Glitschige Fracht aus Halstenbek

Steinheimer Fischerzunft setzt Jungaale in den Main aus

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Sonnenaufgang am Altmainarm: Die Mitglieder der Steinheimer Fischerzunft mussten für den jüngsten Aalbesatz schon früh aus den Federn. 

Es ist 6. 45 Uhr, ein strahlender Morgen am Steinheimer Altmain. Die mit sieben Grad erste kühle Nacht seit Monaten ist gerade vorbei, das Wasser des Altmains dampft im Sonnenaufgang. 

Steinheim – Romantischer könnte die Kulisse nicht sein, in der sich sechs Mitglieder der Steinheimer Fischerzunft unter der Hellentalbrücke treffen, um Jungaale in den Main zu setzen.

Fischereimeister Lars Renken von der Aalversandstelle Halstenbek ist gerade mit seinem Transporter eingetroffen – überpünktlich. Tags zuvor war er noch an der Werra und hat dort den Ersten der drei mit wertvoller Fracht befüllten Wassertanks entladen. Mit rund 300 Kilo Jungaalen war Renken aus Deutschlands Norden ins Binnenland gefahren, es ging auf eine 500 Kilometer lange Reise.

10.000 Euro für eine Lieferung

Steinheim ist seine zweite Station. Hier werden rund 120 Kilogramm der glitschigen Fracht entladen. Rund 10 000 Euro kostet die Lieferung. Danach geht es für Renken weiter nach Frankfurt ans Sachsenhäuser Mainufer.

120 Kilogramm Jungaale wurden im Main eingesetzt. Sie kosten rund 10 000 Euro.

Als noch durchsichtige „Glasaale“ waren die Tiere im Herbst 2018 vor Frankreichs und Großbritanniens Küsten abgefischt worden. Beim Fang waren die Glasaale bereits rund drei Jahre alt. So lange dauert es, bis die Babyaale auf ihrer langen Reise von ihrem Geburtsort, der Sargassosee vor den Bermudas, von der Kraft des Golfstroms vor Europas Küsten geschwemmt werden. „In einer dänischen Fischfarm wurden die Babyaale rund ein Jahr lang aufgepäppelt, bevor sie von der deutschen Aalversandstelle Halstenbek auf die Reise zu den Flüssen ins Inland gehen“, erläutert Fischereimeister Lars Renken.

Der Aalbringer: Fischermeister Lars Renken

Kurz bevor der Aaltransporter in Steinheim eintraf, hatten die Mitglieder der Fischerzunft – darunter mit Sandra, der Tochter von Zunftmeister Hermann Adam, auch ein weibliches Zunftmitglieder – Bottiche auf den Fischernachen mit Mainwasser befüllt. Mit einem feinmaschigen Kescher fischt Lars Renken schließlich die Jungaale kiloweise aus den Wassertanks, wiegt sie ab und füllt sie um in die Bottiche auf den Nachen. Eine Viertelstunde später – Fischwirt Renken hatte sich da bereits per Handschlag verabschiedet – besteigen die Mainfischer ihre Nachen, um über den dampfenden Main zu entschwinden.

Jungaale in die Freiheit entlassen

„Alle 50 Meter setzen wir einen Schwung der 15 Zentimeter langen Jungaale in den Main, auch hier in den Altmain“, erläutert Olaf Adam, einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden der Steinheimer Fischerzunft. Gemeinsam mit Sohn Alexander und Felix Adam steuert er Nachen flussabwärts Richtung Schleuse Dietesheim. Zunftmeister Hermann Adam, Tochter Sandra und Bernd Kaiser hingegen fahren flussaufwärts Richtung Krotzenburger Schleuse und entlassen dort Tausende Jungaale in die Freiheit.

Mit dem Nachen auf den Weg in die Freiheit: Flussauf- und flussabwärts wurden die Aale ausgesetzt.

„Früher haben wir hier auch Glasaale besetzt. Das brachte aber nichts, die werden von den Grundeln gefressen. Die Jungaale sind für den Besatz im Main wesentlich besser geeignet, sie sind überlebensfähiger“, weiß Olaf Adam. In den kommenden Jahren werden die circa zehn Gramm leichten Schlangenfische hoffentlich zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. Eine Aufgabe der Aale ist es auch, die im Fluss übermäßig vorkommenden Schwarzmeer-Grundeln zu fressen. Diese kleinwüchsige Fischart hatte sich vor rund 15 Jahren explosionsartig über den Main-Donau-Kanal kommend im Main und allen anderen deutschen Flüssen ausgebreitet. Die Grundel setzt vor allem dem Jungfischbestand heimischer Arten extrem zu.

Nach kurzer Zeit ist der Aalbesatz erledigt. „Im Herbst werden wir dann noch Hecht, Karpfen und Weißfische wie Rotaugen und Rotfedern in den Main einsetzen“, kündigt Hermann Adam, Chef der 594 Jahre alten Steinheimer Fischerzunft, an.

VON HOLGER HACKENDAHL

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