Geschäftsführer der Modekette Bailly Diehl im Rhein-Main-Gebiet

Michael Bailly im Interview: „Frühe Rabatte sind total falsch“

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Michael Bailly leitet die Modekette Bailly Diehl.

Hanau - Modegeschäfte in Deutschland leiden unter dem Onlinehandel und dem nachlassenden Interesse von Kunden. Die Umsätze sinken. Deshalb setzen viele schon vor den einstigen Schlussverkaufszeiten auf Rabattaktionen.

Diese Strategie kritisiert Michael Bailly im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn. Der Geschäftsführer der Kette Bailly Diehl unterhält 14 Geschäfte im Rhein-Main-Gebiet.
Im Modehandel wird bereits jetzt mit drastischen Preisreduzierungen von 70 Prozent gegen sinkende Umsätze gekämpft. Eine richtige Idee?
Wir bedauern den frühen Zeitpunkt der Reduzierungsphase in einer Saison. Dies ist total falsch. Begründet ist der frühe Zeitpunkt des Sales’ weitgehend darin, dass große Häuser und Ketten – aber auch teilweise wir – in den vergangenen Jahren zu viel Ware auf den Markt gebracht haben. Dies ist von den Beteiligten erkannt worden und man versucht, mit weniger Ware auf die Flächen zu gehen.

Warum sind die Umsätze in der Branche gefallen?

Das ist der Markt. Aber es gibt zum Glück auch anderes zu berichten. So haben wir 2,5 Prozent Umsatzplus zum Vorjahr und 2 Prozent mehr Ware in unseren Geschäften verkauft.

Der stationäre Handel klagt über das Wetter. Wie sieht Ihre Strategie aus?

Das ist richtig. Das Wetter spielt für unsere Branche eine gewisse Rolle. Aber wir haben das total ausgeklinkt. Entscheidend sind andere Faktoren. So haben wir die Devise ausgegeben „Begrüßungskultur – Beratungskultur – Verabschiedungskultur“. Der Kunde muss sich bei uns wohlfühlen, dies ist neben unserem Sortiment ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal. Nur so kann jeder Händler tatsächlich erfolgreich sein.

Die Modehändler kritisieren auch die Situation in den Innenstädten.

Die Innenstadtproblematik ist ein Thema, das seit Jahren anhält. Dies hat nichts, aber auch wirklich gar nichts, mit der Online-Thematik zu tun, sondern mit einer reizvollen, innovativen Gestaltung des städtischen Raums für Besucher und Konsumenten. Mittlerweile können Mittelständler die guten Lagen nicht mehr bezahlen und die Vielfalt dort sinkt deshalb. Hausbesitzer sind vielfach noch resistent und gehen nicht auf die realistische Machbarkeit von Mieten auf mittlere und längere Sicht ein, die für solche Branchen wichtig ist.

Warum wird schon jetzt oft die Herbst- und Winterkollektion angeboten?

Neue Ware wie Blusen, T-Shirts, Hosen und Taschen sind letztendlich zunächst nur frische Waren, die die Kunden wünschen, auch wenn es sich um Herbstware handelt. Schließlich verkaufen wir diese bereits erfolgreich und unsere Stammkunden warten bereits auf neue Eindrücke und Ideen für die persönlichen Outfits.

Die Männermode sprengt 2018 einige Grenzen

Warum boomt der Online-Handel mit Mode in Deutschland ?

Zuwachsraten sind da, das kann man nicht weg diskutieren. Dies hängt aber auch teilweise damit zusammen, dass der Gesamttextilmarkt durch Geschäftsschließungen oder Verlagerungen von Aktivitäten auf andere Vertriebswege – beispielsweise online – profitiert. Dem Fachhandel raten wir, möglichst individuelle und innovative, eigenständige Sortimente aufzubauen und emotional-persönliche Kontakte zu pflegen.

Wie sieht die Zukunft des Modehandels aus?

Der stationäre Einzelhandel stirbt nicht aus. Schließlich brauchen die Bürger eine lebendige Stadt mit diversen Handels- und Gastronomieformaten. Sie ist die Begegnungs- und Kommunikationsstätte einer lebendigen Gesellschaft.

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