Gänsewein für Boris und Steffi

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Boris macht reichlich Wind, um Steffi zu imponieren: Zwei der seltenen Leinegänse haben ein neues Zuhause im Klein-Auheimer Wildpark gefunden.

Klein-Auheim ‐ Sie haben leuchtend orangefarbene Füße und Schnäbel sowie ein Schwanen weißes Gefieder und hören auf die Namen Steffi und Boris. Mit Tennis haben sie allerdings nichts am Flügel, denn Gänse sind eher Wassersportler. Von Holger Hackendahl

Die Exemplare, von denen hier die Rede ist, sind so selten, wie die Siege deutscher Tenniscracks auf internationalem Parkett. Von der alten Haustierrasse der Leinegans gibt es weltweit nur noch 90 Paare. Zwei der seltenen Langhälse haben vor kurzem ihr neues Zuhause im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Klein-Auheim bezogen. Man kann besagtes „Tennisgans-Duo“ am neuen Streichelgehege des Haustiergartens der „Alten Fasanerie“ beobachten, wo sich Boris und Steffi neben Ziegen, Schafen und Schweinen tummeln.

„Die Leinegänse gehören zu den alten Haustierrassen, die vom Aussterben bedroht sind“, sagt Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel. Die Leinegans, die nach dem norddeutschen Fluss „Leine“ benannt ist, ist eine ausgesprochene Weidegans. Sie ist robust und kommt auch zur Winterszeit im Freien gut klar.

Boris und Steffi, die im Klein-Auheimer Haustier-Areal durch einen Holzzaun von den Besuchern getrennt sind, machen aber immer wieder durch Geschnatter und Effekt heischendes Flügelschlagen auf sich aufmerksam. „Der Mensch ist vor 4000 Jahren quasi auf die Gans gekommen und hat sie als Haustier entdeckt“, erklärt Biologin Dr. Ebel. Schon auf alten Wandmalereien aus Ägypten sind Hausgänse abgebildet.

Ein Stück Wiese und ihre Familie

„Gänse brauchen nicht viel um glücklich zu sein“, weiß Dr. Ebel: „Ein Stück Wiese, ihre Familie, etwas menschliche Zuwendung und viel frisches Wasser, den so genannten Gänsewein.“ Das Element Wasser spielt bei den Gänsen seit jeher eine wichtige Rolle. An den Uferzonen der Flüsse weiden sie in freier Natur die Wiesen ab. „Die Leinegans wurde bis in die 60-er Jahre in großen Beständen vom südlichen Niedersachsen bis nördlich von Hannover gehalten“, so die Biologin. 1993 gab es allerdings weltweit nur noch sechs für das Zuchtbuch geeignete Tiere. Derzeit sind es wieder 180.

Die Klein-Auheimer Federvieh-Raritäten stammen übrigens tatsächlich von der Leine. Vor wenigen Wochen wurden sie in Ahlfeld abgeholt.

Dr. Marion Ebel geht davon aus, dass Steffi und Boris nicht lange alleine bleiben und hofft auf reichlich Nachwuchs im neuen Jahr. Die „Gössel“, so wird der Gans-Nachwuchs genannt, schlüpfen normalerweise im Mai. Wie die Gössel von Boris und Steffi heißen sollen, ist indes noch nicht bekannt.

Der Haustiergarten im Wildpark, wo mit Thüringer Waldziegen, Bentheimer Landschweinen, Rhönschafen und Skudden weitere bedrohte Haustierrassen gehalten werden, soll bald auch noch um eine alte Hühnerrasse ergänzt werden.

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