Öffentliche Gottesdienste sind wieder erlaubt

Gottesdienst im Zeichen der Pandemie: Premiere beim Werktagsgebet

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Die etwa 20 Besucher des ersten öffentlichen Gottesdienstes nach der Corona-Schließung in St. Elisabeth verteilen sich weiträumig in der Kirche.

Dienstagmorgen, kurz nach acht: Das Glockenläuten der katholischen Kirche in Kesselstadt ruft die Gemeindemitglieder zum Gebet, nicht mehr zu Hause, sondern zum öffentlichen Gottesdienst in die Kastanienallee.

Die Türen der Kirche sind weit geöffnet, die Besucher treten fast zögernd ein, einzeln und mit großem Abstand. Im Eingangsbereich steht gut sichtbar eine knallgelbe Sprühflasche mit Desinfektionsmittel für die Hände, daneben der Korb für die Kollekte.

Auf den langen Sitzbänken sind abwechselnd zwei beziehungsweise drei Plätze durch eine Karte mit Pfingstmotiv markiert. Die etwa 20 Besucher an diesem ersten öffentlichen Gottesdienst nach St. Elisabeth verteilen sich weiträumig in der Kirche. Nach sieben Wochen ohne öffentliche Eucharistiefeier war bei Pfarrer Weber die Freude groß, wieder Gläubige in der Kirche begrüßen zu können.

Bischof gibt Schutzkonzept vor

Auch in der Kirche gelten Hygieneregeln und Abstandsgebote, der Fuldaer Bischof Gerber hat den Pfarrgemeinden ein „Schutzkonzept für öffentliche Gottesdienstfeiern im Bistum in Zeiten der Corona-Krise“ an die Hand gegeben, das die Pfarrgemeinden entsprechend ihren Möglichkeiten umsetzen müssen. Dazu gehört auch, dass nur wer sich gesund fühlt, den Gottesdienst besuchen soll.

Neben den Abstandsregeln gelten auch besondere Hygienemaßnahmen. Gesangbücher liegen nicht aus, das eigene Gotteslob muss mitgebracht werden. Der Gesang wird auf ein Minimum reduziert, am Sonntag entfällt er für Gemeinde; dann wird nur der Kantor die Lieder singen. Im großzügigen Altarraum ministrieren zwei Messdiener auf Abstand zum Pfarrer.

Corona-Pandemie ist Herausforderung für das Gemeindeleben

„Niemand ist verpflichtet, einen Gottesdienst zu besuchen, jeder kommt freiwillig und in eigener Verantwortung“, betont Pfarrer Weber im ersten Gottesdienst unter neuen Rahmenbedingungen. Dieser ausdrückliche Hinweis zum Gottesdienstbesuch macht deutlich, dass die Pandemie tiefgreifend in das Gemeindeleben wirkt.

Die neuen Gegebenheiten stellen alle, die am Gottesdienst mitwirken, Besucher, Pfarrer und Mitarbeiter, vor große Herausforderungen. „Wir werden in kurzen Gottes-diensten mit wenigen Besuchern sehen, wie wir schrittweise unser Konzept noch besser anpassen können“, sagt Pfarrer Weber.

Kirchenbesucher müssen Disziplin und Geduld mitbringen

Er steht vor einem Dilemma: Einerseits sollen sich die Menschen nach wie vor eingeladen wissen, andererseits müssen die Regeln streng eingehalten werden, je größer die Anzahl der Gottesdienstbesucher wird, umso stärker müssen sie vermutlich reglementiert werden. Es müssen Plätze zugewiesen werden, das Betreten, vor allem aber die Bewegung in der Kirche und das geordnete Verlassen erfordert Disziplin und Geduld von allen.

Die Sitzbänke sind markiert.

Die neuen Regeln werden im Pfarrblatt veröffentlicht, aber im Gottesdienst würde er immer wieder daran erinnern. „In der Freude vergessen die Menschen ja manches“, so Pfarrer Weber. Maximal 100 Personen können gemeinsam in St. Elisabeth feiern. Damit sind die räumlichen Bedingungen in der großen und modernen Kirche vergleichsweise gut. 

