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Großer Zulauf aus sechs Bundesländern: Grimm-Berufsakademie in Hanau begrüßt 24 Erstsemester

Gruppenbild mit Corona-Abstand: Diese 24 Erstsemester wurden am Mittwoch in der Brüder-Grimm-Berufsakademie begrüßt.
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Gruppenbild mit Corona-Abstand: Diese 24 Erstsemester wurden am Mittwoch in der Brüder-Grimm-Berufsakademie begrüßt.

Mit gerade einmal neun Studierenden hat es vor acht Jahren angefangen, mittlerweile sind es 188 ehemalige und aktuell eingeschriebene Absolventen in drei Studiengängen. Die kleine Hanauer Brüder-Grimm-Berufsakademie (BGBA) hat sich in der Hochschullandschaft einen festen Platz erarbeitet. Am Mittwoch wurden wieder 24 Erstsemester aus sechs Bundesländern für die Studiengänge Produktgestaltung und Designmanagement begrüßt.

Hanau – Auch ihnen stehen nun sieben anstrengende Semester bevor, in denen sie ein duales Studium in der von ihnen gewählten Fachrichtung und zugleich einen Abschluss in einem Gestaltungsberuf (Goldschmied, Metallbildner, Holz- und Elfenbeinschnitzer) oder in einem kaufmännischen Beruf absolvieren.

Akademischer und berufsbildender Teil wechseln einander in Halbjahresblöcken ab. Geht alles gut, dann haben die Studierenden nach dreieinhalb Jahren einen akademischen Abschluss und zugleich einen Berufsabschluss in der Tasche.

Die Voraussetzungen dafür scheinen günstig zu sein. Bei rund 100 Studierenden in drei Fachrichtungen können die Dozenten der BGBA die Studierenden in kleinen Lerngruppen intensiv betreuen. Im beruflichen Teil gibt es zudem eine enge Zusammenarbeit zwischen der Akademie und den Ausbildungsinstituten und -betrieben, darunter mit der Staatlichen Zeichenakademie und dem Berufsschulischen Zentrum des Odenwaldkreises.

Grimm-Berufsakademie in Hanau hat eine sehr geringe Studienabbrecherrate

Für den Erfolg dieses Konzepts spricht auch ein Vergleich der Studienabbrecherrate, die bei der BGBA knapp über neun Prozent aller Absolventen liegt, während es in der hessenweiten Hochschullandschaft rund 30 Prozent sind.

„Klein und fein“ sei sie, die Berufsakademie, hob Hanaus Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck in ihrer Begrüßungsrede hervor. Dieser Markenkern sei eine wichtige Voraussetzung für ein qualitatives und gehaltvolles Studienangebot und letztlich auch der Garant dafür, dass die Absolventen mit den hier erworbenen Abschlüssen eine interessante berufliche Perspektive vor sich hätten. Funck ging auch darauf ein, dass die allermeisten Erstsemester aus verschiedenen Regionen der Bundesrepublik kämen und sich wohl erst in Hanau eingewöhnen müssten. Sie erwähnte, dass die Brüder-Grimm-Stadt „draußen zurzeit sehr stark mit den schrecklichen rassistischen Morden vom 19. Februar identifiziert wird. Das Ereignis hat tiefe Wunden in unsere Stadtgesellschaft geschlagen. Aber Sie werden feststellen, dass Hanau ei- ne pluralistische, weltoffene Stadt ist, in der es ein friedliches Miteinander von Menschen vieler Nationen gibt.“

Auch in der Grimm-Berufsakademie sind Corona-Vorschriften zu beachten

Wie die meisten Bildungseinrichtungen bleibt auch die BGBA nicht von den Restriktionen der Coronavirus-Pandemie verschont: Diesmal konnten keine Bewerber für den dritten Studiengang Innovationsmanagement akzeptiert werden, weil einige Partnerbetriebe für den berufsbildenden Teil pandemiebedingt absagen mussten: „Das ist schade, weil wir allein für diesen Studiengang 18 Bewerbungen erhalten haben“, sagte Professor Martin Krämer, einer der Dozenten an der Akademie. Und auch die bereits laufenden Studiengänge wurden von der Pandemie kalt erwischt. Professor Krämer erinnert sich: „Am Freitag, dem 13. März war der letzte Studientag vor Ort, dann kam der große Schreck. Es gab bei uns die große Unsicherheit, ob wir den Studiengang unter den neuen Bedingungen überhaupt aufrechterhalten können.“ Die BGBA ist dann sehr schnell auf digitale Kommunikationswege ausgewichen. Für die Studierenden war das ohnehin kein Problem, aber auch die Dozenten sind aufgrund ihrer weiteren beruflichen Tätigkeiten gut damit vertraut: „Die Studierenden haben in dieser Situation sehr flexibel reagiert, sodass wir für die digitale Kommunikation kleine Gruppen zusammengestellt haben. Deren Sprecher schalteten sich dann wöchentlich und bei zusätzlichem Bedarf mit den Dozenten in Videokonferenzen zusammen“, sagte Krämer. Professorin Nicole Simon, die Leiterin der Akademie, zieht ein erstes Resümee der pandemiebedingten Umstellungen: „Wir haben mit der Online-Kommunikation überraschend gute Erfahrungen gemacht und werden einiges davon in den Regelbetrieb übernehmen. Es wird Online-Meetings geben und Studienbewerber können ihre Unterlagen nun auch online einreichen.“

Erste Erfahrungen gibt es bereits. Beispielsweise durfte auch eine Studienbewerberin aus Sachsen ihre Bewerbungsunterlagen online schicken und musste dafür nicht extra nach Hanau kommen. Der Dozent hat die Bewerbungsunterlagen durchgesehen und sein Ergebnis mit ihr auch online besprochen. Professorin Simon: „Der digitale Weg kann und wird das Vor-Ort-Studium natürlich nicht ersetzen. Aber wir haben aus der Krise auch gelernt, dass wir uns zusätzlich in Richtung Online-Lernen bewegen müssen.“

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