„Gib Gummi, Herr Dunlop“: Historische Rennen, historische Reifen – Eine Fahrgemeinschaft feiert Jubiläum

Schnittig beim historischen Autorennen wie dieser Porsche-Oldtimer sind die Boliden nur mit den richtigen Reifen.
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Schnittig beim historischen Autorennen wie dieser Porsche-Oldtimer sind die Boliden nur mit den richtigen Reifen.

Hanau – „Gib Gummi!“ Diese Aufforderung ist kein verkorkster Spendenaufruf, sondern ein Startbefehl für alle möglichen Formen von Rennen. Spätestens als Räder über die Wege holperten, wollte der Mensch mit dem runden Ding, das die Fortbewegung erleichterte, es auch wissen: Bin ich schneller oder ist es mein Nachbar, weil er das rundere Rad hat? Mit Erfindung des Automobils war dann das Autorennen geboren. Was aber ganz wesentlich über die Frage „Sieg oder Niederlage?“ entscheidet, ist – wie das Eisen auf dem (Pferde-)Huf, der Schuh um den Fuß – der Gummi um das Rad: der Reifen.

Und der wurde spätestens, als es nicht mehr nur um Minuten und Sekunden, sondern um Zehntel- und Hundertstelsekunden bei diesen Motorsportrennen ging, zur Wissenschaft und zum sprichwörtlichen Zünglein an der Waage für den Ausgang des Wettkampfs.

Untrennbar verbunden mit dem Begriff „Reifen“ ist der Name eines irischen Fahrradfabrikanten: John Boyd Dunlop. Der meldete im Jahr 1888 das weltweit erste Patent für einen Fahrradluftreifen an und gründete ein Jahr später die erste Dunlop-Fabrik überhaupt. Der Ire war nicht nur ein genialer Erfinder, sondern auch ein rühriger Unternehmer. Nach vier Jahren, nämlich 1893, expandierte Dunlop von der Insel auf den Kontinent und ließ zusammen mit dem Frankfurter Fahrradfabrikanten Heinrich Kleyer die erste Auslandsniederlassung der Dunlop Pneumatic Tire Co. GmbH bauen – in Hanau.

Das Unternehmen hat noch heute einen Sitz in der Brüder-Grimm-Stadt, der Konzern ist inzwischen zu einem der größten Reifenhersteller weltweit avanciert, mit Niederlassungen auf dem gesamten Globus und als Joint Venture japanischer und US-Firmen (Sumitomo und Goodyear). Noch heute glänzen auch die Augen so mancher Zeitgenossen, wenn sie Rennboliden auf der Piste oder im Motodrom sehen. Und gerade historische Rennfahrzeuge ziehen die Blicke magisch auf sich. Kein Rennen ohne Reifen, aber: Das gilt seit dem ersten Automobilrennen überhaupt, das am 22. Juli 1894 über 126 Kilometer von Paris nach Rouen führte, und an dem laut Anmeldung 102 Fahrzeuge teilnahmen; darunter übrigens 39 mit Dampf- und 38 mit Benzinantrieb, aber immerhin auch fünf Elektroautos.

Fahrer solcher historischer Rennwagen, von vielen ob ihrer Schmuckstücke beneidet, sind zusammengeschlossen in der „Fahrergemeinschaft historischer Rennsport“ (FHR), gegründet 1983 in Haiger. Diese wiederum arbeitet seit 2010 in Deutschland eng zusammen mit der Marke Dunlop, wie aus einer Pressemitteilung der Hanauer Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH hervorgeht.

Dunlop unterstütze nun im zehnten Jahr der Zusammenarbeit als Sponsor und Namenspate die drei Rennserien Dunlop FHR Historischer Endurance Cup (HEC), FHR HTGT (Historische Tourenwagen & Grand Tourisme) um die Dunlop Trophy und die Dunlop A Gentle Drivers Trophy. Entscheidend für den Sieg auf der Strecke und gewissermaßen zuständig für den „guten Ton“ auf Schotter und Asphalt, den Grip in Kurven und beim Umsetzen der PS vom Antriebsstrang auf die Fahrbahn, ist schon immer der richtige Reifen gewesen. Dabei kommt es nicht nur auf die Gummimischung an, aus der die Abrollfläche des Rads besteht, sondern auch auf den Aufbau der Karkasse, also des tragenden Textil- oder Stahlgeflechts, das die Lauffläche des Reifens hält.

