TAG DES EHRENAMTS

Gegenseitige Unterstützung: Die Nachbarschaftshilfe Mittelbuchen

Mittelbuchen – „Das Ehrenamt ist eine wichtige Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Über das freiwillige Engagement wird vieles aufgefangen. Würde man das monetär berechnen, es wäre unbezahlbar.“ Caroline Geier-Roth, die Vorsitzende der Nachbarschaftsinitiative Mittelbuchen (NaMi) und Ortsvorsteherin des Stadtteils, hat eine gute Kenntnis darüber, was Ehrenamtliche im Stadtteil leisten. „Die Nachbarschaftshilfe funktioniert hier sehr gut“, so Geier-Roth während des Videogesprächs.

Aber so wie sich das Leben mit Macht verändert habe, werde sich auch das Ehrenamt verändern, ist sich Geier-Roth sicher. Beispielsweise haben „hybride Lösungen“ – das heißt, eine kleine Gruppe trifft sich zu einer Besprechung, andere schalten sich per Videokonferenz zu – auch in der ehrenamtlichen Arbeit durchaus Vorteile. Damit ältere Menschen, die zum überwiegenden Anteil die Nachbarschaftsinitiative tragen, von dieser Entwicklung nicht abgekoppelt werden, soll es ab Januar Schulungen für die Mitglieder geben.

„Wir haben sehr viele rüstige Senioren, die körperlich und geistig fit sind.“ Caroline Geier-Roth hat sich deshalb für die Nachbarschaftsinitiative Mittelbuchen erfolgreich beim Hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung mit dem Projekt „Digitalisierung für ältere Menschen“ beworben und eine Zusage für Fördergelder in Höhe von 5200 Euro erhalten. Mit dem Förderprogramm „Ehrenamt digitalisiert!“ werden laut Landesministerium Digitalisierungsvorhaben innerhalb von gemeinnützigen Vereinen, de-ren hessischen Dachverbänden sowie gemeinnützigen juristischen Personen des Privatrechts unterstützt.

Mithilfe der Förderung und eines Eigenanteils von circa 800 Euro kauft die Nachbarschaftsinitiative Mittelbuchen derzeit Tablets und weiteres Equipment. „Unser Ziel ist es, unsere Mitglieder an die zunehmende Digitalisierung des Alltagslebens heranzuführen und damit zu verhindern, dass diese sukzessive "abgehängt" werden“, so Geier-Roth. Neben Kursen und Einzelschulungen kann sich die Vorsitzende auch vorstellen, Tablets unter beistimmten Rahmenbedingungen auszuleihen, damit die Senioren die Funktionen in Ruhe kennenlernen und ausprobieren können. „Vielleicht zeigen auch die Enkel der Oma, wie’s geht.“ Mit der Familie über Video Kontakt halten oder unabhängig von den Öffnungszeiten von Filialen mit Online-Banking Überweisungen zu tätigen, wäre zeitgemäß.

Direkte Kontakte über konventionelle Kursangebote oder Treffen sowie die Büro Zeiten sind bis auf Weiteres drastisch eingeschränkt. Da auch die städtische Verwaltungsstelle geschlossen hat, liegen im Büro der NaMi beispielsweise die Abfallkalender. „Auf Wunsch drucken wir die Termine zur Leerung der Tonnen auch straßenweise aus“, sagt Geier-Roth.

Das gute Miteinander der Nachbarschaften beschränke sich im Augenblick auf Hilfe beim Einkaufen, viele Telefonate oder Gespräche über den Gartenzaun. Bevor Covid-19 das ehrenamtliche Engagement deutlich einschränkte, leisteten die etwa 230 Mitglieder der Nachbarschaftsinitiative Mittelbuchen über 1000 freiwillige Stunden. Die Vielfalt an Kursen, Aktivitäten und Unterstützung im Alltag war groß, die geknüpften Kontakte vielfältig.

Bei allen digitalen Möglichkeiten tut es der Vorsitzen-den doch weh, dass die offenen Kaffeerunden nicht stattgefunden haben. Selbst der Adventsnachmittag fällt dieses Jahr aus.

„Ich hoffe sehr, dass die älteren Menschen sich durch die Impfung wieder sicher fühlen können“, so Geier-Roth. „Und dass wir wieder etwas mehr zur konventionellen Arbeit zurückkehren können, zu lustigen Kaffeerunden mit traumhaften Kuchen, zum Gedächtnistraining und weiteren Angeboten, zu gemeinsamen Ausflügen und einem nachbarschaftlichen Miteinander mit unmittelbaren Kontakten.“

Von Ulrike Pongratz

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