„Das sind unsägliche Zustände“

Großauheimer Flüchtlingshelfer kritisiert Jobcenter

Hanau/Main-Kinzig-Kreis - Mitarbeiter über Wochen telefonisch nicht zu erreichen, auf Anrufbeantworter hinterlassene Nachfragen bleiben unbeantwortet, eingereichte Unterlagen verschwinden – viel Frust hat sich bei einem Großauheimer Flüchtlingshelfer aufgestaut. Von Dirk Iding 

Er kritisiert die „unsäglichen Zustände“ beim Jobcenter Hanau. Das Fass für ihn zum Überlaufen brachte, dass es die Leistungsabteilung des Jobcenters über Wochen nicht geschafft habe, die Kostenübernahme für die Möblierung einer Wohnung einer fünfköpfigen Familie zu klären. Ohne Initiative des Flüchtlingshelfers, der mittlerweile auf eigene Kosten gebrauchte Möbel kaufte, hätte die syrische Familie zum 1. Oktober zwar endlich eine Wohnung, aber wohl bis heute keine Möbel, so der Großauheimer. Dabei hatte das Jobcenter bereits am 28. August den Umzug genehmigt und seit 11. September habe dort eine Liste mit den benötigten Möbeln vorgelegen. Doch trotz fast täglicher Anrufe, bei denen niemand zu erreichen gewesen sei und trotz der Bitte um Rückruf, habe sich zunächst nichts getan. Und am 29. September habe die syrische Familie dann ein Schreiben bekommen, sie möge doch bitte mal auflisten, welche Möbel gebraucht würden – obwohl die Liste schon lange vorgelegen habe. Der Großauheimer Flüchtlingshelfer will das nicht auf sich beruhen lassen und erwägt nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Jobcenter.

Dass Mitarbeiter des Jobcenters nur schwer telefonisch zu erreichen sind und eingereichte Unterlagen verloren gehen können, von solchen Fällen hat auch der Steinheimer Flüchtlingshelfer Dr. Karl-Heinz Leister schon gehört und sie zum Teil selbst erlebt. Deshalb, so Leister, empfehle er Flüchtlingen, eingereichte Unterlagen vorher zu kopieren und sie sich von den Jobcenter-Mitarbeitern abstempeln zu lassen.

Allerdings sei der von dem Großauheimer Flüchtlingshelfer geschilderte Fall wohl „eher ein krasser Einzelfall und nicht die Regel“, meint Leister. So habe er die Erfahrung gemacht, dass er stets zurückgerufen werde, wenn er einem Mitarbeiter aufs Band gesprochen habe. Dass oft nur ein Band laufe, erklärt sich der Steinheimer Flüchtlingshelfer mit den vielen persönlichen Gesprächen, die die Fallbearbeiter mit Betroffenen führen müssten. „Da kann man nicht zwischendurch immer wieder ans Telefon gehen,“ zeigt Leister Verständnis.

Michael Krumbe, Vorstand des fürs Hanauer Jobcenter zuständigen Kommunalen Centers für Arbeit (KCA), verweist auf die anspruchsvolle Arbeit, die im Jobcenter zu leisten sei – egal ob als Leistungssachbearbeiter, als Fallmanager oder als Arbeitsvermittler. Gefordert seien eine hohe Belastbarkeit der Mitarbeiter verbunden mit präzisem, rechtssicherem Arbeiten, „ohne dass dabei die Belange der Menschen, um die es geht, aus den Augen geraten.“ Konkrete Zahlen, wie viele Fälle ein einzelner Mitarbeiter des Jobcenters bearbeiten muss und wie viel Zeit ihm dafür durchschnittlich bleibt, nannte Krumbe indes nicht. Mit „stringenten Verfahren und einer effizienten, dezentrale Organisationsform“ strebe man aber optimale Rahmenbedingungen für die Arbeit im Jobcenter an. Gerade Leistungsempfänger mit Fluchthintergrund würden dort engmaschig betreut. „Diese Menschen durchlaufen bei uns verschiedene Maßnahmen, die schlüssig aufeinander aufbauen.“ In separaten Fachstellen Flucht und Asyl seien zudem Mitarbeiter zusammengezogen worden, die eine besondere Affinität für diese Zielgruppe hätten.

Führung durch den Hanauer Mainhafen: Bilder

Darüber hinaus informiere man auch ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, Arbeitgeber oder oder Gemeindeverwaltungen sehr aktiv darüber, welche Angebote speziell für Flüchtlinge vorgehalten würden. „Wir freuen uns sehr, dass unser Engagement Früchte trägt und wir bereits eine große Zahl an Flüchtlingen in Arbeit integrieren konnten“, zeichnet Krumbe ein positives Bild der Arbeit in den Jobcentern.

Rubriklistenbild: © dpa

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