„HanauRadau“: Graffitikunst in Bergidylle

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Graffiti-Künstler auf ungewöhnlichem Terrain: Marcel Walldorf, Steffen Ansorge, Florian Lübke, Ronald Schroth und Martin Stiehl. Auf dem Bild fehlt Jakob Weiß.

Hanau - In Hanau haben sie schon Straßenunterführungen, Fußgängertunnel, Hauswände und Stromverteilerkästen verschönert. Seit über zehn Jahren beschäftigt sich die Künstlergruppe „Hanau Radau“ mit der Gestaltung von öffentlichen Räumen. Von Dirk Iding

In Österreich standen die Künstler nun vor einer auch für sie ungewöhnlichen Aufgabe. Die jungen Kreativen wurden vom Leutascher Kunst- und Kulturverein „Ars Cultus“ eingeladen, ein einzigartiges, aber leider auch vergängliches Kunstprojekt in Angriff zu nehmen: Die Gestaltung einer riesigen Wand aus purem Schnee.

25 Meter breit und drei Meter hoch war die Schneebarriere, die man im Leutschtal eigens zu diesem Zweck errichtet hatte. „Hinter diesem Projekt stand der Gedanke von Ars Cultus, bewusst eine städtische Kunstform in diese ländliche Umgebung zu bringen und den Kontrast zwichen urban geprägter Graffiti-Kunst und der alpinen Idylle Leutaschs zu nutzen, um ein für diesen Ort absolut ungewöhnliches Werk zu schaffen“, erläuterte Graffiti-Künstler Marcel Walldorf das Anliegen dieser Initiative.

Dabei machten die Hanauer Graffiti-Künstler auch die Erfahrung, dass Kunst in den Alpen ziemlich wetterabhängig ist. Der ursprüngliche Projektstart musste nämlich gleich um einige Tage verschoben werden, da wegen extremen Schneefall Lawinengefahr bestand und die Wand einzustürzen drohte.

Einweihung mit Livemusik, Fackeln und Glühwein

Den verzögerten Projektstart konnten die Hanauer indes dazu nutzen, mit dem für sie ungewohnten Material Schnee schon einmal zu testen. Mittels Bagger und Schneefräse hatten Ars Cultus-Mitglieder einen mannshohen Schneekubus errichtet, an dem die Hanauer Künstler ihre Farben testen konnten.

Mit Sprühlack auf Schnee: Martin Stiehl von der Künstlergruppe „Hanau Radau“.

Nachdem sich nach einigen Tagen die Wetterverhältnisse gebessert hatten, konnten Marcel Walldorf und seine Mitstreiter Steffen Ansorge, Florian Lübke, Ronald Schroth, Martin Stiehl und Jakob Weiß zur Tat schreiten und ihre Erfahrungswerte zum Thema „Sprühlack auf Schnee“ doch noch in die künstlerische Gestaltung riesigen Schneewand einfließen lassen. In den winterlichen Temperaturen angemessenen frischen Blau- und Türkistönen entstand innerhalb von nur zwei Tagen eine freie Improvisation im klassischen Graffiti-Stil, mit Bezügen auf den Hirsch als dem Leutascher Wappentier und dem Wintersport.

Das Ergebnis dieses Hanauer Kunstexports in die österreichischen Alpen kann sich wirklich sehen lassen und wurde von Anwohnern und Urlaubsgästen entsprechend gewürdigt. Das als „Graffiti on Snow“ angekündigte Werk wurde mit Livemusik, Fackeln und Glühwein zünftig eingeweiht. Leider ist „Graffiti on Snow“ nicht für die Ewigkeit geschaffen. Das erste Tauwetter wird das Kunstwerk verschwinden lassen.

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