Grande Dame der Kultur

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Hanaus Alt-Oberbürgermeister Hans Martin gehörte zu den Gratulanen von Ilse Werder.

 Hanau ‐ Ansichten wie die, dass Frauen ins Haus und an den Herd gehören, entfachten seit jeher den lodernden Zorn der Journalistin Ilse Werder. Von Dieter Kögel

Wobei solch konservative Gesinnungen zu der Zeit, als die jetzt 85-jährige Sozialdemokratin aktiv für Gleichberechtigung einzutreten begann, auch in den Reihen ihrer eigenen Genossen zu finden waren. Den Kampf an mehreren Fronten hat Ilse Werder jedoch beherzt aufgenommen - und mehr als achtbare Erfolge errungen.

Für ihr politisches, soziales und kulturelles Engagement bekam Ilse Werder am Samstag im Roten Saal von Schlosses Philippsruhe die August-Gaul-Plakette überreicht, die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt Hanau.

„Streitbar, kämpferisch, hartnäckig, freundlich aber bestimmt“

Die 35. Trägerin der August-Gaul-Plakette habe „großartige Leistungen für unser Gemeinwesen“ erbracht, sagte OB in seiner Laudatio. Als allein erziehende Mutter von vier Kindern habe die gebürtige Kasselenerin in Hanau nicht nur das Redaktionsbüro der „Frankfurter Rundschau“ aufgebaut, sondern auch die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen ebenso mitbegründet wie den Verein „Frauen helfen Frauen“, die Verbraucherberatung, die Beratungsstelle „pro familia“ oder den Hanauer Kulturverein. Überall dort habe sie den Boden für gesellschaftliche Veränderungen bereitet, und tue es nach wie vor. So archiviere sie als Mitbegründerin des Archivs Frauenleben Material, das Auskunft über die Rolle der Frauen im Verlauf der Geschichte gebe, rücke deren Verdienste mit rund zwölf Publikationen ins rechte Licht und wünscht, dass Frauen-Themen nun auch im Hanauer Museum berücksichtigt werden. „Streitbar, kämpferisch, hartnäckig, freundlich aber bestimmt,“ so Kaminskys Schilderung der „Grande Dame der Hanauer und der überregionalen Kultur“.

Lang war nach dem offiziellen Teil der Preisverleihung die Reihe der Gratulanten. Und auch wenn Ilse Werder Rampenlicht so gar nicht schätzt, am Samstag stand sie verdienterweise im Mittelpunkt und gestand: „Diese Ehrung freut mich aus ganzem Herzen.“

Ausführlicher Bericht heute in unserer Printausgabe.

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