„Frühe Hilfe“ sucht den Kontakt zu Kinderärzten

Hanau - (ed) Dass der Erfolg lokaler sozialer Frühwarnsysteme stark von den Rahmenbedingungen und den handelnden Personen vor Ort abhängt, darin waren sich alle Akteure im Arbeitskreis „Frühe Hilfen“ einig.

Beim jüngsten Treffen kam man deshalb überein, dass es unabdingbar ist, die niedergelassenen Kinderärzte stärker in das Hanauer Netzwerk der frühen Hilfen einzubinden. „Es wäre schön, wenn uns dies gelingen würde“, so Stephanie Kämmerer von der Stabsstelle Prävention. Denn gerade die Kinderärzte könnten die Familien leicht erreichen. Ein positiver Zugang zu Familien sei über diesen Weg viel unkomplizierter möglich, als über staatliche Stellen.

Das Treffen des Arbeitskreises war bei Organisationen und Verbänden der Gesundheitshilfe und Jugendhilfe auf großes Interesse gestoßen, was sich auch in der Teilnehmerzahl von 40 Vertreterinnen und Vertretern widerspiegelte, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Im Mittelpunkt stand neben dem Erfahrungsaustausch und der geplanten Unterstützung gesundheitsfördernder Projekte auch die Frage, wie eine engere Vernetzung der bereits bestehenden Strukturen zu erreichen ist. Denn bisher arbeiten die verschiedenen Hilfesysteme oft getrennt voneinander: Gesundheitswesen (zum Beispiel Geburtskliniken, Hebammen, Frauenärzte), Kinder- und Jugendhilfe (Jugendämter, Kitas) aber auch Schwangerschaftsberatung, Polizei, Kinderschutzbund und das Familiengericht.

Nach dem Treffen zeigt sich Stephanie Kämmerer optimistisch, was die künftige Kooperation angeht. „Wir sind auf einem guten Weg ein effizientes Netzwerk zu schaffen.“ Sie gab allerdings zu bedenken, dass im Kinderschutz mancher schnell dabei sei, „das letzte Glied in der Kette der Verantwortlichen“ schuldig zu sprechen, dabei sei effektiver Kinderschutz und auch bereits die Früherkennung abhängig von klaren Regeln und einem klug abgestimmten Zusammenspiel aller Verantwortlichen. Dies könne nur in einem Klima vertrauensvoller Zusammenarbeit verwirklicht werden.

Annedore Stübing, Vorsitzende des Präventionsrates, stellte in diesem Zusammenhang fest, dass es in der Region zwar ein bemerkenswertes Engagement in Sachen Kinderschutz gebe, doch „wir haben eine Lücke im Angebot für Familien bis zum dritten Lebensjahr. Darauf wird der Fokus in diesem Jahr liegen.“

Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky zeigte sich mit den bisherigen Fortschritten des Projektes „Frühe Hilfen“ sehr zufrieden. Wenn es gelinge, die Eltern nach der Geburt ihres Kindes frühzeitig anzusprechen und ihnen ein gut eingespieltes Hilfsnetz vor Ort anzubieten, sei man in der Brüder-Grimm-Stadt einen großen Schritt weitergekommen. „Wir spannen in Hanau über die Stabsstelle Prävention das Netzwerk enger und sorgen so neben der hervorragenden Arbeit des Jugendamtes und des Eigenbetrieb‹ Kindertageseinrichtung auch mit Projekten des Präventionsrates dafür, dass die Bevölkerung sensibel für die Bedürfnisse unserer jüngsten Mitbürgerinnen und Mitbürger gemacht wird.“

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