Gottesdienste zu Weihnachten

Große Sorge um den Heiligen Abend

Region Hanau – Dekan Dr. Martin Lückhoff hat den Gemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Hanau die Empfehlung ausgesprochen, am Heiligen Abend keine Präsenzgottesdienste zu veranstalten. „Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Inzidenzwerte in Hanau und Umgebung, überforderter Krankenhäuser und starker Verunsicherung in den Gemeinden empfehle ich Ihnen, am Heiligen Abend auf analoge Gottesdienste zu verzichten.

Das tue ich schweren Herzens, aber in der Überzeugung, die Pandemie nur gemeinsam bewältigen zu können“, schreibt Lückhoff in einem Brief an die Kirchenvorstände und die Pfarrer in den 26 zum Kirchenkreis gehörenden Gemeinden.

Die Entwicklung der Pandemie habe in den letzten Tagen zu einer deutlichen Verschärfung der Lage, auch der rechtlichen Vorgaben, geführt. „Die rapide steigende Zahl von Todesfällen zeigt: Die Pandemie hat Ausmaße erreicht, die nur durch einen gewaltigen gemeinsamen Kraftaufwand zu bewältigen sind“, so Lückhoff weiter. Mit der Entwicklung gehe eine starke Verunsicherung bei Pfarrern, Prädikanten und Kirchenvorstehern einher. „Viele sind zunehmend unsicher, ob und wie wir am Heiligen Abend Gottesdienste feiern sollten. Hinzu kommt die Sorge, dass sich am Rande der Heilig-Abend-Gottesdienste, bei Warteschlangen oder Gesprächsgrüppchen rund um die Kirche die Hygienevorschriften nicht einhalten lassen“, so Lückhoff weiter.

Jeder Gemeinde muss für sich entscheiden

Im Gespräch mit unserer Zeitung präzisierte Lückhoff jedoch noch einmal, dass es sich ausdrücklich um eine Empfehlung handele und die endgültige Entscheidung über die Gestaltung der Gottesdienste am Heiligen Abend bei den Gemeinden selbst liege. In jeder Gemeinde sei die Situation durch die örtlichen Gegebenheiten eine andere und müsse auch einzeln bewertet werden, so Lückhoff. In einigen Gemeinden wurden bereits am Abend Sondersitzungen der Kirchenvorstände einberufen, in anderen sollte gestern Abend und heute darüber diskutiert werden.

Die Stadtkirchengemeinde in Hanau hat bereits die für den vierten Advent geplanten analogen Gottesdienste in der Kreuzkirche und Marienkirche sowie die Motette am Samstag abgesagt. Die steigende Inzidenzzahl in Hanau Stadt und die damit gebotene Vermeidung von Ansammlungen im öffentlichen Raum sei ausschlaggebend für die Absage, teilte die Gemeinde gestern mit.

Großes Engagement der Ehrenamtlichen

Seit Wochen habe man in den Gemeinden mit großem Engagement die Gottesdienste am Heiligen Abend vorbereitet. „Mit vielen schönen Ideen und gut durchdachten Konzepten sind in den Kirchen und im Freien ansprechende Gottesdienste geplant worden, lobte Lückhoff das Engagement von Pfarrern und Ehrenamtlichen. In dem bisherigen Umgang mit der Pandemie sei deutlich geworden, dass die „gut ausgearbeiteten Hygienekonzepte funktioniert haben“. Sie hätten es ermöglicht, normale Sonntagsgottesdienste zu feiern und verantwortlich zu handeln. Allerdings sei die Situation am Heiligen Abend eine andere. Zu den traditionellen Weihnachtsgottesdiensten kämen erfahrungsgemäß viel mehr Besucher und auch viele Menschen, die ansonsten nicht so häufig in die Kirche gingen. „In den Gesprächen mit den Gemeinden habe ich eine Unsicherheit herausgehört. Viele fragten sich, was zu tun sei, wenn Menschen plötzlich unangemeldet kämen, sich nicht wie vorgeschrieben in die Listen eintrügen“, so Lückhoff. „Wir haben gegenüber den Besuchern, unseren Pfarrern und auch gegenüber den vielen Ehrenamtlichen eine Fürsorgepflicht“, so der Dekan. In seinem Brief bat er die Verantwortlichen in den Gemeinden, zu überlegen, ob sie anstelle analoger Gottesdienste über mehrere Stunden eine „offene Kirche“ als regelhaften Betrieb anbieten könnten. „Bei offenen Kirchen müssen Besucher sich nicht vorher anmelden. Notwendig sei eine Einlasskontrolle mit Registrierung in einer Liste. Mit den „offenen Kirchen“ sei es am Heiligen Abend möglich, Menschen den Anblick und Besuch weihnachtlich geschmückter Kirchen zu ermöglichen, in (un)regelmäßigen Abständen die Weihnachtsgeschichte zu hören, zu beten oder Musik zu hören.

Lückhoff wies auch auf viele andere Angebote hin: die bereits produzierten Krippenspiele oder Telefonandachten, Gemeindebriefe für Weihnachten zu Hause, DVDs zum Mitnehmen oder Gottesdienste an der Wäscheleine und vieles andere mehr. „Deshalb können wir sagen: Weihnachten findet statt.“

Angebote alle im Netz

Die vielen unterschiedlichen Angebote der Gemeinde würden weiterhin gut beworben und allen zugänglich gemacht. Auf www.weihnachten-findet-statt.info fänden die Menschen die Angebote der einzelnen Gemeinden. „Unser Anliegen bleibt es, die Botschaft vom Kommen Gottes in unsere Welt unter schwierigen, veränderten Rahmenbedingungen auch dieses Jahr den Menschen als Hoffnungs-Wort zusagen zu können“, schließt Dekan Lückhoff seinen Brief an die Pfarrer und Kirchenvorstände.

Am Sonntag geschlossen: Die Hanauer Stadtkirchengemeinde hat schon den Gottesdienst am Sonntag in der Marienkirche abgesagt.
Dr. Martin Lückhoff

Rubriklistenbild: © Mike Bender/PM

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