe wird vom Land Hessen organisiert. Nach jetzigem Kenntnistand des Kreises werden die Bürgerinnen und Bürger telefonisch kontaktiert, um die beiden Termine für die Corona-Schutzimpfung zu bekommen. Diese beiden Termine liegen vier Wochen auseinander. Alternativ wird es möglich sein, die Termine über eine bundeseinheitliche Rufnummer zu vereinbaren. Die Einladung und der Reservierungscode, der im Impfzentrum als Nachweis der Terminbuchung dient, kommen per Post und müssen vor Ort beim Impfen vorgezeigt werden. Die Impfung ist freiwillig und kostenfrei. Es werden auch die Personen geimpft, die bereits eine Corona-Infektion überstanden haben.
Was ist, wenn ich zu dem Termin keine Zeit habe oder mich nicht impfen lassen möchte?
Wer an dem Termin keine Zeit hat, oder von der Impfung zurücktreten möchte, wird gebeten, den Termin frühzeitig zu stornieren. Es kann jederzeit ein neuer Termin vereinbart werden.
Erklärt das Prozedere: Dr. Wolfgang Lenz, eingerahmt von Landrat Thorsten Stolz (links) und OB Claus Kaminsky.
Welche Impfzentren gibt es im Main-Kinzig-Kreis und wie viele Menschen sollen dort pro Tag geimpft werden?
Im Main-Kinzig-Kreis leben 420 000 Menschen. Wenn sich, wie Schätzungen es vorhersagen, rund 60 Prozent davon impfen lassen, müssen 250 000 Menschen geimpft werden. An den beiden Standorten plant man mit jeweils 125 000 Menschen. Geimpft wird in einem Drei-Schicht-System in der Zeit von 7 bis 22 Uhr. Die Verantwortlichen planen, 900 Menschen am Tag zu impfen. Im Kreis gibt es zwei Impfzentrum, eines in Hanau und eines in Gelnhausen. In Gelnhausen wird in der Neuen Sporthalle der Kreisrealschule am Lohmühlenweg geimpft, in Hanau in der August-Schärttner-Halle, Martin-Luther-King-Straße 48. An beiden Impfzentren stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. In Hanau wurde eine Einbahnstraßenregelung eingeführt. Der Weg mit dem Auto führt rechts an der Halle entlang zum Parkplatz, der hinter der Halle liegt.
Wie ist das Prozedere im Impfzentrum?
Nur wer eine Einladung mit Reservierungscode hat, wird in das Impfzentrum eingelassen. Am Eingang wird die Temperatur gemessen. Wer erhöhte Temperatur oder Anzeichen eines akuten Infekts hat, bekommt keinen Zutritt. Im gesamten Gebäude besteht Maskenpflicht, Ausnahmen gibt es nur mit einem ärztlichen Attest. In der gesamten Halle gelten Hygiene- und Abstandsregeln.
Wo können sich Begleitpersonen aufhalten?
Personen, die andere bringen und/oder abholen, sollen das Impfzentrum nicht betreten, sondern im Ausgangsbereich warten.
Testdurchlauf: Mitarbeiterinnen demonstrieren, was an den einzelnen Stationen passiert. Los geht’s an der Anmeldung.
Wie läuft die Anmeldung ab?
An der Anmeldung werden die Daten der Person aufgenommen. Mitzubringen sind Personalausweis oder Reisepasse, der Impfpass und der Reservierungscode zum Termin. Wer jünger als 60 Jahre ist und priorisiert geimpft werden soll, weil er zum Beispiel zu einer Risikogruppe gehört, muss diese besondere Dringlichkeit mit einem ärztlichen Attest oder einer Bescheinigung des Arbeitgebers nachweisen. Wer schon ein Impfgespräch mit einem Arzt geführt hat, sollte das unterschriebene Merkblatt mitbringen. Alle Dokumente sollten bei der Anmeldung bereitgehalten werden, um Verzögerungen zu vermeiden. Insgesamt gibt es in Hanau neun Anmeldestationen.
Gibt es im Impfzentrum die Möglichkeit, mit einem Arzt zu sprechen?
Ja, diese Möglichkeit gibt es. In separaten Beratungsboxen werden bei Bedarf Impfgespräche angeboten. Der Arzt klärt hierbei über Risiken und mögliche Nebenwirkungen der Schutzimpfung auf. Wer sich danach gegen die Impfung entscheidet, kann die Halle verlassen. Die Impfung könnte dann natürlich zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden. Wer kein Beratungsgespräch benötigt, unterschreibt einfach nur eine Einverständniserklärung.
Wie genau läuft die Impfung ab?
