Neues Baugebiet nimmt weitere Hürde

Gemütslage der seltenen Kreuzkröte

Freut sich auf ihre Umsiedlung? Die seltene Kreuzkröte.

Großauheim - Bevor die neuen Bewohner kommen, müssen die alten wieder dorthin zurück, wo sie herkamen. Von Dirk Iding 

Weil die seltene Kreuzkröte und die Zauneidechse aus dem nahen FFH-Gebiet „Campo Pond“ auf das als Bauland vorgesehene ehemalige Sportgelände der früheren US-Truppen eingewandert sind, müssen sie zunächst wieder umgesiedelt werden, ehe die Bagger anrollen können.

Am Montagabend hat das Neubaugebiet „In den Argonnerwiesen“ in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung eine weitere Hürde genommen. Mit großer Mehrheit stimmte das Parlament der erneuten Offenlage des leicht modifizierten Bebauungsplans Nr. 920 für das Neubaugebiet zu, das auf dem frühen Sportgelände der US-Amerikaner zwischen dem Großauheimer Baugebiet Waldwiese und dem Wolfgänger „Argonnerpark“ entstehen soll. Lediglich die Alternative Linke Fraktion (ALF) lehnt aus Naturschutzgründen das Vorhaben ab. Die Grünen haben ebenfalls Bedenken, enthielten sich aber der Stimme.

„In den Argonnerwiesen“ sollen, wie berichtet, 150 Wohneinheiten überwiegend in Einzelhaus- und Doppelhaus-Bebauung entstehen - und das hinter einem sieben Meter hohen Lärmschutzwall in Richtung der nahen „Kohlebahn“.

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Eine Verschärfung der Lärmschutzmaßnahmen ist auch Inhalt des geänderten Bebauungsplans, der deshalb nun erneut offengelegt werden muss. Die Stadt reagierte damit auf Hinweise der Bahn AG, die grundsätzlich aber keine Bedenken gegen die Planungen habe, wie OB Claus Kaminsky (SPD) betonte. Er verwahrte sich gegen den in einer E-Mail an Magistrat und Stadtverordnete erhobenen Vorwurf des Fahrgastverbandes Pro Bahn, das Neubauprojekt sei zwischen Stadt und Bahn „am Telefon ausgekungelt“ worden. Pro Bahn befürchtet offenbar, dass das Neubaugebiet einem Ausbau der „Kohlebahn“ als mögliche Umgehungsstrecke für Großauheim im Wege stehen könnte. Dass die seit rund 50 Jahren ventilierten Pläne je realisiert werden, daran glaubt aber niemand in der Stadtverordnetenversammlung. CDU-Stadtverordneter Christopfer Göbel: „Es wäre nicht glaubwürdig, diesem Gespenst weiter hinterherzulaufen. Dazu ist diese Fläche viel zu wertvoll.“

Aus Sicht der ALF ist das Gebiet aber vor allem ökologisch wertvoll. Stadtverordnete Christa Martin nannte es „unerträglich, dass in Hanau erneut Tiere für ein Neubaugebiet getötet werden könnten“. Worauf sich der SPD-Stadtverordnete Thomas Straub in die Gemütslage der Kreuzkröte hineinversetzte: „Keine Kröte wird getötet. Sie werden friedlich umgesiedelt und sie freuen sich schon darauf...“

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