Rettung mit dem Klein-Bagger

GNA gestaltet Uferböschungen an der unteren Kinzig Eisvogel-freundlich um

+
Der Eisvogel ist streng geschützt.

Zur Rettung des Eisvogels an der Kinzig hat die Gesellschaft für Natur und Auenentwicklung (GNA) ein großes Artenschutzprojekt gestartet. Das kann fortgesetzt werden - auch Dank einer ansehnlichen Förderung seitens der Frankfurter Fraport AG.

Main-Kinzig-Kreis – Eisvögel sind das Symbol für naturnahe Gewässer. in deren steilen Ufern bauen sie ihre Brutröhren. Ein langsam fließender Bach oder Fluss mit reichem Fischbestand und guten Sichtverhältnissen ist ihr bevorzugter Lebensraum. Denn als sogenannte Stoßtaucher ernähren sich Eisvögel hauptsächlich von Fischen, aber auch von Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebsen und Kaulquappen.

„Auch wenn ab und zu ein bunt schillernder Eisvogel an der unteren Kinzig gesichtet wird: Unsere Untersuchungen zeigen, dass nur wenige Uferwände den hohen Ansprüchen der streng nach EU-Recht geschützten Vögel genügen,“ erläutert Susanne Hufmann, Biologin und Vorsitzende der GNA. An der Kinzig befänden sich die Brutplätze vor allem am Oberlauf bei Schlüchtern. Im Unterlauf der Kinzig würden hingegen schon seit einigen Jahren nur noch ganz selten Brutpaare beobachtet.

Dies wurde auch durch eine Kartierung der GNA 2016 bestätigt, denn entlang der untersuchten Strecke zwischen Gelnhausen und Erlensee konnten nur zwei aktive Brutplätze entdeckt werden, einer davon im Wurzelteller eines Baumes. Allerdings gab es auch Uferwände, die verwaiste Brutröhren aufwiesen. Insgesamt kartierte die GNA 113 Steilwände. Anhand von 592 Fotos und der erhobenen GPS-Koordinaten wählten die Naturschützer 35 Steilwände für die geplanten Optimierungsmaßnahmen aus.

„Als Erdhöhlenbrüter graben Eisvögel mit dem Schnabel eine etwa 80 Zentimeter lange, leicht ansteigende Höhle in die senkrechte Uferböschung, an deren Ende ein erweiterter Nestkessel liegt,“ erklärt Hufmann. Daher müssen zum Brüten geeignete Uferböschungen besonders gestaltet sein.

Eine erste Wiederherstellung von potenziellen Brutwänden fand im Januar an der Kinzig im Langenselbolder Auenwald Hochholz statt. Zuvor mussten dafür umfangreiche Genehmigungen eingeholt werden. „Ein Aufwand, der sich aber gelohnt hat“, meint Hufmann.

Mit einem Klein-Bagger modellieren Naturschützer der GNA mehrere Uferböschungen an der unteren Kinzig eisvogel-freundlich.

Der „Machbarkeitstest“ erwies sich als erfolgreich, sodass schon im Februar sieben weitere Brutwände optimiert wurden. Dazu werden zunächst die Böschungskanten mit einem Spaten abgestochen. Dann kommt ein spezieller Kleinbagger zum Einsatz, der die Wände begradigt und Lehmvorsprünge abbricht, die Räubern wie Waschbär und Marder als Aufstiegshilfen dienen könnten. Der kleine Bagger ist besonders für enge Platzverhältnisse geeignet und hat nur ein geringes Eigengewicht, sodass Flurschäden im Waldboden oder auf Wiesenflächen weitgehend vermieden werden.

Zum Schluss kommt ein Erdbohrer zum Einsatz, der gleich mehrere Brutröhren für den Eisvogel „vorbohrt“. Ob die neuen Röhren vom Eisvogel angenommen wurden, überprüft die GNA in diesen Tagen.

„Dieser Aufwand ist nicht ganz billig. Deshalb sind wir sehr froh, dass unser Projekt auch 2019 wieder aus dem Umweltfonds der Fraport AG gefördert wird“, freut sich Susanne Hufmann. Mit den Fördergeldern aus dem Umweltfonds unterstützt der Flughafenbetreiber den Regionalpark RheinMain, Forschungsprojekte und umweltpädagogische Maßnahmen sowie Natur- und Umweltschutzprogramme in der Region. Seit 1997 wurden rund 1100 Einzelmaßnahmen mit einer Gesamtsumme von mehr als 38 Millionen Euro bezuschusst.  did

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare