Kein Weihnachtsmarkt, keine Suppe

„Gemeinsam für Hanau“ in der Zwangspause: Serviceclubs gehen an die Reserven

Die Hütte der Hanauer Service Clubs auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt war jedes Jahr gut frequentiert. Dieses Jahr kann kein Verkauf stattfinden. Deswegen spenden die Clubs einen Teil ihrer Rücklagen an die AG Hospiz.  
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Die Hütte der Hanauer Service Clubs auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt war jedes Jahr gut frequentiert. Dieses Jahr kann kein Verkauf stattfinden. Deswegen spenden die Clubs einen Teil ihrer Rücklagen an die AG Hospiz.

„Früher haben wir alle unser eigenes Süppchen gekocht“, sagt Stefanie Keilig. Doch dann entstand die Idee, als Serviceclubs etwas gemeinsam zu machen. Suppe für den guten Zweck verkaufen, zum Beispiel. Aus der Idee wurde mit dem alljährlichen Stand auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt Realität.

Die beachtliche Summe von insgesamt 208 500 Euro haben 14 Clubs aus der Region seit 2012 mit ihrem gemeinsamen Stand gesammelt und für soziale Projekte gespendet. Alljährlich verkauften Mitglieder verschiedener Clubs – von Lions über Rotary bis hin zu Zonta – jeden Tag eine andere Suppe, gestiftet von Gastronomen.

30 bis 40 Liter am Tag gingen im Schnitt über den Tresen. Dazu brachten sie selbst gemachten „Glögg“ (im vergangenen Jahr insgesamt 800 Liter) und Kinderpunsch unter die Leute. Doch dieses Jahr wird aus der lauschigen Aktion leider nichts. Corona zwingt bekanntlich den Weihnachtsmarkt in die Knie, und somit auch das Herzensprojekt namens „Gemeinsam für Hanau“.

Serviceclubs wollen Teil der Rücklagen spenden

Darüber sind Stefanie Keilig und Peter Berger aus dem damals für das übergreifende Projekt gegründeten Arbeitskreis der Serviceclubs betrübt. Aber man habe sich eine Alternative überlegt, berichten sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen einen Teil unserer Rücklagen spenden“, erklären die einstigen Präsidenten von Hanauer Lions Clubs. Wie hoch die Summe insgesamt ausfallen werde, stünde noch nicht fest.

Allerdings wird sich die Arbeitsgemeinschaft Hospiz (AGH), der diesjährige Empfänger, sicher über eine vierstellige Summe freuen können, so viel sei schon klar. Die AGH sei wie viele auf Spenden angewiesen, wie auch in einem kürzlich im HA erschienenen Bericht über die Arbeit im ablaufenden Jahr zu lesen gewesen sei. Man hoffe auch auf viele Spenden aus der Bevölkerung, erklären Berger und Keilig, die auf das Sammelkonto verweisen.

Schließlich fällt in diesem Jahr auch die Möglichkeit weg, auf dem Weihnachtsmarkt zusätzlich zu den eingenommenen Verkaufserlösen Spenden zu sammeln. Außerdem habe man einige feste Sponsoren, die man noch ansprechen werde, kündigen die beiden Lions-Mitglieder an.

Zusammenarbeit bundesweit einmalig

Peter Berger war einer der Initiatoren der Aktion, die durchaus als außergewöhnlich bezeichnet werden darf. Laut Berger ist sie bundesweit einmalig. „Normalerweise arbeitet jeder Club für sich. Wir befinden uns in einer Art Wettbewerb“, gibt der Hanauer Zahntechnik-Unternehmer zu. Damals sei die Idee entstanden, alle Clubs an einen Tisch zu holen und etwas gemeinsam zu machen. Ein Arbeitskreis wurde gegründet, heraus kam die Idee eines Weihnachtsmarkt-Standes, die heute als großer Erfolg gilt.

Nicht nur für die Empfänger der Spenden war und ist die Aktion bereichernd, auch für die Clubs selbst. Rund 200 Mitglieder verrichteten jedes Jahr von morgens bis abends Dienst an dem Stand. „Dabei sind auch neue Freundschaften entstanden“, betont die Frauenärztin Keilig, die Mitte 2019 ihre Praxis an eine Nachfolgerin übergeben hat. Sie werde die Adventszeit ohne Stand zum Durchschnaufen nutzen, sagt sie und schmunzelt.

Stand auf Weihnachtsmarkt hat treue Stammkundschaft

Das logistisch herausfordernde Projekt habe stets viel Zeit in Anspruch genommen, auch wenn das Gewürzbeutelpacken für den „Glögg“ eine lieb gewonnene Tradition geworden sei. „Mir fehlt das schon“, fügt Peter Berger hinzu. Das Projekt sei ja sein Baby. „Ich war jedes Jahr fast jeden Tag am Stand. Und wenn ich nur danach geschaut habe, ob die Verkaufsschilder gerade hängen“, sagt er und lacht. Beide sind sich einig, dass stets eine tolle Atmosphäre am Stand geherrscht habe. Das habe auch die treue Stammkundschaft goutiert.

Beide Organisatoren nutzen die Gelegenheit, um allen Unterstützern der Aktion Danke zu sagen, insbesondere den Gastronomen und Gewerbetreibenden für die Spenden von Suppen und Material. Man danke ebenso den zahlreichen Geldspendern, der Stadt Hanau, die „Gemeinsam für Hanau“ kostenlos die Hütte zur Verfügung stellte, dem Schirmherr OB Claus Kaminsky, den Hanauer Stadtwerken für kostenlosen Strom sowie den vielen Gästen vor und den helfenden Händen hinter dem Stand.

Hoffen auf Weihnachtsmarkt im Jahr 2021

Im Aktionskreis richtet man nun bereits den Blick aufs kommende Jahr. „Wir gehen davon aus, dass der Weihnachtsmarkt 2021 stattfinden kann“, meinen Keilig und Berger. Deswegen werde man bereits ab Februar mit den Planungen beginnen. Die Koordination zwischen den Clubs erfordere viel Zeit,

Weitere gemeinsame Aktionen der Clubs abseits des Weihnachtsmarkt-Standes seien derzeit nicht geplant. „Die Clubs tun jeder für sich sehr viel. ‘Gemeinsam für Hanau’ kommt on top“, betonen die beiden Lions-Mitglieder. Die Individualität der Clubs solle auch in Zukunft beibehalten werden.

Spenden für AG Hospiz

Der diesjährige Empfänger der Aktion „Gemeinsam für Hanau“ ist die Arbeitsgemeinschaft Hospiz. Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden: Rotary Förderkreis Hanau e.V., VR Bank Main-Kinzig-Büdingen eG, IBAN DE72 5066 1639 0002 3183 34.

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