Aus Frust mit Glas auf Kind eingeschlagen

Hanau - Nach insgesamt vier Verhandlungstagen sprach die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hanau nun das Urteil: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für den 29-jährigen Angeklagten Daniel W. wegen gefährlicher Körperverletzung. Von Hans-Jürgen Krosse

Dazu muss er noch 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich in eine Therapie begeben, um seine Alkoholprobleme zu lösen.

Damit kam der 29-Jährige am Ende noch gut weg. Denn schließlich lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft zu Beginn des Prozesses noch auf versuchten Totschlag an einem Kind. Wie ausführlich berichtet, warf der Staatsanwalt dem Angeklagten vor, den zur Tatzeit dreijährigen Sohn seiner Ex-Lebensgefährtin mit einem Wasserglas auf den Kopf geschlagen und ihn dabei erheblich verletzt zu haben. Dabei, so hieß es in der am ersten Verhandlungstag verlesenen Anklageschrift, habe Daniel W. auch den Tod des Jungen in Kauf genommen.

Der Bruchköbler bestritt allerdings diesen Vorwurf zunächst vehement und stellte seinerseits das Tatgeschehen als einen unglücklichen Unfall dar. Wenig Licht ins Dunkel brachten auch die Aussagen seiner damaligen Lebensgefährtin, die sich in den polizeilichen Vernehmungen und vor Gericht sehr widersprüchlich geäußert hatte.

Intensive Untersuchung von Blutspuren im Kinderzimmer

Großen Anteil an der Wahrheitsfindung musste deshalb in dem Prozess vor dem Hanauer Landgericht der rechtsmedizinische Sachverständige Dr. Roman Bux leisten. Er wies nach intensiver Untersuchung der Blutspuren in dem Kinderzimmer nach, dass die Unfallversion des Angeklagten eher unwahrscheinlich ist. Vielmehr ging der Gutachter davon aus, dass der Junge in seinem Bett lag und der Angeklagte absichtlich mit dem Glas gegen den Kopf des Dreijährigen geschlagen hatte. Daniel W. hatte hingegen beteuert, er sei in jener Nacht im Kinderzimmer im Dunkeln mit dem Glas in der Hand über einen Stuhl gestolpert und im Fallen hätte er das Kind an der Stirn getroffen. Der Sachverständige führte allerdings aus, dass die Wunde des Kindes und die Blutspuren hinter dem Kinderbett gegen die Version des Angeklagten sprächen. Diese Einschätzung, die Dr. Bux auch mit Fotos vom Tatort und des Kindes untermauerte, veranlassten den Angeklagten dann endlich doch dazu, ein Geständnis abzulegen.

Daniel W. berichtete schließlich, dass er in jener Nacht gefrustet war und deshalb stark getrunken hatte. Das permanent Schreien des Jungen sei ihm schließlich auf die Nerven gegangen. Deshalb wollte er ihn irgendwie zur Ruhe bringen und schlug ihm das Glas gegen den Kopf. Als er dann sah, dass der Junge mächtig blutete, versuchte er das Blut zu stillen. Erst später wurde der Notarzt gerufen. Staatsanwalt Mathias Pleuser hielt nach dem Geständnis des Angeklagten den Vorwurf des versuchten Totschlags nicht mehr aufrecht, sondern forderte eine Bestrafung wegen gefährlicher Körperverletzung. Dem folgte das Gericht mit dem Urteil von zwei Jahren Haft auf Bewährung und den genannten Auflagen.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare