Fridolin Wissel wird nach 52 Jahren verabschiedet

Ende einer Ära bei der Melitia

+
Fridolin Wissel war sage und schreibe fast 52 Jahre lang musikalischer Leiter des Männerchors im Sängerchor Melitia 1905 Großauheim. Heute Abend soll der Musikdirektor von seinen Sängerfreunden gebührend verabschiedet werden.

Großauheim - Beim Sängerchor Melitia 1905 Großauheim geht heute eine unglaubliche Ära zu Ende. Musikdirektor Fridolin Wissel, der den Männerchor seit sage und schreibe fast 52 Jahren musikalisch leitete, wird verabschiedet. Von Holger Hackendahl

Beim Gedanken daran schwingt bei dem 76-Jährigen natürlich ein wenig Wehmut mit. Am vergangenen Mittwoch leitete Fridolin Wissel letztmals eine Singstunde des Melitia-Männerchors. Noch einmal wurden die Lieder geprobt, die heute ab 18 Uhr bei einem Dank- und Gedenkgottesdienst für verstorbene Melitia-Mitglieder in der Gustav-Adolf-Kirche gesungen werden. Anschließend wird bei einem gemütlichen Beisammensein im Bürgerhaus Alte Schule Fridolin Wissel offiziell verabschiedet. Chorleiter, Dirigent und Begleiter auf dem Klavier – beim Männerchor des Sängerchors Melitia 1905 Großauheim war Fridolin Wissel alles in einem, und das seit mehr als einem halben Jahrhundert. Da war es nur zu verständlich, dass bei der letzten gemeinsamen Probe im Kellerraum „Zum Lotz“ wehmütige Erinnerungen aufkamen.

Bei der letzten Chorprobe schwang sowohl bei Musikdirektor Wissel als auch bei seinen Sängern Wehmut mit. Der Chor übte für den Gedenkgottesdienst heute ab 18 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche.

Seit Frühjahr 1966 war Friedolin Wissel Leiter des traditionsreichen Männerchores. „Er war damals bereits Chorleiter eines Männerchores in Niedermittlau. Einige Wochen vor der ersten Singstunde bei uns sind wir mit einigen Vorstandsmitgliedern dorthin gefahren, um ihn zu beschnuppern“, erinnert sich Klaus Mayer, ehemaliger Vorsitzender der Melitia, noch gut an seine erste Begegnung mit Fridolin Wissel. „Wir waren gleich überzeugt von seiner Art, wie er Musik und Liedgut vermittelt. Fridolin Wissel kann fürs Singen begeistern, die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt.“

Wissel war gerade einmal 25 Jahre alt, als er den Melitia-Chor übernahm. In den folgenden Jahrzehnten sollte er den Sängerchor fit machen für unzählige Konzertauftritte, nicht nur bei den eigenen Frühjahrs- und Herbstkonzerten in der Lindenauhalle. Besonders in Erinnerung bleibt aber auch eine einwöchige Chorreise 1971 in die damals noch jugoslawische Region Kutina, die später Partnerregion des Main-Kinzig-Kreises werden sollte. 1974 war der Melitia-Chor unter dem Dirigat von Fridolin Wissel im Hörfunkprogramm HR2 des Hessischen Rundfunks in der beliebten Sendung „Hessische Chöre singen“ zu hören. Mehrtagesfahrten in die Schweiz und zum Männergesangverein Norden an der Nordsee gehörten ebenso zu den gemeinsamen Erlebnissen wie die bis heute bestehende Freundschaft mit dem Männergesangverein Liederkranz Dorfprozelten.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Friedolin Wissel studierte von 1959 bis 1963 an der Frankfurter Musikhochschule Kirchenmusik und Orgel bei Professor Helmut Walchar. Von 1960 bis 1976 war er auch Organist an der Allerheiligen-Kirche am Zoo in Frankfurt. Von 1977 bis zu seinem wohlverdienten Ruhestand 2007 war er danach Musiklehrer am Aschaffenburger Dahlberg-Gymnasium. „Altersbedingt und aus gesundheitlichen Gründen möchte ich nun ein wenig kürzer treten“, sagt Wissel, der allerdings noch nicht so ganz den Taktstock aus der Hand geben will. So will Wissel weiterhin noch die Chorgemeinschaft Olympia Steinheim/Harmonie Klein-Auheimer dirigieren.

Der in Alzenau wohnende Dirigent hat bei der Melitia drei Vorsitzende erlebt: neben Klaus Mayer und Erich Kurzschenkel auch den aktuellen Vorsitzenden Norbert Schwarz. „Ich habe nun etwas mehr Zeit für mich, meine drei Enkel und meine Hobbys Modelleisenbahnen und Computer“, freut sich der 76-Jährige.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare