„30 Jahre Erfurter Schmucksymposium“

„Stets ein Stück Freiheit“

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Aus einer Kombination aus Horn und Silberdraht besteht dieser Armreif, der auch Ergebnis eines der Erfurter Schmucksymposien ist.

Hanau - Das Erfurter Schmucksymposium, das im zweijährigen Rhythmus stattfindet und im vergangenen Jahr sein 30. Jubiläum feiern konnte, hat bei den Schmuckgestaltern und Metallbildnern längst internationale Ausstrahlung erlangt. Von Dieter Kögel 

Seit Freitag sind im Silbersaal des Goldschmiedehauses die interessantesten Arbeiten aus den bisher insgesamt 15 Symposien zu sehen. Der Schwerpunkt der Präsentation liegt allerdings auf den Werken der zehn Künstlerinnen und Künstler, die sich im vergangenen Jahr für die 14-tägige gemeinsame Arbeit in Erfurt versammelt hatten.

Ein „bedeutendes Projekt in der zeitgenössischen Schmuckgestaltung“ nannte Hartwig Rohde, Präsident der Gesellschaft für Goldschmiedekunst, das Erfurter Schmucksymposium am Donnerstagabend bei der Ausstellungseröffnung. Und für den Hanauer Kulturbeauftragten Klaus Remer ist das Symposium „eine wichtige Plattform für den Austausch der Avantgarde der Schmuckszene.“

Avantgardistische Schmuckkunst präsentiert das Deutsche Goldschmiedehaus in seiner aktuellen Ausstellung.

Wobei vieles von dem, was in der bis zum 29. April dauernden Ausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus gezeigt wird, zum Teil weit über den Begriff des Schmuckes hinausgeht und schon Objektcharakter annimmt, wie Susanne Knorr, Kuratorin des Schmuckmuseums der Stadt Erfurt, betonte. Und so ist auch die Absage an „die klassische Präsentation“ nur eine logische Folge. Frei im Raum hängen große, farbige und förmlich gestaltete Filze. Sie stellen überdimensionalen Halsschmuck dar. An anderer Stelle wie ein Buch aufgeklappt zwei große weiße Holzbretter, darauf eng angebracht kleine Objekte aus Silbedraht, skurrile Schatten auf das weiße Holz zeichnend. Rostiges Eisen wird zu einer fußballgroßen, an eine sich öffnende Blüte erinnernde Form gezwungen. Aus Hornteilen und Silberdraht entsteht Halsschmuck, zarte Pergamentblättchen fügen sich zu einer fragilen Halskette. Auf den Pergamenten eine Schrift aus Blut.

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Was die Materialwahl der Schmuckgestalter bei den Erfurter Symposien angeht, scheint es keine Tabus zu geben. Holz, Stein, Glas, Kunststoff, Blei, Kohle, Textiles, alles hat seine Berechtigung in den von handwerklich höchster Qualität geprägten Arbeiten.

Bei der Gründung des Schmucksymposiums im Jahr 1984 war dies „ein Stück Freiheit“ für die Schmuckgestalter der DDR, erinnerte Susanne Knorr. Ein Stück Freiheit, das immer wieder durch das Engagement der damaligen Gründer und Organisatoren Uta Feiler, Rolf Lindner und Helmut Senf erhalten und erneuert wurde. Und das Erfurter Schmucksymposium steuerte auch durch unruhige Wasser. Mehrmals habe es aus organisatorischen und finanziellen Gründen vor dem Aus gestanden, und auch die Stadt Erfurt habe sich erst 1994 zum Schmucksymposium bekannt, dessen Existenz mittlerweile durch das Land gesichert sei. Und so wird „der Schmelztiegel für kreatives Arbeiten und Gestalten,“ so Susanne Knorr, auch im kommenden Jahr wieder internationale Schmuckkünstler in Erfurt zusammenbringen.

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