Kein Allheilmittel

Frisör-Innungsmeister und HMV sehen 2G-Option mit gemischten Gefühlen

Haareschneiden nur mit Maske: In den Frisörsalons von Hairline setzt man weiterhin auf die 3-G-Regel: Auch die Gastronomie hält sich bei der Umsetzung der 2G-Option zurück.
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Haareschneiden nur mit Maske: In den Frisörsalons von Hairline setzt man weiterhin auf die 3-G-Regel: Auch die Gastronomie hält sich bei der Umsetzung der 2G-Option zurück.

„Den Zeitpunkt, um keine Maske aufzusetzen, und keinen Abstand zu halten, finden wir nicht passend, erst recht jetzt im Herbst und Winter. Frühjahr, Sommer wäre eine andere Situation.“ Micheal Dörr, Obermeister der Frisörinnung Hanau und Frisörmeister mit vier eigenen Salons in Hanau und Nidderau hat, wie die meisten Innungsmitglieder auch, eine klare Meinung zur 2G-Option.

Hanau – Diese eröffnet seit rund zwei Wochen die Möglichkeit, ausschließlich Geimpften und Genesenen den Zutritt zu gestatten, beispielsweise zu Frisörsalons, Gaststätten oder Veranstaltungen.

Das Stimmungsbild innerhalb der Innung beschreibt Dörr so: „Die allermeisten Salons setzen weiterhin auf die 3G-Regel. 2G wird wenn, dann nur tageweise praktiziert. Es ist, logistisch gesehen, ein Riesenaufwand“, sagt der Innungsobermeister. Man müsse viel organisieren, vor allem dann, wenn man ungeimpfte Mitarbeiter und Kunden habe.

„Selbst wenn alle Mitarbeiter geimpft sind, hat man ja trotzdem noch ungeimpfte Kunden, zum Beispiel Schwangere, Kinder und Risikogruppen, die man dann nicht bedienen kann.“ Zudem müsse man an den 2G-Tagen Kunden vorab telefonisch hinsichtlich der Impfung befragen, um ihnen, wenn sie nicht geimpft sind, den Termin abzusagen.

„Wir haben in Einzelgesprächen auch schon Ankündigungen bekommen, dass, wenn wir in unseren Salons nicht die Regel hin zu 2G ändern, der Kunde nicht mehr komme. Mit der Begründung, dass man dann als geimpfter Kunde ja keine Vorteile habe.“

Innerhalb der Innung ist Dörr lediglich ein Salon bekannt, der auf eine reine 2G-Regelung setzt. Manche wenden die Regel tageweise an, maximal ein bis drei Tage in der Woche. Insgesamt, so Dörr, seien es aber lediglich rund 30 Prozent, die die Wechselregelung praktizierten. „Der Großteil bleibt bei 3G. Wir machen in unseren Salons ebenfalls 3G. Denn wir wollen keine Diskriminierung. Wir wollen niemanden ausschließen. Die Dienstleistung der Körperpflege zu verwehren ist eine ganz fatale Sache.“

Dörr gibt zudem zu bedenken, dass das Ansteckungsrisiko durch die 2G-Regelung ja nicht verschwunden ist, zumal dann ja keine Maskenpflicht mehr besteh. „Das minimiere ich als Arbeitgeber, wenn ich weiter auf 3G setze. Mitarbeiter und Kunden wollen Sicherheit. Es gibt nach wie vor die Angst vor Ansteckung. Auch deshalb befürworte ich als Unternehmer das Tragen von medizinischen Masken.“

Eine Empfehlung für 2G oder 3G spricht Dörr als Innungsobermeistermeister „aufgrund der Brisanz“ nicht aus.

Und wie sieht es im Gaststättenbereich aus? Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schätzt laut Deutscher Presseagentur, dass nicht viele Gastwirte von der 2G-Option Gebrauch machen werden. Sie wollten Auseinandersetzungen mit Impfunwilligen aus dem Weg gehen, heißt es in einer Mitteilung. „Die optionale 2G-Regel dient nach Ansicht vieler unserer Mitgliedsunternehmen insbesondere dazu, die Impfquote zu erhöhen. Deshalb haben sie den Eindruck, dass hier eine kontroverse Debatte auf ihrem Rücken ausgetragen wird“, so Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Vorteile sieht sie für kleine Restaurants, weil Abstandsregeln und damit Kapazitätsbegrenzungen entfielen, wenn nur Geimpfte und Genesene hinein dürften.

Der Vorstand des Hanau Marketing Vereins (HMV) bezeichnet die Frage nach Anwendung der 2G- oder 3G-Regel als „vielschichtiger als es zunächst scheint“. Im Vorstand sei länger darüber diskutiert worden, heißt es vonseiten des Vereins. Eine klare Antwort wurde nicht gefunden, zu viele unterschiedliche Blickwinkel spielten bei diesem Thema mit. Dass es Menschen gibt, die sich trotz Impfung mit Abstand und Maske wohler fühlen und daher die 2G-Option mit gemischten Gefühlen sehen, darauf verweist auch der HMV-Vorstand.

Auf der anderen Seite gebe es Gäste, denen wegen fehlender Impfung der Zutritt zu einer 2G-Gastro verwehrt wird und die so verärgert darüber seien, dass sie auch später dieses Lokal nicht mehr besuchten. „Jeder Gastronom, egal wie er sich entscheidet, muss immer damit rechnen, Gäste zu verlieren. Das ist nach den Lockdowns für jeden ein nicht unerhebliches wirtschaftliches Risiko“, meint der Marketing Verein. 2-G eröffne für manch gastronomische Bereiche neue Möglichkeiten, sei für andere aber keine Option. Zum Beispiel für Lokale, die Familien zu ihren Gästen zählen.

Eine zusätzliche Schwierigkeit stellt im 2G-Format laut HMV auch die Mitarbeiterschaft dar: Sie muss geimpft sein, um in einem Lokal, das dieser Spielregel folgt, tätig sein zu können. Das werde sich nicht immer umsetzen oder im ersten Schritt überhaupt überprüfen lassen, meint der HMV. Dass die Anwendung von 2G oder 3G den Gastronomen selbst obliegt und nicht vorgegeben wird, sieht der HMV-Vorstand ebenfalls differenziert: „Einerseits steht es für Entscheidungsfreiheit und Unternehmertum, andererseits gibt es Kritik, weil die Politik die Verantwortung abgibt.“

„Weder 2G noch 3G sind ein Allheilmittel, wirtschaftliche Überlegungen treffen auf unterschiedliche Wahrnehmungen von Sicherheit und Wohlgefühl“, so die Meinung des HMV-Vorstands der, wie er betont, mit dieser Ansicht nicht für den Gesamtverein spreche. Vielmehr müsse jeder für sich entscheiden. Für Reibung hat das Thema in dieser Woche auch im Hessischen Landtag gesorgt. Anlass war eine AfD-Initiative in einer Aktuellen Stunde mit dem Titel „2G – Spaltung der Gesellschaft durch die hessische Landesregierung“, die CDU-Landtagsabgeordneter Max Schad aus Großkrotzenburg mit „Da kommt einem der Konfirmationskaffee hoch, wenn man das hören muss“ kommentierte.

Von Kerstin Biehl

In unseren Salons setzen wir auf 3G. Die Dienstleistung der Körperpflege zu verwehren, ist eine ganz fatale Sache.

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