Gottesdienste an Werktagen sollen den Sonntag entlasten

Mitarbeiterinnen des Gemeindebüros, Ministranten und Pfarrgemeinderat werden den Menschen helfen, sich zurechtzufinden, ihnen eventuell einen Sitzplatz zuweisen. Im Hauptraum sind in beiden Sitzblöcken 70 Plätze ausgewiesen, weitere Möglichkeiten gäbe es seitlich und auf der Empore.

Dennoch hofft Pfarrer Weber, dass auch die Werktagsgottesdienste verstärkt angenommen werden und den Sonntag entlasten. Noch muss man sich nicht vorher anmelden. „Eventuell bieten wir im Pastoralverbund mehr Gottesdienste an, das wird man sehen müssen“, so Weber. Am 8. Mai werden in weiteren Kirchen Gottesdienste stattfinden; die Gemeinden erwarten nach siebenwöchiger Pause hohe Besucherzahlen.

Anmeldepflicht für Messen am Wochenende

Deshalb gilt für die Messen am Freitag und die katholischen Sonntagsgottesdienste in Hanau, St. Josef, Mariä Namen und Hl. Geist im Lamboy, eine Anmeldepflicht unter der Telefonnummer 0 61 81/9 23 00 75. „Jede Person kann sich nur für einen Gottesdienst pro Wochenende anmelden, damit gewährleistet ist, dass möglichst viele zu den Messfeiern kommen können“, so Maurice Radauscher, Gemeindereferent im Pastoralverbund „Unsere Liebe Frau“ in Hanau. Der Besuch der Werktagsmessen ist ohne Anmeldung möglich.

Im ersten Gottesdienst am Dienstagmorgen verhalten sich die Teilnehmer am Gottesdienst vorbildlich. Pfarrer Weber ruft am Ende noch einmal die besonderen Regelungen in Erinnerung, ermahnt, den Kirchplatz zügig zu verlassen und nicht dort zu verweilen. „Wir kennen das Abstandhalten ja schon vom Einkaufen“, sagt ein Ehepaar.

Das sei bereits eingeübt. Angst, sich anzustecken, hätten sie keine, sagen sie noch und gehen zügig weiter. Nach jedem Gottesdienst wird die Kirche gereinigt, Bänke und Türgriffe zusätzlich desinfiziert. „Wir tun alles, um einen bestmöglichen Schutz zu erreichen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben können.“

Das müssen Gottesdienstbesucher beachten

Vielerorts, so auch in Hanau, ist eine telefonische Anmeldung erforderlich. Abstand von mindestens 1,50 Meter ist immer einzuhalten, insbesondere beim Betreten und Verlassen der Kirche und bei der Hl. Kommunion. Die Sitzplätze in den Kirchen sind markiert und begrenzt. Kirchen öffnen eine halbe Stunde vor Beginn, da Vorlaufzeit für Desinfektion nötig ist. Auf Handhygiene ist zu achten. Eigene Gebetsbücher sind mitzubringen. Gemeinsames Singen findet nicht statt Auf dem Kirchplatz oder vor dem Gebäude dürfen sich keine Gruppen bilden. Die Kirchenmitarbeiter sind angewiesen, auf die Einhaltung der Regeln zu achten; ihren Anweisungen ist zu folgen. Es besteht keine Maskenpflicht, das Tragen einer Maske wird jedoch empfohlen. Körbe für die Kollekte werden aufgestellt. Menschen mit Erkältungssymptomen sollen Gottesdienste nicht besuchen. Friedensgruß erfolgt ohne Körperkontakt. Der Empfang der Kommunion wird nach Blöcken und Reihen geordnet ablaufen, der Dialog beim Empfang der Kommunion entfällt. Mundkommunion ist verboten.

In der Corona-Krise verbreiten sich Verschwörungstheorien um das Virus. Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky hat auf die Verbreitung der kruden Corona-Theorien wütend reagiert.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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