„Wir freuen uns über die fast zehn Jahre dauernde Zusammenarbeit in diesem historischen Rennsegment. Erfahrung und Tradition zeichnen die Marke Dunlop aus“, unterstreicht Fabian Schreiber, Director Marketing Consumer EU Central im Konzern. „Seit über 100 Jahren übertragen wir die im Motorsport gesammelten Erfahrungen in innovative Reifentechnologien für den täglichen Gebrauch auf der Straße.“ Dass Rennreifen aber nicht auf die Straße gehören, in den normalen Verkehr, versteht sich fast von selbst. Denn hier sind ganz andere Gummimischungen gefordert. Und auch wenn mancher Zeitgenosse als Möchtegern-Rennfahrer einen „Powerslide“ hinlegt: ein Reifen sollte im Straßenverkehr länger halten als über eine Entfernung von 50, 100 oder 500 Kilometern, also eine Renndistanz. Für historische Renn- und Tourensportwagen, wie es die Gefährte der FHR sind, gelten noch einmal ganz andere Grundsätze. Die FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) verlangt in ihren Reglements nämlich auch Vergleichsmöglichkeiten hinsichtlich der historischen Authentizität. Und hier kommt vor allem ein ganz bestimmter Reifen ins Spiel: der „Dunlop Racing CR 65“. Dieser Pneu ist ein klassischer Rennreifen ohne Straßenzulassung, der älteste Dunlop-Reifen, der noch unverändert bei Rennen gefahren wird. Er zeichne sich durch seinen diagonalen Nylon-Aufbau und ein klassisches Profil aus. Seine Gummimischung entspreche der aus dem Jahr der Markteinführung (1965).

„Sein Gripniveau ist auf die Anforderungen historischer Rennfahrzeuge abgestimmt“, sagt Schreiber. Im sogenannten ‘Anhang K’ des internationalen Motorsportreglements der FIA sei festgelegt, dass alle am Rennen teilnehmenden Fahrzeuge bis Baujahr 1965 mit diesen Reifen fahren müssten, um den historischen Bezug sicherzustellen und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmer zu schaffen.

Ältester Dunlop-Reifen, der noch unverändert bei Rennen gefahren wird, ist der „Dunlop Racing CR 65“, ein klassischer Rennreifen ohne Straßenzulassung.

Und Michael Thier, Sprecher der FHR, weiß: „Unsere Fahrer sind gern mit diesen historischen Reifen auf der Strecke. Sie passen perfekt zu ihren geschichtsträchtigen Fahrzeugen und haben sich seit Jahrzehnten bewährt. Wir freuen uns, die Kooperation mit Dunlop in unserer Gemeinschaft des historischen Motorsports fortzuführen.“

An den Rennserien der FHR partizipieren die verschiedensten Oldtimer: vom Fiat 500 und Mini über BMW 2002 oder Ford Capri bis hin zum Porsche 911, Ferrari und Jaguar E-Type. Die Rennen finden auf Strecken wie dem Nürburg- oder dem Hockenheimring, in Assen (Niederlande), Spa (Belgien) oder Zandvoort (Holland) statt. Das erste Rennen im Jahr 2020 lief – mit Verspätung durch die Corona-Pandemie – am 4. und 5. Juli auf dem Hockenheimring.

Die Rennserien HTGT um die Dunlop Trophy und Dunlop Historic Endurance Cup (HEC) zählen für die Fahrer historischer Rennwagen zur Deutschen Historischen Automobil-Meisterschaft. Mit rund 700 Mitgliedern und rund 300 aktiven Fahrern ist die FHR Europas größter Rennsportverein im historischen Motorsport.

Von Rainer Habermann

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