Der Weg von der Anmeldung (oder nach dem Gespräch mit dem Arzt) führt direkt in den Impfbereich. Geimpft wird in separaten Impfkabinen. In Hanau gibt es insgesamt zehn dieser Kabinen. Die Impfung gegen das Corona-Virus erfolgt per Injektion in den Oberarm und wird von medizinischem Fachpersonal verabreicht. Es wird empfohlen, zum Impftermin Kleidung zu tragen, deren Ärmel sich leicht nach oben schieben lassen.
Blick in die Impfkabine: Hier soll der Impfstoff – sobald er freigegeben ist – an 900 Personen pro Tag injiziert werden.
Was passiert nach der Impfung?
Nach der Impfung bleibt man rund 30 Minuten im sogenannten Beobachtungsbereich unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal sitzen. Hier wird ein Video mit weiteren Informationen unter anderem zu Verhaltensregeln bis zur zweiten Impfung gezeigt. Bevor man das Impfzentrum durch den ausgeschilderten Ausgang verlässt, erhält man seinen Impfpass an der Abmeldung mit einem Stempel zurück.
Was gilt es noch zu beachten?
Sollten unerwartet Impfreaktionen auftreten, ist der Hausarzt zu konsultieren.
Gibt es Security auf dem Gelände?
Es sind ständig Security-Leute vor Ort. In Hanau werden es acht Mitarbeiter im jeweiligen Tagesdienst sein Das Ordnungsamt und der Kreis sind außerdem in engem Kontakt mit der Landespolizei und dem Landeskriminalamt verbunden, um direkt intervenieren zu können, sollte es zu Problemen kommen.
Wie ist das Hygienekonzept in der Halle?
Das Hygienekonzept ist auf dem Standard einer Arztpraxis. Sollte also ein Impfling beim Besuch des Zentrums Corona haben, muss danach das Zentrum laut Dr. Lenz nicht geschlossen werden.
Wie und wo wird der Impfstoff gelagert und transportiert?
Der Impfstoff wird von einem zentralen, geheimen Lager mehrmals täglich angeliefert. In der Halle selbst wird maximal ein Tagesbedarf gelagert. Er wird vor Ort in Portionen aufgeteilt und für die Spritze vorbereitet. Stünde mehr Impfstoff zur Verfügung, könnten bis zu 4000 Menschen täglich durch die Schärttner-Halle geschleust werden, so Lenz.
Gibt es genug Personal für die Impfzentren?
Insgesamt haben sich auf die Aufrufe des Kreises rund 450 Personen aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen gemeldet, die mithelfen wollen. Teilweise hätten sich ganze Arztpraxen-Teams gemeldet, die zumindest tageweise helfen wollen. Pro Zentrum sollen täglich 120 Helfer eingesetzt werden, in drei Schichten zu jeweils 30 Personen. Die meisten erhalten Arbeitsverträge, sind also keine Ehrenamtlichen, betont Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler (SPD). Landrat Thorsten Stolz bedankte sich bei den 29 Städten und Gemeinden des MKK, die sich alle personell und organisatorisch an der Impfaktion beteiligen würden.
Wer trägt die Kosten für den Aufbau und den Betrieb der Impfzentren?
Da der Einsatzbefehl zum Aufbau der Zentren vom Land Hessen gekommen sei, würde auch das Land die Kosten tragen, so Simmler. Wie hoch diese Kosten am Ende sein werden, sei aktuell jedoch noch unklar.
Werden auch mobile Impfteams unterwegs sein?
Ja. Es sollen in Kliniken und Altersheimen auch mobile Impftrupps unterwegs sein.
Wie lange wird die gesamte Impfaktion dauern?
Projektleiter Lenz rechnet mit mehreren Monaten, mindestens bis zum Sommer 2021. Aber der Arzt, der auch schon in Afrika gegen Ebola im Einsatz war, betont, dass im Laufe des nächsten Jahres damit gerechnet werde, dass weitere Impfstoffe auf den Markt kommen. Diese Impfstoffe werden dann voraussichtlich auch in Einzeldosen verfügbar sein, so wie jede normale Grippeimpfung, und könnte dann problemlos in einer normalen Arztpraxis verabreicht werden. „Das ist der Zeitpunkt, wo wir keine großen Impfzentren mehr brauchen.“

Impfzentrum in der August-Schärttner-Halle

Abstand halten gilt auch bei der Anmeldung.
Impfzentrum in der August-Schärttner-Halle

Rubriklistenbild: © patrick scheiber

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