Garten voller Symbolik für Trauernde

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Vielfältige Symbolik umgibt den Besucher des „kleinen Paradiesgartens“, den Pfarrer Werner Gutheil am „Zentrum für Trauernde“ gestaltet hat und der künftig unter anderem für Gruppentreffen genutzt werden kann.

Hanau - Es ist ein Ort voller Symbolik: Dort, zwischen den Pflanzen, ein kleines orangefarbenes Fahrrad und ein zerbrochenes Kinderstühlchen mit einem bunten Ball, hier ein roter Stuhl in Mitten von Porzellanscherben. Von Dirk Iding

Der eigentlich quadratische Tisch auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Gärtchens hat eine kreisrunde Abstellfläche und von dort fällt der Blick auf das ungewöhnliche Bild mit dem tiefschwarzen Hut. „In seinem früheren Leben“ hat Werner Gutheil einmal das Gärtnerhandwerk erlernt. Heute ist er Pfarrer und Diözesanseelsorger für Trauernde im Bistum Fulda.

Beides hat der frühere Seelsorger am Klinikum Hanau nun vereint, indem er am „Zentrum für Trauernde“ in der Rhönstraße einen „kleinen Paradiesgarten“ geschaffen hat, der fortan für die konkrete Trauerarbeit mitgenutzt werden kann. Dankbar ist Pfarrer Gutheil in diesem Zusammenhang der Hausverwaltung Janka, in deren Immobilie das „Zentrum für Trauernde“ seit Oktober 2010 untergebracht ist und die es nun auch ermöglicht hat, dass ein bestehendes Gärtchen in die Angebote des Zentrums eingebunden werden kann.

Mit Hilfe einiger Sponsoren, die Mobilar oder wie das Neunhasslauer Gartencenter „Heß Garten“ Pflanzen für die Gestaltung zur Verfügung stellten, konnte Gutheil in den vergangenen Wochen das kleine Areal inspirierend gestalten. Es kann nun unter anderem für die Treffen der unter dem Dach des „Zentrums für Trauernde“ organisierten Gruppen dienen. Aber auch den übrigen Hausbewohnern stehe das Gärtchen außerhalb der Gruppentreffen offen, sagt Gutheil.

Das „Zentrum für Trauerde“ in der Rhönstraße 8 ist ein Ort für Menschen, die nach einem schweren Verlust „wieder zurück ins Leben finden wollen“. Dabei soll das Gespräch mit anderen Betroffenen ebenso helfen wie verschiedene Angebote professioneller Trauerarbeit.

Dass man nicht nur um tote, sondern auch um noch lebende Menschen trauern kann, zeigt die neue Gesprächsgruppe „Verlassene Eltern“, die sich seit Februar an jedem dritten Dienstag im Monat im „Zentrum für Trauernde“ trifft. Dabei handelt es sich um Eltern, deren Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen jeden Kontakt mit ihnen abgebrochen haben und die auch nicht bereit sind, diesen Kontakt wieder aufleben zu lassen. „Auch diese Eltern trauern“, weiß Pfarrer Gutheil aus vielen Gesprächen. Und sie müssen mit den verschiedenen Gefühlen fertig werden. Etwa mit dem Gefühl, als Eltern versagt zu haben. Und mit der Wut - mit der Wut auf sich selbst und auf ihre Kinder. Pfarrer Gutheil: „Viele dieser verlassenen Eltern plagen sich mit Gewissensbissen und werden oft sogar krank darüber, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern aufbauen können.“

Die Gründe, warum Kinder so rigoros den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, sind vielfältig, meint Pfarrer Gutheil. Häufig stellten erwachsen werdende Kinder alles Gewesene total in Frage, insbesondere ihre Eltern, „und dann bricht das Gespräch irgendwann total ab“. Manche Eltern hätten schon seit Jahren nichts mehr von ihren Kindern gehört und wüssten noch nicht einmal, wo ihre Kinder heute leben. Diese Kinder haben gewissermaßen die familiäre Nabelschnur durchtrennt.

Dass man mit diesen Sorgen nicht alleine ist und erfährt, dass es anderen Eltern durchaus ähnlich geht, ist ein Anliegen der Selbsthilfegruppe „Verlassene Eltern“, die sich seit einigen Monaten regelmäßig tritt. Die Gruppe steht für jedermann offen. Kontakt über Pfarrer Werner Gutheil und das „Zentrum für Trauernde“ unter Telefon 06181/740174.

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