Wolfgang-Kaserne belegt

Hanau - Der Vertrag zählt rund 300 Seiten, 28 davon regeln das künftige Mietverhältnis zwischen der Dietz AG als Eigentümer und der Hanauer Firma ALD Vacuum Technologies GmbH als Mieter. Von Erwin Diel 

Das in gut acht Wochen ausgehandelte Ergebnis sichert den Verbleib des Hightech-Unternehmens in Hanau. Bisher ist ALD, ein weltweit führender Anbieter von Anlagen zum Schmelzen, Beschichten oder Härten von Metallen, an der Wilhelm-Rohn-Straße ansässig. Das Gelände dort will Eigentümer Heraeus künftig selbst nutzen. Nach der Ankündigung von Heraeus habe es viele widersprüchliche Meldungen über die künftige Heimat von ALD gegeben, sagte OB Claus Kaminsky (SPD) gestern. Ziel der Stadt sei es nach ersten Gesprächen Mitte des vergangenen Jahres gewesen, ALD unbedingt in Hanau zu halten. Die Firma passe perfekt zum Thema Materialtechnik, mit dem die Stadt sich profilieren wolle. Dass dies nun gelungen sei, sei auch der hervorragenden Arbeit von Erika Schulte zu verdanken, der Chefin der Hanauer Wirtschaftsförderung, sagte Kaminsky. Sie habe ALD und Dietz AG zusammengebracht.

Investor Dietz kauft von der städtischen Bauprojekte GmbH auf dem Areal der Wolfgang-Kaserne ein Grundstück von 25.500 Quadratmetern. Darauf errichtet die Firma 16.300 Quadratmeter Gebäudeflächen für Produktion, Forschung und Verwaltung. Der größte Teil der Altbauten der früheren US-Army werde abgerissen, sagte Dr. Wolfgang Dietz, der Vorstandsvorsitzende des inhabergeführten mittelständischen Immobilien-Unternehmens.

In den kommenden zwölf Monaten will Dietz rund 20 Millionen Euro in das Projekt investieren. In zwei Wochen werde der Bauantrag eingereicht, mit dem Baubeginn sei im April zu rechnen, bereits im dritten Quartal sollen erste Hallenflächen an ALD übergeben werden. Abgewickelt sein soll der Umzug spätestens im ersten Quartal des kommenden Jahres. ALD wird damit Nachbar des Fraunhofer-Insituts, das ein Drittel der Gesamtfläche der Ex-Kaserne künftig als Forschungsstätte seiner Projektgruppe Werkstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie nutzen will. Seit Juni 2012 sind die Wissenschaftler übergangsweise in Räumen des Unternehmens Umicore im benachbarten Industriepark Wolfgang untergebracht. Mit Fraunhofer und ALD sei das komplette Areal nun am Markt untergebracht, sagte der Rathauschef, deutlich schneller, als beim Erwerb zunächst gedacht.

ALD mietet die Dietz-Immobilie zunächst für 15 Jahre. Dem Unternehmen sei wichtig gewesen, an einem neuen Standort die bisher enge Verzahnung von Produktion, Entwicklung, Testbetrieb und Verwaltung fortzusetzen, sagte Dr. Markus Holz, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Die bisher in Hanau beschäftigte Belegschaft könne zusammengehalten werden. Das sei eine auch für die Mitarbeiter wichtige Botschaft. Die Nähe zur Frauenhofer-Forschung und zu den Materialtechnologie-firmen im Industriepark sei ein weiterer Vorteil. Die Dietz AG (Bensheim) entwickelt in Hanau seit 2009 den Siemens-Technologiepark, das frühere Atomdorf. Die Wolfgang-Kaserne sei unter den deutschlandweit 55 Standorten ein eher kleineres Projekt, sagte Dr. Dietz.

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Rubriklistenbild: © Archivfoto: Häsler

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