Geänderte Friedhofssatzung

Erste Bestattung ohne Sarg

Auf dem Hanauer Hauptfriedhof können Muslime ihre Angehörigen künftig auch ohne Sarg bestatten.
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Auf dem Hanauer Hauptfriedhof können Muslime ihre Angehörigen künftig auch ohne Sarg bestatten.

Hanau - Ali Yilmaz ist der erste Verstorbene, der auf dem Hanauer Hauptfriedhof im muslimischen Gräberfeld ohne Sarg beigesetzt worden ist. Gestern nahmen Angehörige, Verwandte, Freunde und Bekannte Abschied von dem Senior, der lange Jahre in Hanau gelebt und gearbeitet hat. Von Dieter Kögel

Wo der Verstorbene gelebt und gearbeitet hat, dort solle er auch bestattet werden, heißt es bei den Muslimen. Doch da Bestattungen ohne Sarg nach islamischem Brauch hierzulande bislang nicht möglich waren, sind über 90 Prozent der Muslime in ihr Heimatland überführt und dort beigesetzt worden. Die Änderung der Hessischen Friedhofssatzung, die seit März auch die sarglose Bestattung zulässt und die in Hanau schnell umgesetzt wurde, erlaubt nun aber auch hier die Bestattung nach muslimischer Sitte.

Zur ersten sarglosen Bestattung hatte der Muslimische Arbeitskreis Hanau im Einverständnis mit den Angehörigen des Verstorbenen auch Vertreter der örtlichen Medien zur Berichterstattung eingeladen. Damit erhofft man sich in Reihen der Muslime den Abbau von Vorurteilen gegenüber dieser Bestattungsform.

Angehörige steigen hinab

Ein Gräberfeld für verstorbene Muslime gibt es auf dem Hauptfriedhof zwar schon über ein Jahrzehnt lang. Doch wurden die dort Beerdigten bislang in einem Sarg zur letzten Ruhe gebettet. Zunächst in einem Sarg hat gestern auch Ali Yilmaz seine letzte Reise angetreten. Bis zum Gräberfeld, wo der Imam vor über 60 Trauergästen das Totengebet sprach und die Anwesenden nach alter Sitte unter anderem dazu aufforderte, eventuelle Geldforderungen gegenüber dem Verstorbenen geltend zu machen. Die Hinterbliebenen hätten diese Forderungen zu begleichen, damit der Verstorbene ohne Schulden vor seinen Herren treten kann.

Es meldete sich niemand, und die Angehörigen nahmen den Sarg von dem kleinen Transportwagen und trugen ihn auf Schultern zum vorbereiteten Grab. Dort wurde der Sarg geöffnet, der in weißes Leinentuch gehüllte Leichnam herausgehoben und in die Grabgrube abgelassen. Angehörige, die mit Hilfe einer Leiter hinabgestiegen waren, nahmen den Verstorbenen in Empfang und betteten ihn den muslimischen Bestimmungen entsprechend in der letzten Ruhestätte. Dann wurde der Leichnam mit schräg gegen die Grabwand gelehnten Brettern geschützt, bevor die Angehörigen zu dem Gebet des Imam die Grabstätte mit Erde schlossen.

Dass die Bestattung ohne Sarg jetzt in Hanau möglich ist, bewertet Behlül Yilmaz, Vorsitzender des muslimischen Arbeitskreises Hanau, als „ein positives Zeichen.“ Der Arbeitskreis hatte sich im Vorfeld für die Neuregelung stark gemacht und im Dialog mit der Stadt die jetzt mögliche Begräbnispraxis eingeleitet. „Die Muslime in diesem Land haben sich mit der neuen Heimat identifiziert und engagieren sich gesellschaftlich,“ hob der Arbeitskreisvorsitzende hervor. „So ist die Einräumung des Rechts auf sarglose Bestattung der sehr guten Zusammenarbeit zwischen dem Stadtparlament und der Friedhofsverwaltung mit den muslimischen Verbänden zu verdanken.“

Bestattung auf Britisch

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