Lockdown

Friseure bekommen Angebote: „So viel Kaffee kann ich gar nicht trinken“

Bis zur Öffnung der Friseure warten oder sich von Freunden und Familie helfen lassen? Viele versuchen stattdessen die Haarstylisten zur Schwarzarbeit zu kriegen. (Symbolbild)
+
Bis zur Öffnung der Friseure warten oder sich von Freunden und Familie helfen lassen? Viele versuchen stattdessen die Haarstylisten zur Schwarzarbeit zu kriegen. (Symbolbild)

Die Friseursalons sind Corona-bedingt auch in Hanau geschlossen. Allerdings gibt es viele „Einladungen zum Kaffee trinken“.

Hanau – Mit der Länge des Lockdowns nimmt auch die Länge der Haarpracht auf den Köpfen hierzulande zu – und damit steigt offensichtlich auch die Verzweiflung bei vielen. Nicht wenige fragen deshalb bei den Geschäften an, ob dies Friseure auch die Haare privat schneiden: schwarz. „So viel wie ich gerade zum Kaffee eingeladen werde, so viel kann ich gar nicht Kaffee trinken“, sagt Particia Enskat, Inhaberin des Salons Hairlounge an der Frankfurter Landstraße. „Natürlich sind viele Leute frustriert, aber da bleibe ich stur“, sagt die Friseurin.

Private Anfrage via Facebook für Hanauer Friseure

Auch Michael Dörr, Obermeister der Friseur-Innung Hanau und Inhaber der Friseurkette Hairline, die drei ihrer vier Filialen in Hanau hat, kann solche Fälle bestätigen: „Wir haben jeden Tag Anfragen von Menschen, die ihre Haare unbedingt geschnitten haben wollen, manche gehen sogar soweit und kontaktieren die Friseure privat via Facebook.“ Nicht ganz unschuldig an dieser Lage dürften wohl die Bundesliga-Profis sein, die diese Tage mehr mit perfekt gestylten Friseuren statt mit gutem Fußball auffallen. Dörr hatte deswegen mit seinen Kollegen vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks auch einen Brief an die Deutsche Fußball Liga geschrieben, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Passiert ist bisher scheinbar wenig.

Hanau: Friseure fallen teilweise mit Schwarzarbeit auf

Mit Schwarzarbeit in Hanau aufgefallen seien aber vor allem einzelne Barbershops in der Innenstadt, berichtet Michael Dörr. Mittlerweile sei sogar ein Fall bekannt, in dem eine Friseurin mitten im Lockdown öffentlich mit illegalen Angeboten für Haarschnitte wirbt.

„Ich finde, die Menschen sollten da solidarisch sein, und acht Wochen ohne Haarschnitt kann man auch mal überstehen“, meint der Innungs-Obermeister. Dörr und Enskat sehen eigenständige Versuche, mit Maschine oder Schere der langen Haarpracht Herr zu werden, kritisch. „Mit der Maschine kann man sich selbst mal ausprobieren, aber mit der Schere ist die Verletzungsgefahr für Laien recht groß“, warnt Dörr. Und Enskat ergänzt: „Beim Nachfärben des Ansatzes gebe ich meinen Stammkunden auch gerne Tipps, aber beim Selbstschneiden habe ich schon im ersten Lockdown gesehen, dass es eher nicht so gut funktioniert.“

Michael Dörr ist Obermeister der Friseur-Innung Hanau

Friseure in Hanau haben mit dem Lockdown hart zu kämpfen

Während die Kunden nur mit längerem Haupthaar zu kämpfen haben, haben die Figaros viel existenziellere Probleme: „Die Situation ist katastrophal“, so Dörr, „die Friseure haben null Umsatz und von den Dezember- und Januar-Hilfen haben wir noch keinen Cent gesehen.“ Die Not sei bei vielen groß. Denn die Rücklagen, die einige aufgebaut haben, schmelzen zusehends dahin. Das Kurzarbeitergeld helfe zwar, aber dennoch laufen auch Lohnkosten weiter. „Viele werden das nicht überstehen“, sagt Inhaberin Enskat. Bei ihr sei die finanzielle Lage bisher allerdings noch nicht dramatisch. Innungschef Dörr geht indes von gut jeden fünften Laden aus, der den zweiten Lockdown nicht überstehen wird.

Vor allem die ausbleibenden Hilfen seien ein Problem. Zwar sei mittlerweile ein Online-Portal der Bundesregierung aufgebaut worden, über das bald Anträge für Hilfen gestellt werden können, aber bisher sei das noch nicht möglich. „Wir schauen jeden Tag rein und schauen jeden Tag in die Röhre“, sagt Dörr.

Auch für Friseur-Azubis in Hanau eine harte Zeit

Auch für die Azubis in den Betrieben ist aktuell eine harte Zeit. „Meine Auszubildende hat bald ihre Prüfung, aber sie darf derzeit nicht an ihrem Model üben, an dem sie auch in der Prüfung arbeitet, sondern nur einen Übungskopf“, berichtet Enskat. Trotz der schwierigen Bedingungen ist aber laut Dörr bisher keine Verlängerung der Ausbildungszeit geplant. Für den theoretischen Teil habe man beispielsweise auch viele digitale Angebote geschaffen.

Trotz der harten Zeit ist eine baldige Öffnung der Friseurläden möglich. „Ich gehe davon aus, dass wir zu den ersten gehören werden, die wieder öffnen dürfen“, meint Enskat.

Kein Friseur: Sie wollen Ihre Haare selbst schneiden? Das sollten Sie beachten

Selbst Hand anlegen an die eigene Frisur? Viele haben zurecht einigen Respekt vor dieser Aufgabe und warten deshalb lieber, bis die professionellen Salons wieder geöffnet haben. Kaputte Spitzen abschneiden oder das Pony etwas kürzen, ist allerdings machbar. Voraussetzung für ein gutes Ergebnis ist hier das richtige Handwerkszeug: Bastel- oder Nagelscheren eignen sich für einen Haarschnitt nicht und können die Haare beschädigen. Professionelle Friseurscheren schneiden das Haar nämlich glatt ab. Aber aufgepasst: Mit Scheren kann man sich schnell verletzen, deshalb lieber ein Familienmitglied um Unterstützung fragen.

Für Kurzhaarfrisuren eignen sich vor allem Haarschneidemaschinen, die mit Aufsätzen in verschiedenen Länge das Haar kürzen. Generell gilt: Zunächst lieber weniger Abschneiden und sich nach und nach rantasten. Hinter den Ohren und am Hinterkopf wird es aber schwierig. Hier können ein zweiter Spiegel oder das Smartphone als zusätzliche Hilfe dienen. (Lukas Reus)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare